Beiträge von MauMau

    Man, das ist ja besser als ne Comedy Show. :D

    Kann es sein, dass Natalie ein paar soziopathische Charakterzüge hat? Oder auch ein paar mehr? Neben der Tatsache, dass sie Gedanken lesen und Gespräche hören kann, die am Arsch der Welt stattfinden. Das ist ja nun echt nicht mehr normal. Und denkt dann, sie sei das Opfer?

    Wünsche allen Postern viel Kraft und Durchhaltevermögen. :saint:

    Also .. als Halterin eines anfänglichen "Problemhundes" kann ich nur sagen, dass Fehlverhalten bei Hunden in der Regel immer durch den Menschen ausgelöst wird. So war es auch bei mir damals, als ich meinen verprügelten Schäferhund Husky Mischling aus dem Ausland bekam. Hunde sind sehr soziale Tiere, die in Rudeln leben und entsprechend auch ihre Menschen als solches sehen. Sie brauchen Führung, einen dominanten Menschen als Alpha und diese Position kann man sich nicht durch Prügel, Leckerlies oder ähnliches erkaufen. Es hat sehr viel mit der Grundeinstellung des Halters an sich zutun. Ist dieser (in den Augen des Hundes) nicht in der Lage, die Führung des Rudels zu übernehmen, springt augenblicklich der Hund in den Rang des Alphas und trifft die Entscheidungen. Das muss nicht heißen, dass man damit einen Beißer oder gar aggressiven Hund an der Leine hat, sondern nur, dass man das Recht zu entscheiden verloren hat und das Tier ein entsprechendes Verhalten an den Tag legt.

    In meinen Augen ist deine Bekannte als Halterin nicht geeignet, weder für einen großen Treibhund, noch für einen Chihuahua, solange sie nicht an sich selbst arbeitet. Der einzige Unterschied: Der Chihuahua richtet weniger Schaden an. :D


    Das sind ein paar einfache Dinge, die ich in 3 Jahren Angsthund Haltung und mit einem wahnsinnig guten Trainer lernen durfte. :)

    Mein besagter "Problemhund" ist übrigens eine Granate von Tier und im Leben nicht zu ersetzen! Man kann ihn eben nicht in jede Hand geben. Er regelt seine Probleme allerdings nicht durch Beißen oder Aggression, sondern durch Flucht und auch das haben wir abgestellt.

    Der ist super süß! Ist das ein Eberl Smiley oder welches Modell? :)

    Habe meinen Lieblings Bubi gestern auch endlich mal wieder abgelichtet .. und das Bild auch gleich als Avatar auserkoren. :love:





    Haley


    Wow, scheinbar haben wir es jetzt geschafft - Jemand sieht sich das von meinem Pferd verursachte Desaster an. Nachdem Milo uns also die Hand geschüttelt hat und wir uns grob bekannt gemacht haben, erkundigt er sich noch einmal genauer nach Ort und Stelle des Geschehens. Er vermutet sogar direkt, dass es sich um den Zaun der Wallache handelt und ich frage mich promt, ob mein Pferd hier schon mehr zerstört hat, als mir lieb sein kann? "Genau .. bei den Wallachen.", bestätige ich drucksend, verkneife mir die Frage nach weiteren Schäden jedoch. Es wäre typisch für Sam, seine Angelegenheiten mal wieder im Alleingang zu erledigen, aber eigentlich sollte der Hof nicht direkt nach unserer Ankuft zu Staub und Asche zerfallen. Als Milo sich noch erkundigt, ob mein Pferd auch keinen Schaden genommen hat, presse ich die Lippen aufeinander. Haley, du Rabenmutter! "Steht friedlich grasend bei seinen neuen Buddys.", gebe ich erklärend zurück und nicke zur Bestätigung noch einmal. Man mag es kaum glauben, aber trotz der schlanken Beine - die ein Vollblut nun mal hat -, kommt mir mein Pferd immer sehr robust vor. Ich werfe Dean einen auffordernden Blick zu, dass er sich gefälligst in Bewegung setzen soll, damit ich nicht allein mit einem Fremden durch die Gegend schlendern muss, um ihm die vernichteten Holzüberreste zu zeigen.

    Haley


    Plötzlich geht alles ganz schnell, vor allem aber durcheinander. Der Stallbursche stellt sich als Simon vor, wie ich noch am Rande mitbekomme, die Chefin trägt den Namen Natalie. Eigentlich bin ich kein Fan dieser Kennenlern-Gespräche, aber ich entschließe mich doch dazu, mich wenigstens vorzustellen. Gerade als ich den Mund öffne, um ihnen meinen Namen zu nennen .. verschwindet einer und im Gegenzug taucht jemand anders auf. Ein Kerl übrigens. Milo also. Natalie und er tauschen irgendwas übers Nageln aus, glaube ich, was mich den Mund schließen und die Augen weit öffnen lässt. Plötzlich rennt jedoch Frau Chefin los und übergibt sich, dann ist sie weg. Verwirrte Blicke tausche ich mit meinem Partner von Charakterschwein aus, ehe ich fragend die Arme ausbreite und mich demonstrativ umsehe. "Alles klar.", entgegne ich ins Nichts, bis mir auffällt, dass der eben gesuchte Milo aber sehr wohl noch da ist. Dean übernimmt die Ehre und stellt uns vor. Während er spricht, macht mein Gesicht eine Welle der Emotionen durch, die von Empörung, über Belustigung, bis hin zur Wut reicht. Immer der Reihe nach. "Glaub ihm kein Wort.", ist das erste, was ich kopfschüttelnd dazu sagen kann. "Bis auf das mit dem Zaun. Der ist hinüber." Grinsend reiche ich Milo meine Hand.

    Haley


    Netterweise verrät mir der junge Mann direkt, dass Frau Chefin eine der besagten Damen ein paar Boxen weiter ist. Tja, der erste Eindruck täuscht bekanntlich. Keine Einstellerin, sondern die Chefin. Ich wende den Kopf, um zu den beiden Frauen herüber zu blicken und will mich gerade mit einem "Danke." abwenden, da hakt er doch noch nach, was genau mein Pferd zu Staub zerfallen lassen hat. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie Sam durch den Holzzaun marschiert ist. "Ähh .. den Zaun.", gebe ich erklärend zurück. "Wir haben meinen Wallach vor zwei Tagen gebracht, den Fuchs mit der komischen Blesse." Da er hier wohl die Stallarbeit erledigt, kann er sich vielleicht an meinen Affen von Pferd erinnern. "Er sollte die ersten Tage alleine stehen, bis er zu den anderen darf. Fand er nicht so witzig, jedenfalls hat er sich wohl selbst vergesellschaftet." Unschuldig zucke ich mit den Schultern und sehe mich zu Dean um, um sicher zu gehen, dass er mich nicht mit dem Schlamassel alleine hat sitzen lassen. Aber er ist noch da. Als mich jedoch besagte Chefin plötzlich anspricht, wende ich ihr natürlich meine Aufmerksamkeit zu. "Okay .. also .. mein Pferd hat den Zaun zerstört.", gestehe ich noch einmal.

    Haley


    Manchmal glaube ich, ich habe die Macht über diesen Kerl. Manchmal. Betont manchmal. Es gibt auch Tage an denen wir wie zwei Ziegenböcke gegeneinander arbeiten und uns streiten, sodass weder der eine, noch der andere weiterkommt. Heute ist nicht so ein Tag, er dümpelt mir wie ein Dackel hinterher in die Ställe, wo wir uns auf die Suche nach einem der Verantwortlichen machen. Bisher habe ich nur die Tierärztin kennengelernt und die ist weit und breit nicht zu sehen. Im Stutenstall entdecken wir zwei Frauen bei einem Pony in der Box, die ich im ersten Augenblick für Einsteller halte und deswegen weiter gehe. Schließlich finde ich einen jungen Typen, der gerade die Ställe ausmistet und so lehne ich mich mit fragendem Blick in die Box hinein, mit einer Hand an der Boxenwand festhaltend. "Hey, Kumpel.", begrüße ich den Fremden unschuldig lächelnd. "An wen muss ich mich hier wenden, wenn mein Zosse was zerstört hat?", frage ich dann noch hinterher und hebe gespannt eine Augenbraue.

    Haley


    Ob ich gut geschlafen habe? "Und wie.", gebe ich ironisch zurück. Nur das Aufstehen war der Horror, aber diesen Gedanken behalte ich einfach für mich. Einen Moment lang lasse ich meinen Blick auf den friedlich grasenden Pferden liegen, dann bemerkt mich sogar Sam und hebt brummelnd den Kopf. Meine Mundwinkel wollen gerade zu einem Lächeln hochzucken, da wirft Dean mal wieder mit schlechter Laune um sich. Die Leute sollen wie ich sein? Ist das eine Beleidigung oder ein Kompliment? Schnell stellt sich heraus, dass es sich um eine Beleidigung handelt und so boxe ich ihm mit der Faust in die Seite. "Du wirfst schon wieder mit viel zu viel Begeisterung um dich. Komm, wir suchen lieber jemanden, der sich darum kümmert.", schlage ich schließlich vor. Irgendjemand muss ja schließlich den Zaun reparieren, denn wenn ich selbst Hand anlege, rennen bald alle Zossen frei herum.

    Haley


    Keine Ahnung warum ich an diesem Morgen .. Mittag, Nachmittag, Tag – wie viel Uhr haben wir eigentlich? – mit wahnsinnigen Kopfschmerzen aufwache, aber das Dröhnen meines Kopfes ist Programm. Weiß Gott, was ich wieder getrieben habe. Nach einer Weile des Sterbens bequeme ich mich dazu, einen Blick auf mein Handy zu werfen und habe auch direkt ein paar ungelesene Nachrichten. Dean. Noch im Halbschlaf vernehme ich die Neuigkeit, dass Sam wohl reißaus gemacht und sich selbst vergesellschaftet hat. Dieses Pferd …

    Ich schmeiße mich so voreilig aus dem Bett, dass mir für einen Moment schwarz vor Augen wird und ich nur orientierungslos durch die Gegend taumeln kann. Doch die Schwärze vergeht und ich bemühe mich, mir ein paar Klamotten aus dem Schrank zu wühlen, ehe ich ins Bad verschwinde, um mich fertig zu machen. Ich sollte möglichst am Stall sein, bevor das Chaos weiter seinen Lauf nimmt. Mit zwei verschiedenen Socken, einem Bein in der Hose und auf dem anderen hüpfend, stolpere ich die Treppe herunter, ehe ich in meine Sneakers schlüpfe und mir den Haustürschlüssel schnappe. Kaum dass die Tür ins Schloss gefallen ist, fällt mir ein, dass mich niemand abholt und ich entweder laufen oder Fahrrad fahren muss. Mir sagt weder das eine noch das andere zu, aber letztendlich findet man mich doch tretend auf meinem Rad wieder. Wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Schwitzend. Ein Häufchen Elend.

    Als ich auf dem Hof ankomme, scheinen schon ein paar Leute da zu sein, vor allem aber Dean fristet seine Zeit hier. Jedenfalls kann ich ganz klar seine Maschine von Geländewagen ausmachen. Demonstrativ parke ich mein schrottreifes Fahrrad neben seiner glänzenden Edelkarre, ehe ich mich mit schnellen Schritten auf die Suche nach ihm mache. Wartend finde ich ihn auf einem Zaun wieder, meinen und die ganzen anderen Wallache im Blick. Der Zaun zum Paddock daneben, auf dem mein Pferd eigentlich stehen sollte, quasi zu Staub zerfallen. Seufzend wische ich mir mit einer Hand durchs Gesicht, ehe ich Dean von hinten einen Stoß verpasse, in der Hoffnung, dass es ihn auf den Boden befördert. Aber dazu ist er zu schwer und hat leider zu viel Körperspannung. Spielverderber. „Tag, Herr Johnson.“, grüße ich ihn, bevor ich mich suchend nach jemandem der Verantwortlichen umblicke. Wortlos sollte ich den Schaden nicht so liegen lassen, wenn ich nicht gleich wieder rausgeworfen werden will. Nein, heute muss ich auf den Beichtstuhl.

    Haley


    Da wir irgendwie zu keinem Schluss kommen und es mir irgendwann zu blöd wird, wende ich mich langsam zu Dean um, der inzwischen wieder an seinem Pick Up lehnt und von dort aus die Show begutachtet. Von diesem Standpunkt aus müsste er eigentlich einen guten Blick auf Sam haben. Da mein allerliebster Alpha-Kevin sich aber nicht regt und auch sonst keine Anstalten macht, ein vermisstes Pferd einfangen zu wollen, gehe ich davon aus, dass mein Wallach seine Zeit weiterhin auf dem Transporter verbringt. Guter Junge. Kurz darauf lege ich über die Schulter abermals meinen Blick auf Dean, der mich mit einem Psst auf sich aufmerksam macht und einen Keks aus der Tasche zieht, den ich sofort erkenne. Spitzbübisch blitzen meine Augen auf. Als er mit einem Nicken auf Beth deutet, ergibt ihr Verhalten entsprechend Sinn. Die plötzliche Euphorie, die Halluzinationen - er muss ihr einige seiner überdosierten Gras Kekse in den Mund geschoben haben und wie könnte sie da nein sagen? Mit einem schmunzelnden Nicken gebe ich ihm zu verstehen, dass ich sofort bei ihm bin. Nur muss ich erstmal dieses Pferd loswerden. Da Beth wie eine Statur neben mir steht, wittere ich meine Chance und drücke ihr kurzerhand einen Riemen des Halfters ihres Wallachs in die Hand. Einen Augenblick lang beobachte ich das Bild, bis ich mir sicher sein kann, dass sie nicht direkt wieder loslässt und wie eine Elfe durch die Baumkronen tanzen geht. "Bleib.", befehle ich, während ich mit den Händen herumgestikuliere und mich dabei langsam rückwärts bewege, immer mehr Abstand zwischen uns bringe. Bevor ein Unfall passieren kann, wende ich mich ab und gehe mit schnellen Schritten auf Deans geliehenen Geländewagen zu. Den Gedanken, mich auf die Motorhaube zu schmeißen, verwerfe ich gleich wieder - zu hoch. Schweigend stelle ich mich also neben ihn und lehne mich mit dem Rücken an den Pick Up, ehe ich ihm den Keks mit einer schnellen Handbewegung aus den Griffeln ziehe und in meinem Mund verschwinden lasse. Danach bediene ich mich einfach selbst an seiner Jackentasche. Auf nette Gesten bin ich nicht angewiesen, er muss sie mir nicht anbieten, weil ich sehr wohl in der Lage bin, sie selbst in seinen Klamotten zu ertasten. Bis es keine mehr gibt.

    Dean fehlt mir, auch jetzt, wo er direkt neben mir ist, weil ich weiß, dass er jeden Moment wieder verschwinden könnte. Aber das würde ich natürlich niemals zugeben. Für den komischen Draht zwischen uns gibt es irgendwie kein richtiges Wort, nicht einmal Hassliebe trifft es annähernd. Es ist viel schlimmer. Ich bin mir sicher, dass er mich für eine Schachtel Kippen eine Klippe herunter stürzen würde - gleichzeitig weiß ich, dass er im Ernstfall immer für mich da wäre. Heute scheinen mich die Kekse in eine Art Melancholie zu stürzen, jedenfalls fühle ich mich gerade so und als ich den Blick hebe, um Dean anzusehen, schnellt meine geschlossene Faust gegen seinen Oberarm. "Du bist ein Dreckskerl."

    Irgendwann bekommen wir dann auch endlich drei wunderschöne Boxen angeboten, mit denen ich natürlich nicht einverstanden bin. Also jedenfalls nicht mit der, in die mein Zosse soll. 24 Stunden Freigang sollen es sein, kein Gefängnis. Er hat ja nichts verbrochen. Ein paar Diskussionen später kann ich meinen Bubi endlich auf ein Stück Weide entlassen, auf welchem er sich einleben soll, bis er zu den anderen Wallachen darf. Immerhin ist er nur durch einen Zaun von ihnen getrennt und kann schon jetzt ein paar ferne Freunde finden. Was das angeht, mache ich mir keine Sorgen um ihn. Er ist sowas wie Everybody's Darling! Und was danach noch alles passiert .. sollte man lieber die Überwachungskameras fragen.

    Haley


    Uuund es geht wieder los. Shane tut so, als wäre er allein mit der letzten Frau auf Erden und scheint sich von meiner und Deans Anwesenheit bei seiner Tour nicht stören zu lassen. Bei klimpernden Wimpern, vielsagenden Augenzwinkern und fließenden Bewegungen durch sein dunkelblondes Haar .. kommt mir doch glatt die Galle hoch. Unser Gegenüber springt natürlich voll darauf an, blendet alles um sich herum aus, wie es aussieht. Hat sie eigentlich einen Namen? Hat sie uns diesen schon gesagt? Falls ja, muss ich ihn bereits wieder gelöscht haben. Demonstrativ blicke ich zwischen beiden hin und her, breite fragend die Arme aus und werde erfolgreich ignoriert. Klasse. Teilnahmslos stelle ich mich wieder an den Rand und mir fällt ein, dass ich abermals den Schimmel festhalten sollte, bevor er wieder hinter die nächste Ecke verschwindet. Also das tue ich auch. Schweigend. Entnervt - und ich meine wirklich entnervt! -, denn sowas wie Nerven habe ich nach den letzten anstrengenden Tagen mit den zwei dümmsten Geschwistern aller Zeiten wirklich nicht mehr. Soll nicht heißen, dass ich ihr persönliches Balsam für die Seele gewesen bin. Erst nach einer Weile fällt mir auf, dass Beth gar nicht bei uns ist und so blicke ich mich suchend nach ihr um, finde sie mitten auf dem Hof bei .. was zur Hölle tut sie da? Und wo ist die nächstliegende Klapse? Kopfschüttelnd wende ich mich wieder ab und versuche mich auf das vor mir liegende Gespräch zu konzentrieren, in dem es von einer Sekunde auf die andere plötzlich um Geschlechter geht. Mit großen Augen starre ich die beiden Glanzstücke der Blonden an, bis ich schließlich verstehe, dass es um unsere Pferde und das Maulding geht. Shane hat natürlich keine Ahnung, lässt seine Dummheit auf die offene Welt los und verblödet damit den ganzen Rest. Das schweinisch eingestellte Blondchen bietet direkt an, einen prüfenden Blick auf die Kronleuchter unserer Tiere zu werfen, als ob sie davon ausgehen könnte, dass der Rest von uns mit einer ebenso paranormalen Beschränktheit gesegnet wäre. Ach und Shane möchte sie natürlich auch gleich ins Höschen sehen, alles klar. Zeit sich einzumischen. Schützend schiebe ich Cascadello hinter mich - wenn man das so nennen kann, allein sein Rist liegt mehr als zehn Zentimeter über meinem Kopf - und verziehe das Gesicht. "Alles Wallache.", lasse ich sie deutlich wissen. Niemand darf unseren Bubis aufs Gehänge glotzen. Beth schwebt derweil wie eine Elfe zurück in unsere Richtung, scheint von der Idee, hier zu bleiben, sogar sehr angetan zu sein, ist mir aber keine große Hilfe. Fragend werfe ich Shane einen Seitenblick zu, weil ich seine Mimik und Gestik nun wirklich nicht verstehe und leider nicht im Besitz einer Gebrauchsanweisung bin. Meinst du das mit dieser lebendig gewordenen Trauerweide wirklich ernst? Oder willst du gerettet werden? Dean kommt uns wie üblich auch nicht zur Hilfe, sondern sieht sich das Spektakel amüsiert von der Seite an.



    Haley


    Völlig in meiner neuen - vor allem aber selbst erteilten - Beschäftigung aufblühend, verschwende ich sogar einen Gedanken daran, Shane um Hilfe zu bitten. Er könnte zumindest dafür sorgen, dass uns die restlichen zwei .. ein Zossen und Muli .. nicht davon laufen und einfach auf dem Hänger stehen bleiben. Gar nicht so schwer oder? Zumindest nicht, wenn man nicht so ein Steckdosenbefruchter wie Shane ist. Ich will mich also gerade zu ihm umdrehen und ihm die freudige Nachricht überbringen, dass wir jetzt zusammenarbeiten werden, da stelle ich fest, dass er verschwunden ist. Verwundert blicke ich mich nach ihm um und sehe ihn schließlich beim Rest unserer Truppe stehen. Bei der Blondine quasi. Nicht sonderlich beeindruckt lasse ich meine Schultern sinken und seufze mir selbst einen vor. Von hier aus kann ich nicht einmal hören, worüber genau die anderen reden und ich muss mich ehrlich fragen, ob wir gerade schon Ärger bekommen oder herzlich Eingeladen werden? Unwillig werfe ich einen Blick auf den ramponierten Transporter, aus dessen Luke mich die treudoofen braunen Augen meines Wallach und der dicke Hintern des Mulis anblinzeln. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Sam auf genau die selbe Weise Nachrichten überbringen kann, wie ich es bei Beth handhabe, also mache ich es auf die altmodische Art und spreche stattdessen mit ihm. "Kumpel, du bleibst einfach da stehen und bewegst dich nicht, okay? Das kannst du doch so gut." Keine Regung, kein Zucken, keine gespitzten Ohren, aber mir bleibt im Grunde nichts anderes übrig, als mich darauf zu verlassen, dass er mich verstanden hat. Mit dem Finger zeige ich auf ihn, während ich um den Transporter - oder das, was davon übrig geblieben ist - herum laufe und den Schimmel am Halfter hinter mir her schleife. Zu meinem Entsetzen stelle ich fest, dass jemand den Türgriff abgerissen haben muss, denn der liegt jetzt im Dreck. "Shane.", fluche ich leise vor mich hin und starte den Versuch gar nicht erst, das Teil wieder an die Tür zu montieren. Meine Reise führt also einmal um das Fahrerhaus herum auf die Beifahrerseite, als man von hinten ein lautstarkes Rumpeln vernehmen kann. "Sam!", brülle ich sofort. "Nicht aussteigen!", setze ich noch hinterher, fasse in meiner Panik mit der freien Hand an den Türgriff, der natürlich promt klemmt und reiße daran rum, bis ich ihn letzten Endes ganz in der Hand halte. Aufgebracht lasse ich Cascadellos Halfter los, lasse den Griff fallen und schmeiße beide Arme in die Luft. "ERNSTHAFT?", will ich von den Überresten des Gefährts wissen, während mich die Führstricke von drinnen auf der Sitzbank anlächeln. Kein rankommen mehr. Zufällig ist plötzlich der Schimmel von meiner Seite verschwunden. Ruckartig und panisch beginne ich mich nach ihm umzublicken, drehe mich drei mal im Kreis und renne dann blindlings in irgendeine Richtung. Grasend finde ich ihn unter einem Baum wieder. Sofort greife ich ins Halfter und versuche ihn wieder zurück zum Geschehen zu bringen, aber er sieht das anders und ignoriert meine Anwesenheit gänzlich. "Dolli bitte.", bettle ich ihn an, doch er lässt sich nicht beeindrucken und zieht mich stattdessen wie auf Skiern hinter sich her. Im Eifer des Gefechts habe ich nicht einmal mehr nachgesehen, ob mein eigener Gaul noch auf dem Transporter stand oder ebenfalls die Fliege gemacht hat. Einen Ringkampf und etliche ausgerissene Haare später, komme ich samt Schimmel wieder zurück gewatschelt, nur um festzustellen, dass mein Fuchs sich keinen Meter bewegt hat und noch immer bei Loki verweilt. Dann wird er das jetzt wohl auch weiter tun. Völlig außer Atem und mit Cascadello im Schlepptau geselle ich mich zurück zu den anderen. "Und? Ziehen wir ein oder was?"

    Haley


    Wann hat sich das letzte mal so ein Disaster direkt vor meiner Nase abgespielt? Okay, ist erst drei Tage her, aber es schockiert mich trotzdem jedes mal aufs neue! Ich halte mich wie üblich an mein Lebensmotto und schiebe Shane die Schuld in die Schuhe, der wie ein Denkmal auf dem Hof steht und nicht einmal mehr zu atmen scheint. Wir zwei, Shane und ich, haben vielleicht keine innere Verbindung, sie wie ich sie zu Beth habe, aber ich kann seine Gedanken förmlich trotzdem hören, weil ich sein Lebensmotto kenne und er wohl kaum drei Worte der deutschen Sprache mehr bemächtigt ist. Seht mich an, ich bin göttlich! Sein Gesicht auf ner Briefmarke und die Post geht pleite - soviel zu meiner Meinung. Ich werfe seiner Schwester einen Blick zu, die noch überrascht von unserer Übertragungsfähigkeit wirkt, und da ich hier, direkt neben ihr, so guten Empfang habe, tauchen augenblicklich ein paar ihrer Gedanken vor meinem inneren Auge auf. Ein Spielzeugaffe mit einem paar Becken, die er immer wieder aneinander schlägt. Oh Beth .. . Außerdem Pizza. Als aber ein Fetzen von Matt, ihrem Ex, vorbei rauscht, fällt mir bald die Kinnlade auf den Boden und ich boxe ihr protestierend gegen den Oberarm. "Beth!", spotte ich über sie, ehe ich die Frequenz wechsele, um mir einen weiteren Schauer über den Rücken zu ersparen. So wollte ich ihn nicht in Erinnerung behalten.

    Der Transporter lässt derweil ein Teil nach dem anderen fallen und auch ein zweiter Reifen gibt nun den Löffel ab und lässt den ganzen Tarnsporter nach links absinken. Ich kann fast die dicken Hintern unserer Pferde sehen, die sich gegen die dünne Aluwand lehnen. Mit dem Ding kommen wir keinen Meter mehr voran .. na gut, wir vielleicht ein paar noch, aber nur, weil wir es drauf anlegen würden. Im Grunde genommen sitzen wir aber hier fest. Als meine Freundin sich erkundigt, ob ich gerade noch unserem Monty Roberts - sie nennt ihn so, ich nicht - auf den Senkel gegangen bin, schüttle ich nur unschuldig den Kopf. "Ich doch nicht." Und dann stehen wir da. Eine ganze Weile sogar, und wissen nichts mit uns selbst anzufangen. Bis auf Shane, der sich hinter den Überresten des Transporters vor mir in Sicherheit bringt und dafür erneut meinen Hass in Form von Blicken erntet. Irgendwann kommt ein dicker Geländewagen auf den Hof gefahren, zu dem ich im ersten Moment keinen Bezug habe, bis mir wieder einfällt, wer leihweise besagten Wagen fährt. Meine Stimmung schlägt augenblicklich um und während der wehrte Herr Johnson den Hintern aus seinem fahrbaren Untersatz schwingt, plane ich schon meine überschwängliche Begrüßung, als hätten wir uns Jahre nicht gesehen. Stimmt nicht. Vorgestern das letzte mal, glaube ich, aber für mein Zeitgefühl ist es schon länger her. "Deeean!", brülle ich fast schon unter Freudetränen, aber nur fast. Ich will gerade loseumeln und ihm um den Hals fallen, so, wie er es hasst, da nimmt die Katastrophe weiter ihren Lauf. Er nimmt einen Stein, wirft ihn nach Beth, trifft die dahinscheidenden Überreste des Transporters und promt stürzte die Ladeklappe herunter. Ein paar Sekunden noch in den Angeln hängend, tastet Cascadello als erster seinen Weg heraus und lässt die Klappe gänzlich einstürzen. Während Beth das Entsetzen ins Gesicht geschrieben steht, überlege ich mir nur, warum wir die Pferde eigentlich nicht angebunden haben? Vermutlich, weil sie die Wände herausgerissen hätten. Kurz darauf steht der Schimmel wohlbehalten auf dem Hof und wirft als erster einen Blick auf das Geschehen, ehe Sam seinen Kopf aus der Öffnung hält. Er muss sich irgendwie umgedreht haben. Bevor noch schlimmeres passieren kann, gesellt sich eine vollbusige Blondine dazu und erkundigt sich, ob sie uns helfen könne. "JA!", entfährt es mir sofort, ehe ich ihr Beth entgegen schubse. "Regel das, ich sammel dein Pferd ein. Dein Bruder ist dazu nicht in der Lage." Mit diesen Worten lasse ich sie fürs erste mit der Blonden alleine und mache mich auf den Weg, um Cascadello zu inhaftieren, bevor er sich alleine ins Verderben stürzen kann. Im Vorbeigehen kneife ich Dean in die Wange, so, wie es für gewöhnlich nur liebende Omis bei ihren Enkeln tun, und grinse ihn an. Auf seinen Kommentar, dass es es überraschend finde, dass der Hof noch steht, hebe ich provokant die Augenbrauen. "Wir fangen doch gerade erst an.", erwidere ich, wende mich dann aber doch ab, um den Schimmel einzusammeln. Der steht noch immer da, so wie er ausgestiegen ist und reckt Sam seinen Kopf entgegen, als wollte er entwarnung geben und die Übriggebliebenen einladen, ebenfalls herauszukommen. "Ihr bleibt da DRIN.", bölke ich in meiner tiefsten Stimme, die mich gleich zehn Zentimeter größer macht, Sam und Loki entgegen, ehe ich in das Halfter des Schimmels greife und ihm über den Hals steiche. "Geduld ist nicht deine Stärke, hm?", erkundige ich mich, während ich in Gedanken unsere Abfahrt noch einmal durchgehe und mich frage, wo wir doch gleich die Führstricke geparkt haben?


    Haley


    Zutiefst in ihrem Ego beschädigt lasse ich Beth auf dem Boden liegen, während sie sich lautstark bei mir beschwert. Wenn man das so nennen kann - genau genommen sagt sie einfach nur meinen Namen, aber ich nehme es als Indiz für ihre Unzufriedenheit auf. "Das ist mein Name.", stimme ich ihr ohne Widerworte zu. Aus dem Augenwinkel beobachte ich, wie sie sich aus dem Dreck erhebt und sich den Staub von der Hose klopft, es trotzdem aber noch einige Reste zurück bleiben, und gönne mir ein schadenfrohes Grinsen. Hinter meiner Stirn pocht es immer noch, also reibe ich mir demonstrativ mit dem Handrücken über den Kopf, was aber keinen so richtig zu interessieren scheint. Fein. Wir sind vor nicht einmal 30 Sekunden angekommen und haben schon jetzt fast ein Schädelhirntrauma und eine gebrochene Nase verursacht. Ein wahnsinnig gutes Omen.

    Beth, die sich inzwischen wieder beruhigt haben muss, wirft einen ausgiebigen Blick auf die Umgebung, die Gebäude, Reitplätze und weiß Gott, was hinter verschlossenen Türen noch alles vorhanden ist. Ich folge ihrem Beispiel und nicke in Gedanken versunken langsam vor mich hin. Sie hat recht. "Es ist so .. jungfräulich.", stimme ich zu, ehe auch Shane seinen breiten Arsch aus dem Transporter schwingt und sich zu uns gesellt. Wegen mir hätte er da drin den Hungertod erleiden können, aber dieses Vergnügen gönnt er mir natürlich nicht. Wir tauschen feindselige Blicke aus, doch Beth bricht plötzlich in eine Hysterie aus und weist ihren Bruder in die Schranken, bevor wir ein viertes mal die Fliege machen und mit unserem tollen Transporter fahren dürfen, der bei genauerem Hinsehen übrigens einen Platten hat. Die Interessen ihres Bruders liegen allerdings ganz wo anders und als er das Thema Pizza anschlägt, werde ich hellhörig. "Ich komm mit!", werfe ich freudig in die Runde, bis mir einfällt, dass die Zossen noch auf dem Transporter stehen und dieser womöglich in den nächsten paar Minuten unter der Last ihres Gewichts einstürzen könnte. Vorerst keine Pizza. Enttäuscht verziehe ich das Gesicht. Beth geht es ähnlich. Als sie mir einen Blick zuwirft und wir irgendwelche komischen Connections miteinander austauschen, weiß ich sofort, was sie mir damit sagen will. Sie würde zur Not auch Menschen essen. In meinen Gedanken werfe ich ihr ein: Ich auch, zurück und bin mir sicher, dass es bei ihr ankommt. Ungeduldig schieße ich einen Stein davon, ehe ich noch einmal meine Augen über das Gelände wandern lasse. "IST DAS HIER EIN SELBSTBEDIENUNGSLADEN?", rufe ich ins Nichts, warte darauf, dass irgendwas passiert. Eins von unseren Viechern bollert derweil gegen die Wände des Transporters, so langsam haben auch die die Schnauze voll. Im Eifer meiner Ungeduld krame ich mein Handy aus der Hosentasche und lasse der Liebe meines Lebens ein paar Whats App Nachrichten zukommen. Als er diese nicht noch in der selben Sekunde liest, bin ich dem Wutausbruch schon nahe und rufe ihn stattdessen an. Immer und immer wieder. Ich weiß, dass er nicht ran gehen wird, weil er nicht ran gehen will, aber mein Atem ist länger. Zumindest am Anfang. Irgendwann dann nicht mehr. Nach einer Weile gebe ich auf und lasse ihm noch eine letzte Nachricht in Whats App da, im Anhang noch die Adresse. 'Du könntest es dir wenigstens ansehen, solange es noch steht, Dean.' Eine Frage bleibt noch offen: Sind wir hier die missorganisierten oder die Leute, die den Laden führen? Völlig demotiviert lehne ich mich an meine Freundin und schmolle in die Ewigkeit. Wir sind ungewollt.