Beiträge von Custy

    Lumira


    Tränen verschleierten die Welt, aber schließlich schaffte ich es endlich, den Blick zu heben und ihm wieder in die Augen zu sehen. In meinen Augen lag unendlicher Schmerz und ich meinte fast, er würde sich in seinen Augen spiegeln. Sein Blick war so weich und mitfühlend, als er mir die Tränen wegwischte, wie in jener ersten Nacht. Ich schluchzte leise auf.

    Dann tat Narvik etwas, mit dem ich zweifelsfrei nicht gerechnet hatte: Er küsste sanft die Narbe in meinem Gesicht. Das war für mich der Zeitpunkt, an dem ich mich unmöglich weiter zusammenreißen konnte. Was hatte ich nur für einen wundervollen Mann gefunden?

    Ich strich mit der Hand über seinen Kiefer, ehe ich die Arme um ihn schlang und meinen Kopf schluchzend an seiner Schulter vergrub. Ich stutzte kurz, als ich merkte, wie angespannt seine Kiefermuskulatur war, so fest musste er sie gegeneinander verschoben haben. Seine Worte lieferten sogleich das Gefühl dahinter: Wut. Ich klammerte mich an seine Schulter, da ich das Gefühl hatte, jemand müsse mich festhalten, da ich sonst hilflos in all dem Schmerz ertrinken würde. Ich hatte ihn so viele Jahre zurückgestellt, bereits im frühsten Kindesalter. "Ich habe mir immer nur gewünscht, dass sie stolz auf mich sind. Dass sie mich lieben. Es sind meine Eltern." Ich schniefte leise. "Ich habe meine kleine Schwester unglaublich lieb und ich vermisse sie. Aber ich weiß noch, wie eifersüchtig ich am Anfang auf sie war. Ich habe nie verstanden, wieso sie mich nie so angesehen haben wie sie." Ich fuhr mir zittrig durchs Gesicht, ich wollte Narviks Schulter nicht völlig durchnässen.

    Bei Narviks Worten, mit denen er uns in die Decke hüllte, schüttelte ich nach kurzem Zögern den Kopf. "Ich will gar keine Vergeltung", flüsterte ich unglücklich. "Rache zerstört Leben. Ich möchte meines einfach nur in Frieden Leben. Zusammen mit dir." Tatsächlich wollte ich nichts mehr.



    Scar


    "Vielleicht brennen sie auch alles runter, rauben deine teuersten Güter und freuen sich diebisch, dich so tief zu treffen", mutmaßte ich mit bedauerndem Gesichtsausdruck. "Diese emotionale Verbindung zu materiellen Dingen. Es muss wehtun, schrecklich." Ich schüttelte den Kopf. Während Ranya wieder den Gaul mit ihrem Gewicht behelligte, setzte ich mich ebenfalls in Bewegung. Unsere Gefundene lief recht zügig, aber ich ließ sie fürs Erste laufen. Jedoch beobachtete ich sie bei jedem Schritt, wenn auch nicht allzu offensichtlich. Sollte sie und austricksen wollen, dann würde ich es wissen.

    Lumira


    Ich blinzelte angestrengt, weil mir Tränen in den Augen brannten, während wir uns aneinanderdrückten. Aber Narviks Worte waren ohne Zweifel war. Ich wollte jetzt nicht weinen und ich würde es nicht. Es wäre Ausdruck der Verzweiflung, der ich den Triumph garantiert nicht geben würde. Denn noch waren wir hier. Zusammen, lebendig und bisher auch ohne Spur von ungewünschter Gesellschaft. Abgesehen von einer gewissen Hausbesitzerin vielleicht. Mir wurde bewusst, dass wir an diesem Tag auch entkommen waren. Zwar jemand anderem, aber die Ziele waren nicht viel anders gewesen. Vielleicht schafften wir es nicht auf ewig, aber ich wollte das Versteckspiel so lange spielen, wie es nur eben ging.

    "Du hast Recht." Ich fuhr mir mit einer Hand über die Augen. Aber in diesem Moment wurde mir etwas bewusst: Wenn ich nicht verzweifeln wollte, dann musste ich lernen, mit meiner Angst umzugehen. Und das hieß zu aller erst, sich ihr zu stellen, anstatt das Vergangene weiter von Neuem zu verdrängen, wann immer es mich einholte. Vertrauen schien mir eine vielversprechende Grundlage. Und daran konnte es mittlerweile nicht mehr liegen. Ich schob die Angst allein selbst vor mir her.

    Ich atmete ein paar mal tief ein und aus, um den nötigen Mut anzusammeln. Dabei drehte ich mich auf den Rücken.

    "Du hast Recht und deshalb werde ich dir jetzt etwas erzählen." Ich sah ihm in die Augen, ehe ich den Kopf auf die Seite drehte und mein langes Haar zurückstrich, sodass die kleine, kaum sichtbare Narbe zwischen rechtem Ohr und Kiefer, knapp unter meinem Wangenknochen zum Vorschein kam. "Da war ich sechs Jahre alt. Meine Mutter hat mich entdeckt, als ich ihr Schlafzimmer erkundet habe, nachdem sie die Tür offengelassen hatte. Ich habe nach meinem Stofftier gesucht. Sie hatte es mir einen Tag zuvor weggenommen und lediglich gemeint, ich sei zu alt dafür. Dabei war der Bär der Einzige, der mir beim Einschlafen Wärme gespendet hatte. Tja. Ich habe ihn nicht wiedergefunden. Dafür habe ich dieses Andenken erhalten. Sie hat es nicht für nötig gehalten, ihren kantigen Ring abzunehmen." Ich wusste nicht, ob ich angesichts der Absurdität dieser Geschichte lachen oder weinen sollte. Also tat ich nichts von beidem und wandte den Kopf emotionslos wieder gen Decke. Stattdessen wanderte meine eine Hand nun zu meinem Schlüsselbein. Mit zittrigen Fingern zog ich den Ausschnitt des Hemdes ein Stück hinunter, sodass die blasse, dünne Narbe besser sichtbar wurde. "Das war vor zwei Jahren. Mein Vater..." Ich musste noch einmal Luft holen, weil es mir in der Tat schwer fiel, die Worte hervorzubringen. Aber ich wollte mir keine Zeit geben, denn ich fürchtete, die Worte sonst niemals mehr herauszubringen. Die Worte an sich waren nicht einmal das Schlimme daran, sondern die Bilder, die damit einhergingen und bei denen ich mich zwingen musste, sie nicht augenblicklich wieder zu verscheuchen. "Er hat an dem Tag herausgefunden, dass ich mich weggeschlichen habe. Die Menschen im Dorf haben es ihm erzählt. Ich hatte es einfach so satt, niemals hinaus zu dürfen. Nicht einmal, wenn ich mich von allen fernhielt." Diese Worte klangen bitter. Tatsächlich waren sie ausgerechnet meinen Eltern gegenüber loyal gewesen. "Er hat mich ins Wohnzimmer zitiert und mich einem Verhör unterzogen, während er in aller Seelenruhe das Schüreisen in der Kaminglut erhitzt hat." Ich presste die Lippen zusammen. Ich hatte die Situation so real vor Augen, dass ich beinahe meinte, seinen wütend schnaufenden Atem zu hören, vermischt mit dem leisen Prasseln der Flammen, die ich sonst immer als so wärmend empfunden hatte. An diesem Tag waren sie bedrohlich. "Wahrscheinlich war es gut, dass ich ihm nicht erzählt habe, dass ich mich noch ganz andernorts herumgetrieben habe. Stattdessen habe ich kein Wort gesagt. Ich war alt genug, um zu wissen, dass es letztendlich keinen Unterschied machte, ob ich etwas sagte, ob ich gestand oder flehte oder eben nicht. Noch etwas, dass selbst meine Selbstheilungskräfte nicht vollständig verblassen lassen konnten." Nun brannte es doch entsetzlich in meinen Augen und diesmal hielt ich die Tränen, die sich darin sammelten, nicht auf. Aber ich machte weiter. Ich nutzte den Redeschwall, denn Narvik sollte es wissen.

    Meine Hände zitterten mittlerweile heftig und ich zögerte einen winzigen Moment, ehe ich langsam mein Hemd auf der linken Seite bis kurz unter die Brust nach oben schob. Nur noch dieses eine Detail. Alles andere hatte sich Narvik vermutlich ohnehin schon zusammengereimt. In ihrem Schatten zeichnete sich auf meiner linken Seite, unter dem Rippenbogen eine blasse Verfärbung ab. Ein letztes Überbleibsel. Abgesehen von diesen drei Zeugnissen meiner Vergangenheit, waren die Übrigen verheilt. Seelisch allerdings spürte ich in diesem Moment wohl jedes einzelne davon. Ich drehte mich ein Stück, sodass Narvik die Stelle sehen konnte. Ich konnte ihm dabei nicht in die Augen sehen.

    "Das war der Tag, an dem wir uns begegnet sind. Erst hat meine Mutter vor allem geschrien. Das hat sie immer mit Vorliebe getan. Dank dir hatte ich einen Augenblick Zeit, mich im Keller zu erholen und vorzubereiten. Dann kehrte mein Vater zurück. Er hat nie viel geschrien, sondern war eher... praktisch veranlagt. Er hat mich ins Gesicht geschlagen und ich dachte schon, ich wäre damit davongekommen. Es ist das Einzige, dass ich in all den Jahren nicht gelernt habe: sich nicht zu früh Hoffnungen zu machen und lieber vom Schlimmsten auszugehen. Es hätte mich vielleicht einiges erspart. Meine Mutter hat einen Raben empfangen. So wütend habe ich sie noch nie erlebt..." Der Rest des Satzes, den ich eigentlich noch hatte sagen wollen, ging im Beben meiner Stimme verloren. Ich brachte ihn einfach nicht über die Lippen. Mittlerweile rannen mir ungehindert Tränen übers Gesicht und versiegten im Laken, mein Körper bebte stumm. Ich machte mir nicht die Mühe, sie wegzuwischen.



    Scar


    "Und ich denke, ihr seit zu lange zu weit weg gewesen, um in dieser Sache ein Urteil fällen zu können. Alles Ansichtssache. Aber ich bin gerne offen, vom Gegenteil überzeugt zu werden, auch wenn das zweifelhaft ist." Ich folgte ihr hinaus, wo sie sogleich den Gaul erblickte. Bei ihren Worten hob ich beinahe zufrieden die Augenbrauen. Immerhin in dieser Angelegenheit schien ich in ihr einen Verbündeten gefunden zu haben. Nicht, dass ich einen brauchte, sicher nicht, aber es sorgte zumindest für Mehrheitsverhältnisse. Und würde mir wohl weitere, nervenstrapazierende Diskussionen ersparen.

    Mir gefiel zwar nicht ganz, wie sie nun losmarschierte, als würde sie uns irgendwo hinführen. In meiner Vorstellung lief das Ganze eher anders herum. Immerhin waren wir diejenigen, die sie zu einem gewissen ungeduldigen Auftragsgeber bringen sollten. Aber ich beließ es vorerst dabei. Zumal Ranya bereits direkt auf die Bemerkung eingegangen war und sogleich das Nachhaken übernahm.

    Lumira


    Ich drückte mich an Narvik und grub meine Finger in seine Schultern, als hätte ich Angst, er könnte sich jeden Moment in Luft auflösen. Ich musste ihn festhalten. Seine Worte klangen sehr beruhigen und luden geradezu dazu ein, in sie zu vertrauen. Ich hätte es auch wirklich gerne getan und wünschte mir fast schon, ich wäre in diesem Augenblick naiver. So allerdings war ich mir durchaus bewusst, dass wir nicht unsichtbar waren. Und es somit auch nicht unmöglich war, uns trotz allen Vorkehrungen ausfindig zu machen. Ich war mir nicht sicher, aber ich konnte mir gut vorstellen, dass meine Mutter notfalls sehr kreativ werden würde. Genaugenommen war die Unsicherheit das Schlimmste. Ich wusste nicht, was sie tat und vorhatte, geschweige denn wann und wie. Wenn ich ehrlich war, hatte ich längst damit gerechnet, dass wir Besuch bekamen.

    "Aber was ist, wenn doch?", flüsterte ich. "Was ist, wenn wir ihnen nicht entkommen können? Wir werden uns niemals wiederfinden." Was nicht hieß, dass ich es nicht versuchen würde. Ich schluckte. Ich würde wohl mein Leben lang verzweifelt nach ihm suchen. Verzweifelt und vergeblich. Vorausgesetzt, ich würde dann noch leben. Oder er. Ich schloss die Augen. Ich wollte so etwas nicht denken. Nicht mehr. Und doch überwältigte die Angst mich hin und wieder.



    Scar


    "Stimmt", erwiderte ich. "Anderenfalls wäre ich ja auch nicht klug. Ihr habt den Grund somit schon erkannt." Mein spöttischer Blick streifte wie zur Bestätigung kurz Ranya, ehe ich mich wieder zu Nennt-mich-Fiona wandte. In ihren Augen sah ich Fragen brennen. Gut so, ich behielt mir gern meine Aura bei, die Fremde im Nichtswissen verzweifeln ließ. Ich bevorzugte es, immer mehr über alle zu wissen als sie über mich.

    Ranya hatte sich in der Zwischenzeit in der Tür postiert und beobachtete offenbar wachsam jedes Blättchen, das draußen über die Straße wirbelte. Ich sah mich in aller Seelenruhe weiter um und schnippte hier und da interessiert gegen ein paar Gegenstände, während ein Ohr nach drinnen, das andere hinaus lauschte. Nicht ganz unanstrengend auf Dauer, aber ich war es unbestreitbar gewohnt.


    //Scar ist so ein... Ich habe nicht mal eine passende Bezeichnung dafür xD

    Scar


    Nennt-mich-Fiona lachte. Ich hoffte bloß für sie, dass sie mich nicht auslachte. Aber der Gute Jonnyhatte ja noch etwas mit ihr vor. Ich würde mich also benehmen, ich nahm meinen Beruf ernst. Das hieß trotzdem nicht, dass ich mir deshalb alles gefallen ließ.

    "Manchmal sind Nebensächlichkeiten der Anfang, um auf die richtigen Fragen auch die richtigen Antworten zu bekommen. Ich mache meine Recherche lieber gründlich", erwiderte ich also ruhig. Immerhin packte sie ihre Schwerterlein nun weg und kramte stattdessen etwas aus einem Schrank hervor. Ich versuchte natürlich einen Blick darauf zu erhaschen, aber von der Tür aus war er leider uneinsehbar. Dennoch dachte ich mir meinen Teil.

    Ranya gab etwas von sich und schien wieder überaus heiter. Ich warf ihr einen irritierten Blick zu, ehe ich ebenfalls durch die Tür trat. Im Grunde wartete ich ja schon die ganze Zeit darauf. Wie selbstverständlich marschierte ich deshalb nun in Nennt-mich-Fionas Haus hinein und sah mich interessiert um, wobei ich mir in rasender Geschwindigkeit das Gesehene speicherte.



    Lumira


    Ich grinste bei Narviks liebevollen Worten, allerdings verschwand es allmählich infolge seiner zweiten, eigentlich spaßhaften Bemerkung. Seine Augen verrieten mir, dass auch für ihn etwas Ernstes damit einherging. Ich drehte den Kopf zur Seite.

    Tatsächlich hatten mich noch nicht viele Menschen zu Gesicht bekommen, dafür hatten meine Eltern gesorgt. Heiler inbegriffen. Selbst, wenn ich die Bekanntschaft manche Male vielleicht gerne gemacht hätte - ich hatte niemals ihre Bekanntschaft gemacht. Bei den Bildern, die sich sofort in meine Gedanken schlichen, fröstelte ich.

    "Dir ist bewusst, dass sie nicht aufhören werden, nach uns zu suchen, oder?", meinte ich leise. "Sie werden erst aufhören, wenn sie zufrieden sind. Und das werden sie erst sein, wenn sie uns gefunden haben." Mir war mit einem Mal entsetzlich kalt und ich musste mich zwingen, die Bilder und Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen, beziehungsweise dorthin zu verscheuchen, wo sie hergekommen waren. Aus der Verdrängung. Vielleicht rührte der Großteil meiner Angst genau daher, dass ich nicht verstand, wieso sie mich unbedingt bei sich wissen wollten, wo sie doch eigentlich froh sein müssten, wenn sie mich los waren. Zumindest hatten sie doch immer genau das signalisiert, ich konnte mir kaum vorstellen, dass es darum ging, dass ich kostenlos für sie im Haus arbeitete. Sie konnten geldtechnisch genauso jemanden einstellen. Aber obwohl es nie ausgesprochen worden war, hatte ich immer das beunruhigend sichere Gefühl gehabt, dass sie mich wohl lieber tot wüssten, als frei umherlaufend in der Welt. Nur das Warum hatte immer groß und bedrohlich darüber geschwebt. Vollkommen im Dunklen.

    Scar


    Spöttisch bemerkte ich, dass sich Ranyas Gesichtsfarbe ganz leicht ins rötliche hin veränderte. Ihr war die Situation wohl peinlich. Die armen Menschen, die immerzu all diese verschiedenartigen Gefühle verspürten. Es musste anstrengend sein. Mir war es nach wie vor ein Rätsel, wie man diese Qual freiwillig auf sich nehmen konnte. Aber ich würde mich nicht beschweren, denn ich als jemand, der sich nicht dazu zählte, hatte wohl schon oft davon profitiert. Gefühlsgesteuerte, empathische Wesen waren doch so viel leichter zu durchschauen und ihre Handlungen vorhersehbar.

    Ihr warnender Blick ließ mich unmissverständlich die Stirn runzeln. Sie war - vor allem jetzt, so peinlich berührt - eindeutig nicht in der Position dazu. Mein Blick ruhte weiterhin auf ihr, wie immer lag etwas Kühles, ein wenig Herausforderndes darin.

    Unser Beuteobjekt lenkte mich ab, es war mittlerweile unschwer zu erschließen, dass die beiden Frauen sich nicht gänzlich unbekannt waren. Es gefiel mir allerdings nicht, dass sie offenbar nicht gedachten, mich einzuweihen, woher das kam.

    Immerhin nannte sie nun schon einmal einen anderen Namen. Was allerdings auch noch nicht hieß, dass es ihr richtiger war.

    "Willst du so genannt werden oder wurdest du tatsächlich so genannt?", fragte ich direkt geradeheraus.



    Lumira


    Zu meinem eigenen Erstaunen zeigte meine Methode nun doch Erfolg und Narvik kippte nach hinten. Sein Kommentar ließ mich vergnügt lachen. "Also erstens: So leicht zu zerquetschen bin ich nun auch wieder nicht, genauso wie du auch nicht derart schwer bist. Und zweitens:", ich grinste, "hast du dich ja abgefangen, um genau das zu verhindern." Ich blinzelte unschuldig. "Ich würde sagen: Ausgleich", verkündigte ich zufrieden und blickte ihm in die funkelnden Augen.

    Scar


    Ich verfolgte die Konversation oder vielmehr Ranyas Ausführungen. Währenddessen wanderten meine Mundwinkel allerdings immer weiter nach oben. So viel gegrinst, hatte ich schon ewig nicht mehr, ich hatte beinahe schon schmerzen. Aber erstens hatte ich tatsächlich Spaß, jagen machte mich einfach glücklich. Und zweitens war ich professionell und es hatte sich immer als zielführender erwiesen, zumindest eine gewisse Freundlichkeit auszustrahlen.

    Eine Tätowierung also. Eine Kartentätowierung. Ich konnte die Frau gut verstehen, als sie direkt nachhakte, woher Ranya das denn wissen wollte, beziehungsweise konnte. Nur meinte ich im Gegensatz, mir die Frage darauf selbst beantworten zu können.

    So war das also. Interessant - wobei, eigentlich nicht. Jonhatte bestimmt nichts dagegen gehabt. Wie schnell Ranya das Thema zurück vom Tisch schob, entging mir selbstverständlich nicht.

    Immerhin schien die Frau uns nun doch noch einmal darüber nachzudenken, ob sie sich nicht doch noch etwas länger unserer Gesellschaft aussetzen würde. Freiwillig, verstand sich, drum herumkommen würde sie so oder so nicht. Ich weigerte mich, sie bei dem Namen zu nennen, den Jonathan genannt hatte, weil ich keinerlei Sinn darin sah. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war es sowieso nicht ihr richtiger. Es sei denn, sie besaß nicht einmal dieses Fünkchen an Intelligenz. Das wäre wohl denkwürdig, weshalb ich zunächst einmal davon ausging, dass sie nicht auch noch diesen Fehler begehen würde.



    Lumira


    Narvik krümmte sich nach vorne, aber ich hielt mich hartnäckig fest. Ansonsten schien Narvik, wie nicht anders zu erwarten gewesen, eher unbeeindruckt von meiner Attacke. Vielmehr belustigt. Aber wirklich verübeln konnte ich es ihm nicht. Dafür seine nächste Methode, die er aus seinem Repertoire hervorholte, auch wenn sie mir schon viel zu gut bekannt war. Aber wieso die Methode wechseln, wenn sie so gut funktionierte? Der Kitzel-Gegenschlag zeigte jedenfalls mal wieder volle Wirkung. Auch, wenn ich glücklicherweise an den Fußsohlen nicht ganz so empfindlich wie an den Seiten war, schlug ich reflexartig mit dem Fuß zur Seite aus und versuchte ihn, hinter Narviks Rücken in Sicherheit vor derartigen Angriffen zu bringen. Außer Reichweite von seinen Händen. Das war allerdings leichter gesagt als getan. Um es ihm etwas zu erschweren, versuchte ich weiterhin, ihn mit meinem Gewicht nach hinten zu ziehen.

    Scar


    Ich hob interessiert die Augenbrauen, lediglich meine Augen konnten ein wenig Spott nicht verbergen. Vorsichtig fasste ich ihre Schwertspitze und rückte sie ein wenig von meiner Brust weg. "Kein Grund, so feindselig zu sein. Immerhin wollen wir uns doch nur unterhalten." Ich lächelte weiterhin breit. Tatsächlich hatte ich Spaß. "Fürs Erste."

    Ich bekam natürlich mit, dass mir Ranya einen tadelnden Blick zuwarf, dann ich ignorierte ihn wie immer. Ich musste mich nicht tadeln lassen. Irgendwer musste hier ja mal klarstellen, wie die Verhältnisse waren.

    Während meine reizende Begleitung nun erklärte, das "Jon" uns "geschickt" hatte, nickte ich wartend. "Ganz genau, Jon", pflichtete ich bei und schaffte es, dabei vollkommen ernst zu bleiben.

    "Also, was ist jetzt?", erkundigte ich mich schließlich, die Finger meiner einen Hand streichelte ganz beiläufig über den Griff meines Schwertes, wie als wollten sie einen unsichtbaren Fleck beseitigen, ehe ich der Frau wieder lächelnd in die Augen sah. Leicht wippend stieß ich mich vom Türrahmen ab.



    Lumira


    Ehe ich mich versah oder auch nur noch einmal Luft holen konnte, hatte Narvik mich bereits blitzschnell nach hinten geworfen und war sofort wieder über mir. Er war eindeutig der Stärkere, was das anging und trotzdem konnte ich es nicht lassen. Ich kicherte, ehe es einem Lächeln wich, als seine Lippen kurz mein Schlüsselbein berührten. Es war recht deutlich ausgeprägt, das dünne Kettchen schmiegte sich meist nahezu perfekt dazwischen.

    "Wer behauptet das?", fragte ich dann zurück und klimperte unschuldig mit den Wimpern. Bereits im nächsten Moment rollte ich mich zur Seite und schlüpfte flink unter seinem Arm hinweg, ehe ich von hinten Arme und Beine um seinen Körper schlang. Ich revanchierte mich mit einem zarten Kuss in seinen Nacken, ehe ich einen, wenn auch nicht so aussichtsreichen Versuch startete, ihn niederzuringen. Aber zumindest würde er es in dieser Position etwas schwieriger haben. Ich genoss unser Herumgealber, dabei fühlte ich mich immer so wunderbar sorglos. Vor allem hatte ich das Gefühl, dass es nicht nur mir so ging. Gegen Spaß war eigentlich nie etwas einzuwenden.

    Scar


    Ich wollte gerade gewaltig protestieren, als sie mir mit ihrer seltsamen Bemerkung die Zügel ihres Gauls in die Hand drückte, gemeinsam mit einem "Warte." Das klang leider sehr nach einem Befehl und ich wollte ihr schon erklären, wie leid ihr das tun würde, sollte sie das noch einmal versuchen. Bedingung für das Vieh war darüber hinaus gewesen, dass ich nichts damit zu tun haben würde. Dass es mich jetzt interessiert beschnüffelte, änderte nichts daran. Misstrauisch hielt ich es davon ab, mir mit seinem Kopf zu nah auf die Pelle zu rücken, während ich Ranya mit zusammengezogenen Augenbrauen und missgestimmtem Blick folgte. Ich begriff schnell, was - oder besser "wen" - sie in dem Haus, auf das sie zusteuerte, zu finden hoffte. Amüsiert beobachtete ich, wie sie zunächst ratlos vor der Tür warten musste, bis die Hausherrin sich schließlich doch noch dazu entschloss, zu öffnen. Innerhalb einer Millisekunde scannte ich automatisch ihre Personenbeschreibung ab. Es bestätigte nur, was ihre höchst unauffällig feindselige Erscheinung und das, was sie leise von sich gab, ohnehin schon nahelegte. Sie schien beunruhigt, sehr beunruhigt, die Gute. Was wohl der Grund dafür war? Ich setzte ein übertrieben freundliches und natürlich auch äußerst respekteinflößendes Lächeln auf und steuerte mit großen Schritten auf die beiden zu. Der Gaul folgte notgedrungen.

    "Falsche Frage", erklärte ich an die dunkelhaarige Frau gewandt und schob als Erstes schon einmal beiläufig den Fuß in die Tür, indem ich mich kurzerhand in den Rahmen lehnte. Falls sie uns aus unerfindlichen Gründen und einer plötzlichen Eingebung heraus doch noch loswerden wollen würde. Sicher war sicher. "Die richtige Frage", fuhr ich fort und lächelte zu ihr herunter, "ist, was du hier machst. Ich an deiner Stelle wäre nicht im Dorf geblieben, wenn ich so beunruhigt wäre wie du. Ist immerhin das Dümmste, was du machen kannst, selbst wenn es zunächst als schlauer Trick erscheinen mag, zu bleiben, wenn alle denken, man wird gehen. Letztendlich wirst du dort dann doch als Erstes gesucht." Ich zuckte mit den Schultern. "Oder", mutmaßte ich weiter, "die überaus intelligente Frage galt meiner unglaublichen reizenden Begleiterin und ihr kennt euch bereits?" Ich warf einen kurzen Blick zu Ranya, mit kaum merklich verengten Augen. "Wie auch immer." Ich drückte Ranya die Zügel wieder in die Hand. "Das ist kein Ort für das Gespräch, das wir haben werden. Lädst du uns ein oder muss ich das selbst tun?", fragte ich betont liebenswürdig und sah die Erjagte abwartend an. Zugegeben, ich hatte mehr mit einer Treibjagd und ein bisschen Versteckspiel gerechnet. Durchaus ein wenig enttäuschend. Aber ich würde mich nicht beschweren, wenn mir die Arbeit von alleine zuflog.



    Lumira


    Es war eigentlich klar gewesen, dass Narvik das Ganze nicht würde ohne irgendeinen für ihn typischen Kommentare abschließen würde. Er war immerhin er. Anderenfalls würde ich mir wohl fast schon Sorgen machen. Und trotzdem: natürlich verfehlte er auch diesmal nicht, worauf er vermutlich bewusst abzielte. Meine Nackenhaare stellten sich auf, als er mir ins Ohr raunte und sein Atem mich streifte. Direkt im Anschluss färbten sich meine Wangen leicht rosa. "Das kann doch nicht wahr sein", jammerte ich, wenn auch eher spaßhaft. "Na warte." Mit diesen Worten griff ich blitzschnell hinter mich und bekam eines der großen, weichen Kissen zu fassen. Das bekam Narvik nun ins Gesicht. Irgendwie musste ich mich ja revanchieren, ich konnte ihn unmöglich immer damit davonkommen lassen. "Steht dir", bemerkte ich grinsend.

    Lumira


    Nach einer Weile, in der wir einfach in angenehmem Schweigen verweilt hatten, schlug Narvik vor, schlafen zu gehen.

    Ich sah zu ihm hoch und erwiderte sein Lächeln. Dazu deutete ich ein Nicken an. "Ich schätze, das ist eine gute und - für dich - ziemlich vernünftige Idee." Aus meinem Lächeln erwuchs ein Grinsen, letzteres hatte ich mir einfach nicht verkneifen können. Ich grinste ihn noch einen Moment scheinheilig an, ehe ich mich umständlich hochstemmte, um mich neben den Stiefeln auch von der Hose zu befreien. Das war für die Nacht doch um einiges bequemer. In dem übergroßen Hemd und dem zerzausten Haarvorhang musste ich wie ein sehr seltsam proportionierter Mensch aussehen.



    Scar


    Endlich erreichten wir das Örtchen. Ranya landete mit einem dumpfen Geräusch neben mir auf der staubigen Straße, als sie vom Pferd sprang. Auf ihre Bemerkung hin, zog ich fragend die Augenbrauen zusammen. "Ich bezweifle, dass es hier in dieser winzigen Ortschaft ein Rathaus gibt, indem man - natürlich ganz illegal - mal durch die Einwohnerregister blättern könnte. Da ich aber weiß, wie die Dorfleute so sind, bin ich nicht sonderlich scharf darauf, jedem hier auf die Nase zu binden, wen wir suchen. Ich will erst mehr wissen. Bis dahin sind wir unsichtbar. Soo...", beendete ich die Ansprache und sah sie erwartungsvoll an. "Wo gehen wir also als Erstes hin?" Für mich lag die Antwort auf der Hand, mal sehen, was sie vom Quizspielen hielt.

    Lumira


    Seine Worte zauberten ein leises Lächeln auf meine Lippen. Ja, die Heilkräfte... Das war auch so eine Sache. Vor allem hatte ich solche Sorgen gehabt, dass sie ihn ängstigen oder sonst wie ein Anlass sein könnten, Abstand zu mir zu halten. Aber sie waren völlig unbegründet gewesen. Dennoch war ich mir nicht sicher, ob alle Menschen so wunderbar reagieren würden wie Narvik, sollten sie davon erfahren. Ich hatte relativ früh entdeckt, dass ich Heilprozesse beschleunigen konnte. Nur hatte ich genauso schnell bemerkt, dass alle anderen, wenigen in meinem Umfeld es nicht konnten. Ich hatte mich immer seltsam, anders gefühlt und mich oft gefragt, ob es falsch war, dass ich über diese Fähigkeit verfügte, bis ich begriffen hatte, wie toll es war, anderen auf diese Weise helfen zu können.

    Narvik drückte mich an sich und murmelte an meinem Haar. Ich schloss für eine Weile einfach die Augen, während ich mich an ihn schmiegte und genoss einfach den Moment und die wohlige Wärme in meinem Bauch und meiner Brust, die mich dank ihm durchströmte. Ich wollte erst irgendetwas erwidern, aber mir fiel nichts ein, weil ich das wundervolle Gefühl in diesem Augenblick einfach nicht in Worte fassen konnte. Narvik war das Beste, was mir je passiert war, das war sicher. Er war einfach großartig. Und wieder fragte ich mich unmittelbar, wie das alles nur so plötzlich gekommen war. Ich hatte das starke Gefühl, dass auch Narvik gerade etwas Ähnliches dachte und so drückte ich mich einfach noch etwas näher an ihn heran.

    Lumira


    "Erfahrung also? Das ist dein Geheimrezept? Zugegeben, ich bin enttäuscht." Das Grinsen war endgültig in mein Gesicht zurückgekehrt. In Wahrheit war ich allerdings natürlich kein bisschen enttäuscht. Ganz im Gegenteil eigentlich. Denn wenn Narvik meinte, seine Selbstsicherheit würde auf Erfahrung beruhen, versprach das in einer gewissen Weise Hoffnung. Und gleichzeitig war ich mir sicher, dass ich wohl niemals über derartiges Selbstbewusstsein verfügen würde - auch nicht mit jahrelanger Erfahrung. Denn das wollte ich überhaupt nicht. Narvik und ich unterschieden uns in mancherlei Hinsicht und das war gut so. Dieser Part war eindeutig ihm vorbehalten. Es war eine Eigenschaft an ihm, für die ich ihn so abgöttisch liebte, aber eben auch nur an ihm.

    Ich rückte noch ein Stückchen näher an Narvik heran und schmiegte mich an ihn. Was würde ich nur tun, könnte ich nicht mehr diese Wärme spüren?

    Lumira


    Ich lächelte ein bisschen. "Ich habe wirklich keine Ahnung, woher du soviel Sicherheit nimmst. Aber, weißt du was? Ich will es auch überhaupt nicht wissen. Es ist gut, dass du sie hast." Jetzt grinste ich tatsächlich schon fast wieder. Narvik konnte so unfassbar lieb sein. Wenn er mich mit diesem sanften Blick ansah und mich auf diese Weise anlächelte, dann hatte ich immer das Gefühl, dass alles gut werden würde. Dass ich alles schaffen könnte, an seiner Seite. Nichts wünschte ich mir mehr. Gleichzeitig war mir klar, dass die Welt nicht nur aus rosaroten Wolken und Regenbogen bestand, so schön es auch wäre. Aber für den Moment wollte ich mich einfach nur diesem Gefühl hingeben. Die Realität würde mich doch aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin früh genug wieder einholen, oder nicht?

    Lumira


    Ich sah eine Narvik bei seinen Worten zunächst zweifelnd an, dann musste ich doch lächeln. Ich dachte nach. Ich fand es nicht ganz so einfach, sich auf das Glück zu verlassen, denn es wechselte ja bekanntlich gern mal spontan die Seiten. Narviks Vorschlag, den er hinzufügte, klang allerdings ziemlich gut. Es würde mir zumindest das Gefühl geben, in irgendeiner Form etwas zu tun und mich mich hoffentlich etwas weniger unsicher fühlen zu lassen. Also nickte ich und drückte seine Hand. "Danke."

    Lumira

    "Ja, habe ich, aber was wäre gewesen, wenn ich es nicht geschafft hätte?" Ich deutete ein Kopfschütteln an. "An meiner fabelhaften Technik lag es ganz sicher nicht. Ich bin kritisch mit mir, weil du jetzt tot wärst, hätte ich nicht verdammtes Glück gehabt", stellte ich trocken und mit ziemlich ernstem Blick fest. Nicht auszudenken.


    //Alles gut xD

    Lumira


    Ich grinste. "Wie habe ich mir auch nur eine Sekunde Sorgen machen können?", meinte ich und lachte ebenfalls.

    Narvik strich mir übers Haar, was mich dazu veranlasste, vorsichtig ein Stück näher an ihn heranzurücken, ohne dabei das Bett zu sehr in Schwingung zu versetzen. Ich sah für einen Moment an die Decke. Wer hätte gedacht, dass dieser Tag doch noch Entspannung bieten sollte? Vorhin hätte ich das sicher noch für unmöglich gehalten. Ich griff mir sanft Narviks Arm, um ihn noch einmal eingehend und mit kritischem Blick zu betrachten. Ich musste einfach sicher sein, dass wirklich noch einmal alles gut gegangen war. Wenn ich an die Situation zurückdachte und mir bewusst machte, dass Narvik an diesem Tag beinahe gestorben wäre, bekam ich immer noch eine Gänsehaut und fing an zu zittern. Aber er war nicht gestorben, er war hier, bei mir. Nur hätte das alles auch ganz anders ausgehen können. "Ich muss definitiv besser werden", urteilte ich leise.

    Lumira


    Ich hob den Kopf, als sich kurz darauf tatsächlich auch schon wieder die Tür öffnete und Narvik samt Beuteln ins Zimmer schlüpfte. Er hatte sich wohl wirklich beeilt.

    "Also, was macht Kirea?", erkundigte ich mich und drehte mich leicht, sodass ich ihn anschauen konnte, als er es sich neben mir auf dem Bett bequem gemacht hatte. "Und hast du noch mal nach den Pferden gesehen?" Ich grinste. "Du warst wirklich schnell."

    Lumira


    Ich lächelte bei seinem Kuss und seinen Worten. "Das will ich hoffen", erwiderte ich leise und drückte ihn noch einmal kurz an ihn, bevor ich ihn aus der Umarmung entließ. Man könnte, wenn man uns so sah, wahrscheinlich meinen, Narvik stünde eine unmittelbare Weltreise bevor. Ich strich mir eine dunkle Strähne hinters Ohr und lächelte ihm hinterher. Als ich alleine war, startete ich einen erneuten kleinen Rundgang durch das ziemlich interessante Zimmer, besah mir das Innere des Schranks, nahm die verzierten Nachtkästchen unter die Lupe und sah aus dem imposanten Fenster nach draußen. Man konnte von hier aus nicht den Vorplatz, da das Zimmer zur anderen Seite lag. Vielleicht war das aber auch ganz gut so. Schließlich wandte ich mich wieder von dem Fenster ab und setzte mich auf die Bettkante, ehe ich mich mit einem zufriedenen Seufzen nach hinten in die weiche, federnde Matratze fallen ließ. Zeit zum Probeliegen.

    Lumira


    Als Narvik mich ohne jede Vorwarnung hochhob, quiekte ich überrascht auf. "Hey", beschwerte ich mich lachend. Auf seine Worte hin nagte ich unschlüssig auf meiner Unterlippe, ehe sich ein breites Grinsen darauf stahl.

    "Mmh, einverstanden", meinte ich schließlich und streichelte kurz über seinen Hals. "Aber wehe, du lässt dich von ihr in Rage bringen, um den Finger wickeln oder dir sonst in irgendeiner Art Schaden zufügen. Versprochen?" Auch, wenn ich es scherzhaft sagte, meinte ich diese Worte todernst. Im wahrsten Sinne des Wortes.

    Lumira

    Eine Weile verweilten wir noch in der Umarmung. Narviks Brust war gemütlich, mein Kopf fand beinahe perfekt darauf zu liegen, fast, als wäre er dazu bestimmt. Zudem roch er so unglaublich gut und so umschlossen von seinen muskulösen Armen, kam ich mir wie in einer rundum geschützten Festung vor, was natürlich Blödsinn war, dem Gefühl aber keinen Abbruch tat.

    Schließlich drehte ich mich mit einem wohligen Seufzen halb in seinen Armen herum und ließ meinen Blick unschlüssig durch den Raum schweifen. "Was machen wir jetzt?"

    Lumira


    Ich genoss den Moment in vollen Zügen. Er war geprägt von Ruhe, Wärme und Zärtlichkeit und genau das, wonach ich mich gerade gesehnt hatte. Schließlich löste ich meine Lippen von Narviks, legte meinen Kopf an seine Schulter und hielt ihn für die nächste Zeit einfach nur fest. Sein Hals duftete wunderbar nach seinem ganz eigenen Geruch und ich schloss zufrieden die Augen, während sich ein paar meiner elektrisierten Haare in seinem Dreitage-Bart verfingen. Ein sanftes Lächeln lag auf meinen Lippen.

    "Das tut gut", murmelte ich nach einer Weile in sein Hemd.