Beiträge von Custy

    Lumira


    Ariven hob ruckartig den Kopf, als er hörte, wie wir die Stallung betraten und ließ ein leises Wiehern hören. Sein Schopf war wie so oft von Heu durchzogen und ich stemmte die Hände in die Hüften, als ich vor der Boxentür stehen blieb. Kopfschüttelnd betrachtete ich den Hengst und grinste, während er einen langen Hals machte und mir über die Trennwand sanft ins Gesicht blies. Diese Geste erwiderte ich gerne mit einer kleinen Streicheleinheit, während ich zu ihm hineinschlüpfte. Abgesehen von seinem Langhaar war Ariven wirklich ein erstaunlich reinliches Pferd, sein geäpfeltes Fell war trotz der hellen Farbe beinahe zu jeder Zeit sauber und sein Kopf - bis auf die graue Musterung des Nasenrückens - schneeweiß. Nachdem ich ihn noch ein bisschen gekrault hatte, begann ich mit dem Bürsten, was Ariven sichtlich genoss. Während ich die Halme aus seiner Mähne kämmte, bis sie wieder ganz seidig war, legte er wie so oft seinen Kopf auf meiner Schulter ab. Nachdem er wieder in altem Glanze erstrahlte, machte ich mich mit raschen Griffen daran, ihn abreise- beziehungsweise umzugsbereit zu machen. Er blieb geduldig, wenn mein Blick mir auch schon eine gewisse Aufregung und Neugier verriet, sodass ich in Kürzester Zeit alle restlichen Vorkehrungen getroffen und einen Teil der Beutel transportfähig gemacht hatte.

    Lumira


    Das Gasthaus lag relativ ruhig, beinahe friedlich, als wir die Ortschaft nach dem Marsch letztlich erreichten. In dem Zimmer, in dem wir die letzte Nacht verbracht hatten, hob ich mit mittlerweile wohl schon geübten Griffen einige verstreute Habseligkeiten vom Holzboden auf und verstaute die Sachen wieder handlich in den entsprechenden Beuteln. Um den Rest hatte Narvik sich bereits gekümmert und ich traf auf seinen fragenden Blick, dem ich mit einem Lächeln und einem leichten Nicken begegnete. Ich nahm ein paar der Beutel hoch und ließ abschließend noch einmal den Blick prüfend durch den Raum schweifen, um sicherzugehen, dass wir auch nichts übersehen hatten, bevor wir uns in den Stall begaben. Ich war schon gespannt, wie Ariven die neue Bleibe nachher aufnehmen würde.

    Lumira


    Unser Weg war ruhig. Kaum, dass wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, waren wir schon bald wieder von Natur umgeben. Unsere Schritte klangen dumpf auf dem erdigen Boden, der jedes Mal sanft unter den Füßen nachgab. Die hohen, vereinzelt wohl schon sehr alten Bäume, wogen ihre mächtigen Wipfel sachte in einer Brise hin und her, dass das Holz ihrer knorrigen Stämme leise knarrte. Ich erfreute mich an ein paar einzelnen Wildblumen, die uns ihre zarten Köpfe aus einer wilden Wiese entgegenreckten und, umringt von meterhohen Halmen, beinahe lachend auf und ab zu tanzen schienen. Kleine Farbkleckse in einem Meer aus Grünbraun. Die Luft war erfüllt vom Duft der wilden Gräser und Kräuter, darunter mischte sich der herbe Geruch der Erde. Vereinzelt begleiteten uns ein paar Vögel mit ihrem Gesang und hin und wieder schwirrte ein brummendes Insekt geschäftig vorüber. Ansonsten war es still.

    Als schließlich die Silhouette der kleinen Ortschaft in der Ferne auftauchte, fühlte ich mich wunderbar entspannt. Und frei irgendwie, auch wenn die Zukunft noch längst nicht gewiss war. Gerade war endlich einmal viel Raum für Hoffnung. Ich mochte vielleicht keine Ahnung haben, wie genau diese Zukunft aussehen würde, aber ich wusste, dass ich sie an Narviks Seite verbringen wollte. Und wie es aussah, würde uns auch nichts so schnell trennen können. Es blieb deshalb abzuwarten, welche Abenteuer sie noch so für uns bereithalten würde... Solange ich wusste, dass er bei mir war oder irgendwo auf mich wartete, würde ich ihr offen entgegentreten.

    Lumira


    Meine Beiß-Aktion schien wohl größere Ausmaße zur Folge zu haben, denn Narvik tippte mir nun mit äußerster Wachsamkeit auf die Nasenspitze. Er fürchtete offenbar, ich könne es wiederholen. Dies brachte mich zum Grinsen. Zu gütig für diese Welt... Ich hatte wohl kaum genügend Wissen, als dass ich darüber ein Urteil treffen könnte. Aber es schien ganz so, als gehe Narvik von allgemein wenig Güte in dieser Welt aus. Was ich ziemlich traurig fand. Güte war in meinen Augen eine wichtige Qualität. Auf jeden Fall war ich überzeugt davon, dass es sich damit letzten Endes besser Leben ließe als mit Rachegelüsten.

    Narvik legte einen Arm um meine Schultern und diese Geste der Zuneigung durchflutete mich von Neuem mit Wärme und Liebe. Obwohl es ein langer Weg war, schien er auch nicht mehr zu gedenken, diese Position aufzulösen, was mir sehr recht war. Genau genommen, konnte der Weg mir gerade gar nicht mehr lang genug sein, so wohl fühlte ich mich an seiner Seite.

    Lumira


    "Glück gehabt." Irgendwie lächelte ich schon wieder. Es war seltsam, denn Narvik machte irgendetwas mit mir, sodass mein Körper bereits Aktionen ausführte, noch ehe er die Anweisung erhielt oder ich es überhaupt bemerkte...

    "Und wie könnte ich denn jemals zu gütig sein?" Mein Lächeln wurde intensiver. "Abgesehen davon hat das in diesem Fall nicht einmal etwas mit Güte zu tun, sondern mit Liebe. Da verzeihe ich dir sogar unvernünftige Dinge, ganz gleich, ob ich grundsätzlich gütig bin oder nicht..." Womit wir zurück zum Auslöser dieses Wortwechsels kehrten.

    Lumira


    "Ein Krimineller?" Ich runzelte in gespielter Verwirrung die Stirn und blickte mich suchend um. "Ich sehe keinen, du etwa? Wobei... Da hättest du gestern kommen müssen, da erinnere ich mich noch an einen, heute sehe ich hier jedoch nur einen Mann. Und der tritt noch heute seine erste Arbeitseinheit an, kriminell ist der also sicher nicht." Ich grinste, bis bei seinem nächsten Kommentar seine doch sehr monotone Stimmlage, welche Gleichgültigkeit suggerierte, nun auch mich etwas gekränkt, wenn nicht empört dreinschauen ließ.

    Lumira


    "Och, gar nichts", meinte ich betont leichthin, blieb dann kurz stehen und zog seine Schulter leicht zu mir herunter, woraufhin ich ihm lachend einen Kuss auf die Wange drückte. "Du bist absolut vernünftig. Klar ersichtlich, unumstritten und in jeder Hinsicht. Zum Beispiel halst du dir Ärger auf, indem du einer fremden, verwahrlosten jungen Frau spontan zur Flucht verhilfst, du dich dann entscheidest, deiner Vergangenheit entgegenzutreten und dabei fast umkommst und dich letzten Endes auch noch von besagter junger Frau überreden lässt, das Pferd dieser Vergangenheit mitzunehmen..." Ich lächelte liebevoll. Vielleicht beschrieb es "vernünftig" nicht unbedingt am treffendsten, aber wenn ich so darüber nachdachte, wollte ich überhaupt niemand unfehlbar Vernünftigen, wenn das Gegenteil doch so viel spannender war... Und all diese unvernünftigen Dinge machten Narvik so liebenswert. Vielleicht sogar sein beleidigtes Gesicht, damit sah er nämlich in diesem Moment ausgesprochen niedlich aus, auch wenn ich ihm das nicht zwingend auf die Nase binden würde.

    Lumira


    Ich grinste. "Dein Vorschlag", meinte ich aufmunternd und konnte es mir nicht verkneifen, noch hinzuzufügen: "Und dazu so überaus vernünftig..." Mein Grinsen wurde noch etwas breiter und, wie ich fand, sehr scheinheilig. Gemeinsam verließen wir die Scheune, wo uns die Sonne bereits entgegenlachte, ganz, als wäre auch sie der Ansicht, dieser Tag könnte tatsächlich eine geschichtsträchtige Entwicklung nehmen. Der Hof um das Anwesen war so... sauber. Zwischendrin standen immer wieder einige Büsche und vereinzelte Bäume, durch die man die in kräftigem Gelb und Grün leuchtenden Felder erahnen konnte. Wandte man den Kopf zurück, krochen feine Ranken bis unter das Scheunendach empor, mit etwas Fantasie hatte es schon fast etwas Romantisches. So gesehen, hätte man es mit diesem Ort als Arbeitsplatz wahrhaftig um Einiges schlechter treffen können.

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    Im Gegenzug legte ich bei Narviks Umarmung meine Arme um seinen Hals und lächelte ihn an, während er meinte, es sei wohl an der Zeit, die Pferde und unser Habe her zu verlegen. Jedoch machte er vorerst keinerlei Anstalten, das Gesagte auch in die Tat umzusetzen. Ich sah grinsend zu ihm hoch, während meine Hand in seinem Nacken sanft den Haaransatz massierte. Schließlich reckte ich mich ihm auf den Zehenspitzen entgegen und legte meine Lippen auf seine, ehe ich die Hände langsam sinken ließ. Sanft nahm ich eine seiner Hände von meiner Taille, ließ sie allerdings nicht los, sondern behielt sie in der meinen.

    "Dann lass uns das mal tun. Nicht, dass du noch Stress vor deinem ersten Arbeitseinsatz bekommst", meinte ich grinsend.

    Lumira


    Ich lächelte. Wenn Narvik mir so überhaupt nicht böse war, fiel es mir schwer, es noch länger auf mich selbst zu sein. Und er hatte Recht: Wir hatten Glück gehabt, mir würde es in Zukunft eine lehre sein und damit sollten wir uns einfach freuen und den sittlichen Fehltritt abhaken. Narviks nächste Äußerung auf meine Frage bezüglich Cathans, bestärkte dies nur noch. Diese Großzügigkeit, war mir wohl entgangen, dass er uns die Scheune als kostenlose Logis überließ. Damit erstrahlte sie direkt noch einmal in einem anderen Licht. Mit etwas Fantasie beinahe paradiesisch. Ein Dach über dem Kopf war sicher mehr, als viele andere in ähnlicher Situation hatten... Wir konnten uns wirklich freuen und überdies glücklich schätzen. Ich würde erst einmal eine Zeit abwarten, bevor ich ein näheres Urteil fällte, so, wie ich es eigentlich immer pflegte zu tun. Aber es schien ganz so, als hätten wir es mit diesem Arbeitgeber weitaus schlimmer treffen können. Mal sehen, wie Narviks erster Arbeitseinsatz später laufen würde.

    Lumira


    Narviks Reaktion war überraschend positiv, als er seine Hände an meine Hüften legte, wurde mir augenblicklich ganz warm ums Herz. Solche Gesten sagten einfach mehr als tausend Worte. Ich schüttelte den Kopf. "Trotzdem", sagte ich nachdrücklich, "das hätte auch schief gehen können. Ich hatte solche Angst, dass er uns direkt wieder hinauswirft. Es wäre sicher nicht jeder derart milde in seiner Reaktion gewesen..." Ich war tatsächlich immer noch verwundert, so sehr hatte ich schon gefürchtet, alles mit einer einzigen Frage zerstört zu haben, bevor wir die Chance überhaupt greifen könnten. "Apropos, wie ist dein erster Eindruck von Cathan? Er wirkt gar nichts mal so unfreundlich, oder? Glaubst du, das ist Fassade?", fragte ich leise.

    Lumira


    Cathan machte Anstalten, sich vorerst zu verabschieden. Ich schenkte ihm noch ein warmes, dankbares Lächeln von dem ich hoffte, das es für ihn angemessen war. Das war das Gruselige an reichen Leuten wie ihm: Ich konnte ihn bisher weder einschätzen noch tatsächlich fürchten, hatte aber allein seiner Geldmacht wegen das dringende Gefühl, besser keine Fehler zu machen. Gut, wahrscheinlich hatte ich diesen Vorsatz bereits in den Sand gesetzt. Aber es handelte sich eben wie es schien um keinen unverzeihlichen.

    Als Cathan aus der Scheune verschwunden war, drehte ich mich auf dem Absatz zu Narvik um und lächelte vorsichtig. Interessiert, was er in diesem Moment von alldem hier dachte. "Tut mir leid, wegen vorhin", sagte ich dann erst einmal. "Das war unüberlegt von mir, du sahst auch ziemlich erschrocken aus. Mir ist bewusst, dass ich es damit auch hätte vermasseln können und das wollte ich ganz sicher nicht." Wenn ich mir Narviks entgleiste Gesichtszüge vor Augen führte, erschien mir eine Entschuldigung auch nachträglich noch angebracht. Er war mit Sicherheit nervös genug gewesen, da musste ich ihm nicht noch einen solchen Schreckmoment bescheren.

    Lumira


    Während ich noch interessiert den Blick durchs Scheuneninnere schweifen ließ, hörte ich, wie Cathan von Neuem zu sprechen begann. Die Innenwände der Scheune waren wie außen vollständig mit Holz verkleidet. Daneben verliefen einige größere Querbalken und noch einmal etliche kleinere Schrägbalken kreuz und quer unter dem Dach entlang und stützten den Giebel in luftigen Höhen über unseren Köpfen. Der Boden war an weiten Stellen mit Halmen bedeckt, Staubkörner und Heupartikel tanzten im Licht, das durch die offen stehende Tür und die vielen kleinen Ritzen in den Scheunenwänden einfiel und lebendige Muster auf den Boden warf. Tags sah es wunderschön aus, allerdings konnte ich mir vorstellen, dass eben diese Spalte uns in der Nacht noch zu schaffen machen könnten. Kälte suchte sich bekanntlich die kleinsten Schlupflöcher. Aber es würde schon werden. Immerhin hatte die Atmosphäre im Heu doch schon etwas Gemütliches, wir würden uns schon arrangieren. Auf jeden Fall wirkte der Orte durch die Halme und die Heuberge ringsherum direkt weniger penibel und prunkvoll als das Haus zuvor, was mir die Scheune auf Anhieb in gewisser Weise sympathisch machte.

    Gerade sagte Cathan, dass drei Pferde problemlos unterzubringen sein sollten. Das war schon einmal sehr gut.

    Lumira


    Narvik fiel zum Glück noch ein, die Pferde anzusprechen, denn die mussten natürlich auch unterkommen. Ich hielt noch einmal für einen Moment die Luft an, bis Cathan gestattete, sie in seinem Stall unterzubringen, sofern wir sie selbst versorgten und ich atmete kaum merklich auf. Natürlich würden wir das, allein die Vorstellung, dass irgendwer anders sich an meiner Stelle um Ariven kümmern sollte, war mir höchst suspekt.

    Anschließend folgten wir Cathan zu besagter Scheune, ein schmaler Pfad führte dort hin. Die hölzerne Scheune begrüßte uns mit einem durchdringenden Quietschen, als sie ihre Türen für uns öffnete. Vielmehr Cathan, der uns ohne große Umschweife auf den Heuboden verwies. Bereits von draußen konnte ich den Duft der trockenen Gräser riechen, es gab definitiv Unangenehmeres.

    Lumira


    Cathan gestattete es uns, uns bis zum Mittag, wenn er Narvik zum ersten Arbeitsdienst erwarten würde, uns in der Scheune einzurichten. Wie es aussah stellte sie von nun an für nicht absehbare Zeit unsere neue Bleibe dar - wobei mir auffiel, dass es das erste Mal war, dass wir nicht eine Weiterreise in zumindest wenigen Tagen vorgesehen hatten. Das hier würde hoffentlich eine gewisse Dauer mit sich bringen, etwas Beständigkeit. Soweit unser Plan aufging. Narvik nahm meine Hand und ich fühlte mich angesichts dieser vertrauten Geste direkt wohler. Schnell stand ich auf. Was die Scheune anging, war ich nun wirklich neugierig. Vor allem aber war ich dankbar, fürs Erste außer Reichweite all dieser teuren Möbel, Vasen und Vitrinen zu kommen, sodass ich mich nicht ständig sorgen musste, versehentlich noch etwas zu zerstören. Das wäre sicher nicht der beste Start.

    Lumira


    Ich nickte. "Das werde ich, ich danke Euch." Vielleicht war ich diplomatisch doch nicht so ungeschickt, denn mit dieser Antwort schien ich doch fürs Erste nicht viel falsch gemacht zu haben. Der Tag Bedenkzeit würde sicher ein intensives Gespräch mit Narvik beinhalten, denn ich meinte, seine Einstellung zu diesem Thema bereits zu kennen. Andererseits: Es klang zwar von der Formulierung so, als würde Cathan mir die Wahl in dieser Entscheidung lassen, bloß blieb die Frage, ob dem auch tatsächlich so war. Abgesehen davon würde es uns sicher gut bekommen, noch etwas mehr Geld zu erarbeiten, immerhin zielten wir ja auf eine dauerhafte Existenzsicherung. Wenn cih ehrlich war, wäre ich beinahe froh, auch etwas dazu beitragen zu können, denn ich fühlte mich in gewisser Hinsicht schon irgendwo nutzlos vor. Ich käme mir wohl ziemlich faul und unehrenhaft vor, wenn Narvik sich auf dem Feld bis zur Erschöpfung schuftete und ich tat was? Ihm dabei zugucken? Das Haus bewundern? Nun wagte ich doch einen Blick in seine Richtung.

    Lumira


    Ich nickte zustimmend, als Narvik dem jungen Arbeitgeber unsere Dankbarkeit zum Ausdruck brachte. Diesen schien das zwar eher zu belustigen, was mich etwas irritierte. Ähnliches spiegelte sich in Narviks Miene, als ich ihn so anblickte.

    Dann jedoch wandte sich Cathan überraschend an mich. Er erkundigte sich, ob ich auch Arbeit suchte. Ich dachte blitzschnell nach. Suchen vielleicht nicht direkt, vor allem hatte Narvik sehr deutlich gemacht, dass er nicht sonderlich viel von dieser Vorstellung hielt. Ich wusste, dass er mich beschützen wollte und sich sorgte, aber mir kam gleichermaßen der Gedanke dass das hier so etwas wie die letzte Hürde zum Eintritt in unsere Zukunft darstellen könnte. Und ich würde auf keinen Fall diejenige sein, an der es an dieser Stelle scheitern sollte. Vor allem nicht, nach dem kleinen Missgeschick vorhin. Ich war mir schlicht nicht sicher, was in dieser Situation das "Richtige" zu sagen wäre. Das ärgerte mich, denn normalerweise dachte ich allein darüber schon nicht nach, immerhin wollte ich niemand sein, der den anderen bloß nach dem Mund redete oder gar noch Honig darum schmierte. Aber hiervon hing nun einmal so viel ab. "Ähm", druckste ich, bis ich mich der Überraschung wegen wieder vollkommen unter Kontrolle hatte. Ich vermied es, Narvik dabei anzusehen. "Es ist sicher keine Bedingung, die ich stellen würde, aber wenn es hilfreich ist, so werde ich natürlich gerne eine Tätigkeit übernehmen." Ich lächelte bekräftigend. "Ich meine sagen zu können, dass ich beispielsweise bereits einige Erfahrungen im Haushalt hätte." Das war höflich untertrieben, wenn man bedachte, dass ich selbigen über Jahre quasi alleine bewältigt hatte. Aber bei so etwas untertrieb ich nun einmal gerne etwas, zumal es sicher auch nicht unklug war, denn wer wusste schon, wie die Dinge hier liefen? Am Ende hatten sie hier irgendwelche modernen Massenmechanismen oder Ähnliches.

    Lumira


    Eine ganze, schweigsame Weile, schien Cathan abzuwägen. Sein Blick glitt zu mir und ich hatte schon die Befürchtung, es doch vermasselt zu haben oder schlicht die Person zu viel zu sein. Er wusste sicher nicht, was er mit mir anfangen sollte, wo ich ja kaum als Feldarbeiter für ihn in Frage kam. Ich steigerte mich in diesem Moment derart in diese Sorge hinein, dass ich geradezu überrascht war, als Cathan einfach schlicht zustimmte. Das... war wider Erwarten doch sehr reibungslos verlaufen. Als er Narvik erklärte, dass dieser noch am heutigen Tage seine neu gewonnene Arbeit aufnehmen sollte, warf ich einen Blick in Narviks Richtung. Währenddessen bot Cathan eine leerstehende Scheune als Schlafdomizil an. Davon, uns trennen zu wollen, sagte er hingegen nichts. Zwar sollte es wohl des nachts ein wenig kühl werden, aber wer selbst im Freien unter den Sternen schlief, würde sich daran sicher noch am wenigsten stören.

    Lumira


    Cathan schien meinen Einwurf genau genommen sogar ziemlich amüsant zu finden, was mich gleichermaßen erleichterte und verwirrte. Genauso wie sein irritierend freundliches Lächeln. Dabei dachte ich, gerade einen ziemlichen Fauxpas in Sachen Benehmen hingelegt zu haben. Tja, wie es schien, nannten es die einen Fehltritt, er nannte es Humor. Ich lächelte nervös. Aber es war ja schön, dass er es so sah, denn somit hatte ich weniger Grund zur Sorge.

    Zu Narviks Angaben nickte ich still. Wir wären wirklich sehr dankbar.

    Lumira


    "Verzeihung." Ich räusperte mich und traf auf Narviks schockierten Blick, den ich schuldbewusst erwiderte, ehe ich von Neuem in Schweigen verfiel. Ich musste unbedingt vorsichtiger sein, ein Glück, dass der junge Hausherr mir diesen leichtsinnige Äußerung nicht übel nahm. Die Konsequenzen könnten immerhin weitreichend sein. Deshalb beschloss ich, vorerst lieber gar nichts mehr zu sagen, mich stattdessen vornehm zurückzuhalten und Narvik den diplomatischen Teil dieses durchaus heiklen Gesprächs zu überlassen. Davon hing eindeutig viel ab.