Laurea (RPG) - Let the game begin

  • Ranya
    "Da war ich mir nicht so sicher", entgegnete ich, während ich Scar um die nächste Ecke folgte, wo er sich gegen die Wand lehnte. Seine Worte gaben mir zu denken. Auf einmal kam mir ein Gedanke. "Und was, wenn es gar nicht darum geht?" Nachdenklich knetete ich die Finger meiner linken Hand. "Sie war die ganze Zeit über schon seltsam. Bei jedem, bei dem sie sich vorgestellt hat, ein anderer Name... Warum denn, wenn sie nichts zu verbergen hat? Vielleicht steht der Beutel damit in Zusammenhang." Oder Scar hatte recht. Was sollte so ein Beutel denn schon mit ihren Namen zu tun haben? Die Geschichte mit einer versteckten Waffe schien einleuchtender. Und trotzdem wollte ich den Gedanken, es könnte doch etwas mit ihrem Namen zu tun haben, nicht so ganz verwerfen...

    "Was den Plan angeht...", nachdenklich hob ich den Blick, "ich habe keinen. Nur so weit, dass ich in einem unaufmerksamen Moment an diesen Beutel kommen muss. Das Problem wird nur sein, dass sie so schnell nicht wieder unaufmerksam sein wird." Eine Idee hatte ich dann doch noch, auch, wenn sie nicht nach Plan klang. "Und was, wenn wir einfach abwarten, bis wir sie an Jon übergeben haben? Dann ist sie ja zumindest nicht mehr dein Problem." Aber das barg ein Risiko.


    //Der Rest kommt später oder morgen

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Scar


    Ich trommelte nachdenklich mit den Fingern gegen die Wand, während Ranya ihre Gedanken zu meinen Überlegungen äußerte.

    "Ich glaube, ich wünsche mir eine Waffe", brummte ich. In dem Beutel, meinte ich. "Ansonsten verspräche das, was du da überlegst, ziemlich kompliziert zu werden... Es ist zwar seltsam, dass sie sich jedes Mal anders nennt, aber sowas soll vorkommen. Vielleicht ist sie einfach nicht so klug wie ich, der sich direkt gar nicht vorstellt. Immerhin verstrickt man sich da schnell, mit so vielen Namen... Oder sie ist schlichtweg paranoid. Nervig, aber im Grunde harmlos."

    Der erhoffte "Plan" klang tatsächlich recht dürftig. Ich überlegte schon, als sie noch etwas vorschlug. Einfach abwarten bis zur Übergabe. Ich schüttelte bereits nach einem Moment den Kopf.

    "Nein, das willst du doch nicht wirklich, oder? Nicht nach der Aktion eben. Ich werde sicher nicht riskieren, dass Nennt-mich-Fiona auf uns losgeht... mit was auch immer. Vielleicht würde sie es nicht tun, ja. Vielleicht aber doch und ich will verdammt noch mal endlich wissen, was in diesem dämlichen Beutel so Besonderes sein soll. Du denn etwa nicht?!"

    Meine Finger trommelten schneller.

    "Und wenn man den Beutel austauschen könnte? Hat sie noch einen ähnlichen? Oder du vielleicht?"


    //^^ da haben wir jetzt wieder richtig Schreibstoff *-*

  • Ranya
    Ich musste ein Gähnen unterdrücken. Nachdem ich gerade keinem gegenwärtigen Angriff ausgesetzt war, kehrte langsam die Müdigkeit des Tages zurück. Aber ich wollte mir Scar gegenüber nichts anmerken lassen.

    "Was auch immer es ist, die Frage ist, ob es von Bedeutung für uns ist", gab ich zu bedenken. "Vielleicht verschwenden wir unsere Zeit." Was er jedoch zum Abwarten sagte, klang ebenfalls einleuchtend. Nachdenklich nickte ich. "Du könntest recht haben... aber wie sollen wir rankommen? Immerhin wird sie jetzt doppelt so wachsam sein, wo wir ihr schon mehrmals zu verstehen gegeben haben, dass dieser Beutel von Bedeutung ist." Jon vertraute dieser Frau. Was sprach dagegen, es auch zu tun? Nun ja, sie machte es uns nicht leicht, meinem Vorgesetzten in Sachen Vertrauen nachzueifern. Aber vielleicht lag dort irgendwo die Antwort auf unsere Fragen? Langsam schwante mir Böses. Mit wem hatten wir es hier zu tun?



    Cathan

    Während meine Diener sich schon auf den Weg zum Ball machten - sie mussten immerhin schon früher dort sein, damit sie uns dort dann erwarten konnten-, wartete ich weiter auf Lumira. Schließlich entschied ich, dass sie wohl schon fertig sein müsste. Also machte ich mich ruhig auf den Weg zum Ankleidezimmer, wo ich klopfte und auf eine Antwort wartete. Immerhin wäre alles andere wohl ziemlich unhöflich gewesen.

    Nach kurzer Stille öffnete sich die Türe von innen. Eine junge Frau hatte sie einen Spalt breit geöffnet und als sie mich erblickte, neigte sie respektvoll den Kopf. "Sie ist gerade fertig geworden", erklärte sie und ließ die Türe aufschwingen, sodass ich einen Blick in den Raum werfen konnte. Dort stand Lumira - und um ehrlich zu sein, war sie kaum mehr wiederzuerkennen. Nicht, dass sie zuvor hässlich gewesen wäre, doch so, wie sie nun in der Raummitte stand, sah sie wirklich umwerfend aus. Sie trug das Kleid, dass der Schneider extra für sie angefertigt hatte, aus eisblauem, weißen und grauem Stoff. Es war mit kunstvollen Stickereien verziert und vor allem passte es gut zu Lumira. Es schmiegte sich an ihren Körper und harmonierte zudem gut mit ihrem dunklen Haar und den blauen Augen. Der Schneider hatte ganze Arbeit geleistet - das hatte sich auch in der Bezahlung gezeigt, aber was tat man nicht alles für ein bisschen Luxus? - und auch die jungen Damen, die Lumira hergerichtet hatten, waren nicht minder fleißig gewesen.

    "Wie ich sehe, seid Ihr so weit", stellte ich schmunzelnd fest und machte einen Schritt auf sie zu. "Ihr seht wahrlich umwerfend aus, das muss auf jeden Fall festgestellt werden." Ich nickte ihr zu. "Dann lasst uns gehen, immerhin soll auch die Welt Eure Schönheit bewundern dürfen", fügte ich mit einem amüsierten Funkeln hinzu.

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

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  • Scar


    Ich fuhr mir erschöpft mit einer Hand durchs Gesicht. Wenn es sich bei der ganzen Sache um Zeitverschwendung handelte, dann war das natürlich ärgerlich, allein deshalb hoffte ich schon, dass Nennt-mich-Fiona uns damit nicht an der Nase herumführte. Das konnte ich nämlich gar nicht leiden, zumal etwas dieser Art eigentlich recht schnell durchschaute. Dafür schien sie allerdings viel zu ernst in ihren Reaktionen. Blöd wäre allerdings, wenn eben doch etwas Ernstes dahintersteckte und von ihr womöglich eine ernste Gefahr ausging. Mir missfiel es ohnehin schon gewaltig, dass Nennt-mich-Fiona sich so viel herausnahm. Immerhin war immer noch sie hier das Objekt des Auftrags, da hatte sie doch am wenigsten zu melden, meinte ich. Bei anderen Aufträgen, wäre es geradezu absurd erschienen, nicht sofort sämtliche Habseligkeiten von ihr zu durchsuchen. Ich verspürte fast schon das Bedürfnis, mir die Haare zu raufen. Dieser Auftrag war richtiggehend anstrengend. Dabei hatten wir nicht einmal lange gebraucht, um sie aufzuspüren. Was allerdings danach begonnen hatte, war schlichtweg ermüdend. Eigentlich sollte ich einen Aufschlag in Form von Schmerzensgeld erhalten...

    "Deshalb die Idee eines Austauschs", erwiderte ich. "Im Dunkeln, versteht sich. Mit etwas Glück, bemerkt sie es eine Weile lang nicht. Genug, um einen gründlichen Blick auf das Teil zu werfen."



    Lumira


    Nachdem man aus den Schachteln noch ein passendes, glitzerndes Paar Ohrringe ausgewählt hatte und auch dieses von Mathilda abgesegnet war, stand Cathan mit einem Mal auch schon in der Tür. Ich verneigte mich präsentativ und voller Grazie (zumindest hoffte ich das), die Gräfin wäre stolz auf mich.

    Als er seinem Wohlwollen über meine Erscheinung Ausdruck verlieh, strich ich mir ein wenig verlegen und mit einem erleichterten Lächeln eine kleine gelockte Haarsträhne hinters Ohr, die wohl gewollt seitlich aus meiner Frisur heraushing. Ich trat von dem kleinen Hocker herunter und wandte mich mit einem "Habt vielen Dank" noch einmal an alle, die mir beim Zurechtmachen geholfen hatten.

    Als ich dann vor Cathan stand, lächelte ich. "Natürlich gilt mein Dank vor allem auch Euch. Ich habe noch nie zuvor ein solch schönes Kleid getragen. Und der ganze Aufwand hier wäre wirklich nicht nötig gewesen." Ich machte eine etwas hilflose Geste durch den Raum.

    Ich nickte auf seine Aufforderung, zu gehen. Vielleicht war es gut, dass ich ein wenig Rouge trug, wobei es bestimmt gar nötig gewesen wäre. Nun war ich doch ziemlich aufgeregt und meine Wangen entsprechend heiß. So aber fiel es sicher nicht so sehr auf.

    Ich war wirklich unendlich froh, dass Cathan derart angetan war. Damit war die erste Hürde schon einmal geschafft.

    Seine ergänzende Bemerkung hätte beinahe auch von Narvik stammen können, stellte ich stutzend fest. Beinahe.

  • Ranya

    Auch Scar schien nicht mehr besonders frisch. Vermutlich hätte uns allen einfach ein wenig Ruhe gut getan, aber erst mussten wir entscheiden, was wir mit diesem verfluchten Beutel machten. Und langsam war ich mir sicher, er war verflucht, so viel Ärger, wie er uns bereitete. "Ich glaube nicht, dass sie so unvorsichtig ist", wandte ich ein, "wenn ich sie wäre, würde ich mich in der Nacht auf den Beutel legen, damit bloß niemand ihn entdeckt, wenn da so etwas Wichtiges darin ist." Ich massierte meine Nasenwurzel. "Mir gehen die Ideen aus."


    //Den Rest editier' ich wieder rein - KreaTief ._.

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  • Scar


    Ich kratzte mich müde und ziemlich ratlos am Kopf. Das wiederum verärgerte mich. Die ganze vertrackte Situation eigentlich. Dabei könnte es so einfach sein...

    "Kann sein, sonst wäre sie auch wirklich blöd. Aber eine bessere Idee habe ich gerade auch nicht parat. Außer natürlich, ihn ihr einfach wegzunehmen. Und wenn sie dabei einen kleinen Kratzer abbekäme." Ich schnaubte. Ich wollte die Sache mit dem Beutel einfach nur aus der Welt schaffen, damit sie den Teil meiner Gedanken wieder freigab, den sie nun seit geschlagenen zwei Tagen blockierte.

  • Ranya

    Ich seufzte. Eine einfache Lösung würden wir wohl wirklich nicht finden. "Versuchen wir es in der Nacht, in ihr wegzunehmen", schlug ich vor. "Da sind unsere Chancen noch am größten." Es würde schwierig genug werden, den Beutel unbemerkt zu entwenden, aber in der Dunkelheit, wenn sie nicht damit rechnete, konnten wir sie leichter überwältigen. Hoffentlich. Es sei denn, sie war bis an die Zähne bewaffnet... was wir nicht wissen konnten. Das war eine Ungewissheit, die alles entscheiden konnte. Nachdenklich blickte ich Scar an, blickte dabei eigentlich mehr oder weniger durch ihn hindurch.



    Cathan

    Ihre Worte nahm ich schmunzelnd zu Kenntnis. "Ihr müsst mir nicht danken", wehrte ich schließlich doch ab, als wir den Hauptgang betraten. "Amüsiert Euch einfach und genießt den Abend." Der Gang führte uns zum Hauseingang, dessen Flügeltüren uns bereits von zwei Bediensteten aufgehalten wurden. Ich nickte den beiden zu und führte Lumira dann nach draußen zu der Kutsche, die schon auf uns wartete. Die beiden Pferden standen ruhig und geduldig nebeneinander und gaben nur ab und zu ein Geräusch von sich. Der junge Kutscher, ein fähiger Mann im Umgang mit den Pferden, stieg vom Kutschbock um Lumira auf die Kutsche hinaufzuhelfen, doch ich bedeutete ihm mit einer Kopfbewegung, dass ich das schon machen würde.

    Ich schenkte Lumira ein Lächeln. Nur zu gut konnte ich mir vorstellen, wie schwierig es werden würde, mit dem Kleid auf die Kutsche hinaufzukommen, doch ich bot ihr meine Hand an, um ihr zu helfen. Dabei ließ ich meinen Blick noch einmal über sie schweifen. Sie sah wirklich einfach nur umwerfend aus. Zwar wusste ich nicht viel über ihre Herkunft, aber ich wusste, dass sie sicherlich noch nie solch ein Kleid getragen hatte, und sie war es auch nicht gewohnt, in solchen Kreisen zu verkehren. Und dennoch. Wenn man den Worten der Gräfin Glauben schenken durfte - und das tat ich - dann hatte sie gut gelernt, wie sie sich zu benehmen, was sie zu sagen, wie sie sich allgemein zu verhalten hatte. Und dass sie sich durchaus mit Eleganz und Anmut in ihrem neuen Kleid bewegte, hatte sie schon unter Beweis gestellt.


    //Ich hab auch mal wieder was hinbekommen :'D

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    -Edward Snowden

  • Seriel


    In dem Anwesen meines Auftraggebers war alles abgesprochen und so verließ ich das Haus. wieder meines Willens hatte ich (zum Glück in schwarz) ein Kleid, welches er schneidern ließ. Es war so raffiniert, dass ich meinen Einhänder in einer speziellen Vorrichtung trug, wo er nicht erkannt werden würde und zwei Dolche, einer an meinem Stiefel, der andre in meinem sehr langen Handschuh. Auf die genauen Begriffe *dieser* Art von Mode achtete ich ich nicht, dennoch war dies ein schönes Geschenk. Den Umgang mit den hohen Damen und Herren hatte ich erlernt, auch wenn ich größtenteils im Hintergrund bleiben sollte. Ich sprang auf mein Pferd und hörte nur noch ein:"Bis nachher, ich ....", denn der Wind wurde laut, als ich meinem gigantischen Hengst die Sporen gab.


    In einem Waldstück nahe des Festes zog ich mich um, meinem Pferd befahl ich hier zu bleiben, um schnell da zu sein, falls irgendwie eine Rettung meines Auftraggebers oder Verfolgung meines Gesuchten von Nöten ist.


    Eine Kutsche hielt an. "Darf ich Sie das letzte Stück mitnehmen?", lächelte mich mein junger Auftraggeber an. Mir wurde für den Moment mulmig, in dem ich die Kutsche betrat ... So viel hatte er für mich getan.... Nein! Vertraue keinem! Diese Worte hallten die restliche Fahrt in meinem Kopf

  • Scar


    Ich hob den Kopf, den ich kurzzeitig gegen die Wand gelehnt hatte, bei Ranyas Worten wieder. Ich nickte.

    "Das denke ich auch. So machen wir es." In der Tat stünden unsere Chancen nachts gar nicht mal so schlecht, auf jeden Fall weitaus besser als am hellen Tag.

    Ranya schien sich dennoch alles andere als sicher zu sein, ihr leerer Blick, der schnurstracks in eine gedankliche Parallelwelt zu führen schien, verriet es mir deutlich.

    "Hey, das wird schon klappen", brummte ich. Im "Notfall" waren wir immer noch zu zweit. Zumal sie doch hoffentlich nicht glaubte, dass ich gedachte, unbewaffnet den werten Schlaf von Nennt-mich-Fiona zu stören. Nein, im besten Fall sollte diese davon nichts mitbekommen. Aber rechnen würden wir besser mit allem.

    "Bist du denn nicht wenigstens neugierig?" Bei mir überwog mittlerweile schon eher das Genervtsein, aber Neugier zog eindeutig besser.



    Lumira


    Bei Cathans Worten lächelte ich, während er mich hinaus in den Hof führte. Dort erwartete uns eine Kutsche mit glänzendem Bau. Sie war jedenfalls in keinster Weise vergleichbar mit den Heu- und Erntekarren oder den engen Wagen mit schlammbespritzten Rädern, die Narvik und ich auf unserer Reise oder in einer der kleinen Städte hin und wieder angetroffen hatten.

    Die Pferde davor schienen ruhig zu warten und ich nickte dem Kutscher kurz zu, als er sogleich vom Kutschbock sprang, kaum dass wir erschienen.

    Cathan bot mir seine Hand, wofür ich ihm im selben Moment sehr dankbar war. In dem Ballkleid zu laufen war das Eine, aber bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich noch nicht mit dem Gedanken auseinandergesetzt, wie ich darin die Höhe der Kutsche "erklimmen" sollte. Denn bei all dem Stoff und Unterrock nahm diese Aufgabe beinahe schon bergsteigerische Züge an.

    Dieses Gefühl der erneuten Dankbarkeit brachte ich zum Ausdruck, indem ich sein Lächeln strahlend erwiderte.

    Dann ergriff ich seine Hand.

    So selbstverständlich das angesichts dieses Anlasses erschien - diese Art von Körperkontakt war (obwohl im Grunde völlig unspektakulär) doch seltsam. Nicht nur, weil Cathan mein Arbeitgeber war und vielleicht auch, weil er gesellschaftlich weit über mir stand. Vor allem aber, weil Narvik bisher der einzige Mann gewesen war, dessen Hand ich hielt. Oder er meine. Ganz egal aus welcher Situation heraus. Wirklich unangenehm war es aber auch nicht. Eher überraschend, weil diese Erkenntnis damit einhergehend mein Bewusstsein eroberte.

    Ich war gespannt, wann und ob überhaupt ich Narvik nachher zu Gesicht bekommen würde. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass wir alle gemeinsam anreisen würden. Dem war nicht so, die "Dienerschaft" war wohl schon vorgefahren. Aber eigentlich hätte ich mir das denken können.

    All das jedoch konnte meine Vorfreude auf den Abend jedoch bei Weitem nicht bremsen.

  • Ranya

    Meine Mundwinkel zuckten verräterisch, als er meinte, dass es schon klappen würde. Das klang beinahe, als ob er mich aufmuntern wollte. "Wir werden es sehen", erwiderte ich nur. Mehr konnten wir im Moment nicht tun, als abzuwarten, bis es dunkel genug war und Nennt-mich-Fiona sich schlafen gelegt hatte. Bis dahin konnten wir nicht viel tun. "Was hältst du davon, etwas essen zu gehen?", schlug ich also vor, um die Zeit totzuschlagen.



    Cathan

    Lumira lächelte mich an, als ich ihr die Hand reichte, damit sie in die Kutsche steigen konnte. Ihr Lächeln war Grund genug gewesen, ihr in die Kutsche zu helfen, aber natürlich wollte ich auch nicht, dass sie mit ihrem Kleid womöglich fiel und auf der Erde landete. Das wäre auf keinem Fall in unser aller Sinn gewesen. Weder sie hätte das gewollt, noch ich. Ich schon gar nicht. Immerhin sollte sie sich auf keinen Fall verletzen, sowie auch ihr Kleid unbeschädigt bleiben sollte. Und ganz abgesehen davon gehörte sich das so, zu helfen, wenn es nötig war.

    Als auch ich in der Kutsche - neben Lumira - Platz genommen hatte, stieg der Kutscher wieder auf den Kutschbock und ließ die Pferde gemächlich losgehen. Mein Blick wanderte zu der jungen Frau.

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    -Edward Snowden

  • Scar


    In der Tat, das würden wir.

    Ihr Vorschlag, etwas Essen zu gehen, kam mir genau genommen ganz gelegen. Das hieß, ich hatte sowieso nicht vorgehabt, mit leerem Magen "zu Bett" zu gehen. Schon gar nicht, wenn das nächtliche Vorhaben vorerst nicht "schlafen" beinhalten würde.

    Ich nickte also, stieß mich von der Wand ab und marschierte direkt los.

    Essen war praktisch immer eine gute Idee. Sofern man es sich der Situation entsprechend in dieser Berufung erlauben konnte.

    Nennt-mich-Fiona würde zumindest nicht davonlaufen, sobald man sie nur mal kurz aus den Augen ließ.

    Zumal wir die Zeit bis zur Umsetzung dieses Plans ja mit irgendetwas füllen mussten.

    Der Gastraum war klein, stickig und relativ voll. Dass es eng war, lag allerdings nicht an den Menschen an sich. Es war auch wiederum nicht so voll, als dass wir keinen freien Tisch mehr gefunden hätten.



    Lumira


    Die Kutsche war in der Tat geräumig. Also, für eine Kutsche. Zumindest glaubte ich das. Staunend betrachtete ich das Innere und legte schließlich (ein wenig eingeschüchtert durch die Makellosigkeit der Polster) meine Hände in meinem Schoß zusammen. Auch wenn die Gefahr, etwas kaputtzumachen, sicher eher gering war. Dabei versuchte ich angestrengt, mir nicht zu viel von meinem Staunen und meiner Begeisterung anmerken zu lassen. Narvik hatte mich ja mittlerweile gelehrt, dass ich normalerweise einem offenen Buch glich.

    Cathan saß kurz darauf neben mir und ich traf auf seinen Blick, als die Kutsche sich mit einem kleinen Ruck auch schon langsam in Bewegung setzte.

    Wie so oft biss ich mir auf die Unterlippe, nicht ganz sicher, ob ich mich besser zurückhalten sollte. Aber natürlich siegten meine Neugier und mein Interesse. Wir waren ja schließlich auch noch nicht auf dem Ball und Cathan war auch sonst keiner Konversation abgeneigt gewesen. Also machte ich den Mund auf.

    "Seid Ihr oft auf solchen Veranstaltungen? Oder überhaupt außerhalb des Hauses?" Ich merkte erst, dass die letzte Frage vielleicht etwas ungünstig formuliert war. "Ich meine, reist ihr viel? Und wenn ja, bereitet es euch Freude?", beeilte ich mich deshalb schnell hinzuzufügen. Nicht, dass er daraus am Ende noch einen Vorwurf oder gar eine Beleidigung las, er würde nie das Haus verlassen. Das wäre kein guter Anfang.

  • Ranya

    Ich folgte Scar in den Gastraum, wo er relativ schnell einen freien Platz fand und diesen zielstrebig ansteuerte. Schweigend folgte ich ihm und setzte mich dann ihm gegenüber. Rasch kam eine Bedienung, fragte nach unseren Wünschen - was die Getränke anging - und verschwand dann wieder, um die Speisekarten zu holen. Alles also wie üblich.



    Cathan

    Ein Schmunzeln nicht verhindern könnend, blickte ich zu Lumira, als sie einen kleinen Redeschwall losließ. "Wisst Ihr, ich bin so gerne außerhalb des Hauses, so oft es möglich ist", antwortete ich ihr schließlich. "Nur leider habe ich viel zu tun. So Gelegenheiten wie die heutige ergreife ich also sehr gerne." Ich blickte sie an. "Sie ergeben sich manchmal häufiger, manchmal lange nicht. Solche Chancen lassen sich in vielerlei Hinsicht nutzen und aus diesem Grund lasse ich sie mir auch selten entgehen." So ein Ball oder ein Essen, eine Feier, was auch immer es sein mochte, war die beste Gelegenheit, neue, teils einflussreiche Leute kennenzulernen. Und das in einer ungezwungenen Atmosphäre. Sofern man einen Ball als ungezwungen betrachten durfte, wo doch so viele Regeln zu beachten waren. Wer allerdings hingegen schon damit aufgewachsen war, sich jeden Schritt, jedes Wort, jede Bewegung gut zu überlegen, der konnte sich unter Umständen sogar amüsieren. Nun, meine Eltern hatten dafür gesorgt, dass ich das früh genug gelernt hatte. Sie waren sehr streng gewesen. Eine Strenge, die ich nicht mit ihnen zu teilen vermochte. Ich bevorzugte Großzügigkeit anstatt Strenge und Disziplin. Mit Freundlichkeit kam man oftmals weiter im Leben, zumindest war das meine Erfahrung. Immerhin pflegte ich es, meine Ziele zu erreichen, wozu es aber oft sinnvoll war, Umwege zu gehen. Das strikte Durchpeitschen irgendwelcher Ideen war unsinnig.

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Scar


    Ich bestellte mir einen Krug Bier und kurz darauf auch etwas zu Essen, als die Speisekarte vor uns lag. Nichts Besonderes, aber die kleine Auswahl würde uns sehr gut vor dem Aushungern bewahren und damit ihren Zweck erfüllen.

    Anschließend lehnte ich mich zurück und starrte nachdenklich in den Gastraum.

    "Das ist der merkwürdigste Auftrag, seit langem", murmelte ich, mehr zu mir selbst. "Wobei, nein - nicht der Auftrag, sondern vielmehr die Leute, die damit verbunden sind."



    Lumira


    Ich war erfreut, als Cathan so ausführlich auf meine wissbegierigen Fragen einging. Zumindest die Zeitknappheit hatte ich mir schon denken können, allerdings hätte es ja sein können, dass er im Rahmen seiner Arbeit öfter fortmusste und die Zeit, seit wir für ihn arbeiteten, eher so etwas wie eine Ausnahme war.

    "Ich verstehe", meinte ich und lächelte, ehe ich mir doch noch einen weiteren Vorstoß erlaubte.

    "Was genau arbeitet Ihr denn eigentlich den ganzen Tag?", fragte ich also geradeheraus. "Ihr müsst diese Frage natürlich nicht beantworten, sollte ich damit zu weit vorgeprescht sein."

    Ich sah Cathan zwar selbstverständlich nicht rund um die Uhr, aber immer wenn oder wenn jemand über ihn sprach, dann war er in seinem Arbeitszimmer. Und arbeitete eben. Mir war klar, dass er einen großen Hof mit nicht wenigen Bediensteten zu verwalten hatte (wobei ich mich unwillkürlich fragte, ob diese Aufgabe nicht zumindest in Teilen noch auf niedrigere Stufen verteilt war), aber sicher machte er auch noch andere Dinge. Konnte man allein durch die Erträge der Bewirtschaftung eines Hofes so reich werden?

    Obwohl Cathan sich so offen gab, wusste ich noch kaum etwas über ihn. Das weckte natürlich mein Interesse. Und gesellschaftlicher Status hin oder her, Scheu hatte ich deshalb kaum. So war ich nun einmal. Vielleicht eine Folge der Isolation? Das konnte ausnahmsweise mal nicht nur negativ sein.

  • Cathan

    Ich lächelte etwas breiter. "Nun, ich habe ein paar Geschäfte zu verwalten. Und Angestellte", erwiderte ich auf ihre Frage. "Handel, Geschäftsbeziehungen... Die Kunstwerke, die Ihr bereits aus dem Übungsraum kennt, bezahlen sich nicht von selbst." Bei diesen Worten zwinkerte ich ihr zu. "Und auch Euer Kleid nicht. Qualität kostet."



    Ranya

    Manchmal fragte ich mich, ob Scar immer so viel trank, wenn er einen Auftrag hatte. Hatte er keine Sorgen, die Kontrolle womöglich zu verlieren? Nun, es sollte sein Problem sein, aber ich an seiner Stelle hätte mir das anders überlegt...

    Ich selbst wählte Tee und Brot und beobachtete Scar, wie er sich zurücklehnte und seinerseits den Gastraum musterte. Seine Bemerkung zu diesem Auftrag entlockte mir ein Schmunzeln. "Ach ja?", fragte ich belustigt und nippte an meinem Teebecher, den die Bedienung neben seinem Bierkrug gebracht hatte. "Ich kann das nur erwidern. Und dabei bin ich mir sicher, dass du der angenehmere Zeitgenosse bist." Ich warf ihm einen amüsierten Seitenblick zu und trank dann noch einen Schluck, während ich den Blick ebenfalls durch den Gastraum schweifen ließ.

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  • Lumira


    Ich nickte bei Cathans Antwort und strich gedankenverloren und ehrfürchtig zugleich über den hellen Rock des Kleides. Das zwei Drittel der Rückbank einnahm. Eines war sicher: So ein Ballkleid hatte bei einem Kutschunfall sicher schon so manche Frau vor schlimmeren Blessuren bewahrt. Ich fühlte mich doch ziemlich gut umpolstert. Wenn mein Kleid noch zu den weniger bauschigen zählte, dann war ich gespannt, welche Gewänder mir an diesem Abend noch über den Weg laufen würden...

    "Ich freue mich auf den Abend."

    Ich fragte mich, ob welche Stellung Cathan wohl unter seinesgleichen einnahm. Als Kaufmann war er machtvoll. Aber war er auch ein machtvoller Kaufmann unter Kaufmännern? Welche Gespräche würde er später wohl führen, welche Leute würde er kennen und welche Kontakte würde er neu knüpfen oder stärken? Würde ich die ganze Zeit über dabei sein? Welche Musik würde gespielt werden? Ob Kaufleute gerne tanzten?



    Scar


    Ich nahm einen tiefen Zug aus dem Bierkrug und beobachtete einen alten Mann mit brustlangem weiß-grauen Rauschebart. Wenn er von seinem Brot nicht satt wurde, läge das höchstwahrscheinlich daran, dass die Hälfte davon gar nicht erst den Weg in seinen Mund fand, sondern sich in dem krausen Haar verfing.

    Belustigt trank ich einen weiteren Schluck, ehe ich das Glas abstellte und ein Stück von der Kante wegschob. Erst dann erwiderte ich etwas auf Ranyas Kommentar.

    "Dann muss Nennt-mich-Fiona ja wirklich ein schlimmer Charakter sein. Selbst wenn man die Gesellschaft anderer Menschen normalerweise gut leiden kann. Als "angenehm" wurde ich jedenfalls lange nicht bezeichnet." Ich grinste spöttisch.

    Oder überhaupt jemals. Ich musste direkt mal nachdenken. Dass ich mich an keine ähnliche Situation erinnerte konnte allerdings auch daran liegen, dass ich es wohl nie sonderlich darauf angelegt hatte.

  • Cathan

    Lumira schien etwas ruhiger zu werden oder sie wusste einfach nur nicht mehr, was sie sagen sollte. Also strich sie über den Rock ihres Kleides, bis sie schließlich doch etwas von sich gab. Sie freute sich auf den Abend? Wie gewohnt lächelte ich. "Das freut mich zu hören. Genau so war es nämlich auch gedacht", erwiderte ich.

    Eine Weile fuhren wir noch mit der Kutsche, wurden ein wenig durchgeschüttelt, dann erreichten wir doch schließlich die Villa im Zentrum. Ein großer Bau mit noch größerem Garten und einem Weg zum Villeneingang, den wir mit der Kutsche hinauffuhren. Die weiße Villa ragte hoch in den Nachthimmel, sie war geschmückt mit Ornamenten aus Stuck und Silber. Sie war etwas... extravaganter gestaltet als meine Villa. Der Eingang der Villa war durch einen Dreiecksgiebel überdacht, welcher von mehreren Säulen gestützt wurde. Im Obergeschoß der Villa befand sich ein Balkon, dessen Balustrade mit Karyatiden - weibliche Figuren, die das Geländer hielten - gestaltet war.

    Die Kutsche fuhr die Auffahrt hinauf und hielt schließlich neben vier anderen vor dem Eingang. Sanft und nur durch ruhige Worte parierte der Kutscher die Pferde durch. In diesem Moment war ich besonders zufrieden mit seiner Arbeit. Er hatte die Pferde gut erzogen, sodass sie nun äußerst gehorsam waren.
    Ich lächelte Lumira zu und wartete, bis die Kutschentür von außen geöffnet wurde. Ich stieg von der Kutsche hinab und bot Lumira dann erneut meine Hand an, um ihr von der Kutsche zu helfen.



    Ranya

    Scar schien sichtlich amüsiert darüber, dass ich ihn als angenehmer als Nennt-mich-Fiona bezeichnet hatte. Ich hingegen blickte ihn mit einem Unschuldsblick an. "So schlimm bist du wirklich nicht - auch, wenn du das vielleicht sein möchtest", entgegnete ich, musste dann aber doch schmunzeln. "Aber glaub deshalb bloß nicht, dass du dir alles erlauben kannst!"

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
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  • Lumira


    Den Rest der Fahrt über schwieg ich, beziehungsweise kämpfte insgeheim gegen meine eigene Begeisterung an. Cathan konnte es nicht wissen und das musste er auch nicht unbedingt, aber ich war noch nie zuvor mit einer Kutsche gefahren. Mit solch einer prächtigen schon gar nicht. Es war ganz anders, als zu reiten. Es ruckelte zwar zwischendurch gewaltig, wenn die Räder der Kutsche über einen Stein oder gepflasterte Wege rollte, aber dennoch nicht vergleichbar. Je länger wir unterwegs waren, desto mehr fand ich Gefallen an dieser Art der Fortbewegung. Ich hatte Spaß. Auch wenn ich den Platz auf Ariven immer allem anderen vorziehen würde.

    Also genoss ich die Fahrt im Stillen, bis wir schließlich da waren. Der Kutscher brachte Pferde und Gefährt sanft zum Halten.

    Ich ergriff abermals Cathans Hand und ließ mir von ihm aus der Kutsche heraushelfen, möglichst konzentriert darauf, beim Hinuntersteigen nirgendwo in dem Kleid hängenzubleiben. Ich wusste, dass ich hin und wieder zu Tollpatschigkeit neigte, da sorgte ich lieber vor. Und doch war es ziemlich schwer, sich auf irgendetwas anderes zu fokussieren als auf den prächtigen Bau, der sich vor uns schneeweiß dem dunklen Himmel emporreckte.

    "Das ist der Wahnsinn", entfuhr es mir nun doch leise, als mein Blick ehrfürchtig an den Säulen hinauf zum Giebel glitt und dort an kunstvollen Frauenfiguren hängenblieb. Ich räusperte mich und ein kurzes Grinsen huschte über mein Gesicht.

    "Ich meine natürlich: Welch beeindruckender Bau." Das war die Villa in der Tat. Um gar nicht erst von dem riesenhaften Garten zu sprechen, dessen ganze Größe ich nicht einmal genau ausmachen konnte, verlor sich die Fläche außerhalb der Reichweite der Fackeln und Laternenbeleuchtung doch im Dunkel.



    Scar


    Ich sah Ranya für einen Moment ungläubig, vielleicht sogar ein bisschen verstört an. Das hatte sie gerade nicht wirklich gesagt, oder?

    Ich seufzte. Aus welcher Emotion heraus konnte ich auch nicht so genau sagen. Jedenfalls nicht mehr länger bloß Genervtsein oder Langeweile. Vielleicht Ungeduld? Vielleicht. Oder gar ein Anflug von Verzweiflung? Schon eher, nur war ich eigentlich nicht verzweifelt. Sei es drum.

    "Das ist wirklich toll, dass du das so siehst. Auch wenn du dir besser mal keine Gedanken darüber machst, was ich möchte oder auch nicht. Das mache ich schon." Ich schüttelte den Kopf und blickte belustigt auf das Bierglas, das ich langsam in der Hand drehte.

    "Wo du mich ja schon so gut zu kennen glaubst, müsstest du doch wissen, dass ich sowieso nicht um Erlaubnis frage", zog ich sie noch ein bisschen weiter auf. Am Ende fand sie mich noch nett. Um Himmels Willen. So sehr gelacht hatte ich innerlich schon lange nicht mehr.


    //Endlich auch mal wieder die Zeit gefunden x'D Muss hier unbedingt mal wieder weitergehen *-*

  • Cathan
    Lumira stieg elegant von der Kutsche hinab, was mich lächeln ließ, was ich aber auch nicht weiter kommentierte. Sie bewegte sich in meinen Augen durchaus anmutig. Scheinbar hatte die Gräfin ihre Aufgabe gut erfüllt, denn Lumira schien gelernt zu haben - was nicht bedeutete, dass sie sich vorher nicht anmutig bewegt hatte. Doch dass sie gelernt hatte, zeigte auch, wie sie sich äußerte. Zunächst ließ sie sich von ihrer Bewunderung dazu hinreißen, sich etwas unbedarft auszudrücken. Sogleich korrigierte sie sich wieder, woraufhin ich schmunzelte. Aber auch dieses Mal kam kein Kommentar über meine Lippen.

    Ein Diener kam auf uns zugeeilt - ein Diener des Gastgebers wohlgemerkt - und meinte, er würde uns in den Saal führen. Ich blickte zu Lumira. Jetzt würde es losgehen.



    Ranya

    Sein Gesichtsausdruck war Gold wert. Unweigerlich musste ich schmunzeln. Nicht ganz richtig. Ich musste grinsen. Wie niedlich er aussah, wenn er mich so ungläubig anglotzte. Wie ein unbeholfener Hundewelpe.

    Was er von sich gab, ließ mich den Kopf schütteln, dennoch nicht minder belustigt. "Du hast das winzige Wörtchen 'vielleicht' überhört. Ich denke nicht, dich gut genug einschätzen zu können, um zuverlässige Prognosen stellen zu können." Ich griff nach meinem Tee und nippte daran, bevor ich hinzufügte: "Und dass du nicht um Erlaubnis fragst, habe ich tatsächlich nicht erwartet. Ich wollte dich lediglich darüber in Kenntnis setzen, dass du im Falle, dass du dich danebenbenimmst, es ungefähr so leicht haben wirst wie Nennt-mich-Fiona." Ich trank noch einen Schluck meines Tees. "Nicht, dass du meinst, ich hätte dich nicht gewarnt", fügte ich beiläufig hinzu.

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Lumira


    Immer noch völlig eingenommen, blickte ich mich um - wenngleich ich versuchte, es möglichst unauffällig anzustellen.

    Ich hatte keine Ahnung, wie genau ich mir den ganzen Abend, den Ort, den Ball vorgestellt hatte, ich wusste nur, dass das hier schlichtweg überwältigend war. Soeben kam uns ein Mann entgegen. Aufgrund seiner Uniform und seines demütigen Auftretens, nahm ich stark an, dass er einen Dienerposten auf der Veranstaltung einnahm. Für einen kleinen Moment fühlte ich mich ein bisschen fehl am Platz. Wobei ich ja gewissermaßen auch einen "Aufgabe" hatte. Gewissermaßen. Denn sie war nun einmal wohl deutlich angenehmer, fast fühlte sie sich eher wie ein Geschenk an. Wir würden sehen.

    Mein Blick traf auf Cathans. Seine Augen waren ruhig, sein Blick auffordernd, um seine Lippen lag ein leichtes Schmunzeln. Ich nickte leicht, um ihm zu verstehen zu geben, dass ich bereit war. Mir hatte es ohnehin vorerst die Sprache verschlagen.

    Es wurde ernst.



    Scar


    Ranya grinste, was mich irgendwo beunruhigte. Sie musste sich amüsieren und ich hatte in diesem Moment die Befürchtung, dass ich das Subjekt dieser Belustigung war.

    Ich überbrückte diesen Moment, indem ich einen weiteren Zug aus dem Glas nahm, ehe ich mich zu einer Antwort herabließ.

    "Das hast du ganz richtig erkannt." Ich hob eine Augenbraue. "Sehr nett von dir, dass du mich warnen willst... Nur überzeugt mich dein Druckmittel nicht so ganz - Nennt-mich-Fiona tanzt dir schließlich auch nach allen Regeln der Kunst auf der Nase herum."

    Ich zog sie damit sicher nicht ganz unbewusst auf, denn nun war es an mir, doch fast schon unverschämt zu grinsen.

    Darauf noch ein Schlückchen Bier. Heute würde es auch bei dem einen bleiben.

  • Ranya
    Ich schnaubte amüsiert, als er erklärte, dass Nennt-mich-Fiona mir auf der Nase herumtanzen würde. "Ach, meinst du?" Nachdenklich neigte ich den Kopf. "Möglicherweise. Aber das bedeutet nicht, dass ich mich nicht wehren kann, wenn es mir zu bunt wird. Ich lasse ihr im Moment noch ihre Eigenheiten - ich hörte, dass man das Toleranz nennt", erklärte ich und war in dem Moment froh, überhaupt irgendetwas gesagt zu haben. Denn eines musste ich zugeben: Scars Kommentar hatte gesessen. Ich war also in einer durchaus misslichen Situation. Dennoch beugte ich mich ein wenig zu ihm und erklärte dann etwas leiser: "Du kannst ja ausprobieren, was passiert, wenn du weiter über die Stränge schlägst als sie, dann kannst du damit rechnen, dass dich mein 'Druckmittel' sehr wohl überzeugen wird." Dass ich es nicht mochte, Menschen ernsthaft zu drohen und sowas im Spaß bevorzugte, sagte ich lieber nicht. Ich hoffte nur, dass er es nicht darauf anlegte. Sollte es zu einer waschechten Auseinandersetzung kommen, hätte ich gegen Scar sicher ordentlich zu kämpfen. Er war größer, er war stärker und vermutlich war er auch rücksichtsloser. Besser, wir beließen es beim Scherzen. Auch, wenn selbst das ein komisches Gefühl war. Ich traute mich wetten, dass Scar nicht zum Scherzen aufgelegt war. Trotzdem hatte er es sich - zumindest bis an diesen Punkt - gefallen lassen.



    Cathan

    Lumira nickte leicht. Ich bot ihr den Arm zum einhaken an, ohne lange nachzudenken. Vielleicht auch, weil ich das von den letzten Bällen gewohnt war. Es sollte nicht so wirken, wie es war, so, als ob wir uns noch gar nicht so lange kannten. Man musste es uns nicht unbedingt ansehen. Mittlerweile sagte man mir sowieso nach, dass ich viel zu schnell eine Dame mitbringen würde, die mir gefiel. Hier, in der Stadt, in der wir lebten, war das im Grunde kein Problem. Dennoch schmunzelte manche darüber und erzählten, ich würde mich nur nicht entscheiden können. Sie hatten alle keine Ahnung. Aber dennoch ging ich nicht so weit, zu sagen, was sie sagten, wäre mir egal. Denn so war es auch wieder nicht. Man lebte doch davon, dass andere gut über einen sprachen und deshalb auf Geschäfte eingingen, nicht wahr?


    //Narvik bring ich mit dem nächsten Post auch wieder ins Spiel, ich brauch nur noch Ideen :'D

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden