Laurea (RPG) - Let the game begin

  • Narvik

    Ihre Worte ließen mich leise lachen. "Erfahrung stärkt das Selbstvertrauen, weißt du? Wenn man viel durchmacht und das meistert, wird man zuversichtlicher." Sanft strich ich ihr eine Haarsträhne aus ihrem hübschen Gesicht, während ich sie schmunzelnd betrachtete. Irgendwann einmal hatte ich selbst auch so viel Angst gehabt, regelrecht aus Angst bestanden. Ich konnte sie gut verstehen. Diese Angst wollte einen lähmen und hätte ich damals jemanden wie Lumira an meiner Seite gehabt, hätte ich vielleicht mehr Mut gehabt. Doch bis vor einiger Zeit hatte sie in meinem Leben noch gefehlt. Und jetzt war sie nicht mehr wegzudenken.

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Lumira


    "Erfahrung also? Das ist dein Geheimrezept? Zugegeben, ich bin enttäuscht." Das Grinsen war endgültig in mein Gesicht zurückgekehrt. In Wahrheit war ich allerdings natürlich kein bisschen enttäuscht. Ganz im Gegenteil eigentlich. Denn wenn Narvik meinte, seine Selbstsicherheit würde auf Erfahrung beruhen, versprach das in einer gewissen Weise Hoffnung. Und gleichzeitig war ich mir sicher, dass ich wohl niemals über derartiges Selbstbewusstsein verfügen würde - auch nicht mit jahrelanger Erfahrung. Denn das wollte ich überhaupt nicht. Narvik und ich unterschieden uns in mancherlei Hinsicht und das war gut so. Dieser Part war eindeutig ihm vorbehalten. Es war eine Eigenschaft an ihm, für die ich ihn so abgöttisch liebte, aber eben auch nur an ihm.

    Ich rückte noch ein Stückchen näher an Narvik heran und schmiegte mich an ihn. Was würde ich nur tun, könnte ich nicht mehr diese Wärme spüren?

  • Narvik

    Ihre Worte entlockten mir ein Schmunzeln, woraufhin ich ihr auf die Nasenspitze tippte. "wie kann man da denn enttäuscht sein? Es kann nicht jeder besondere magische Kräfte haben, nicht wahr?" Ich bedachte sie mit einem liebevollen Lächeln. "Aber die machen dich nur noch besonderer..." Meine Stimme war unwillkürlich leiser geworden, als ich die letzten Worte ausgesprochen hatte. Es war mir klar, dass sie ihre Fähigkeiten für ein Problem hielt, manchmal zumindest, doch ich fand, dass sie nur noch unterstrichen, wie einzigartig sie wirklich war. Sie war einfach unglaublich.

    Als sie sich an mich drückte, fuhr ich sanft durch ihr Haar. "Meine Süße", murmelte ich leise. Wenn sie bei mir war, schien alles so einfach. Sie schien Kräfte hervorrufen zu können, die ich nicht gekannt hatte. Liebe, Kampfgeist, Glaube an die Zukunft, an eine gemeinsame, wohlgemerkt. Wenn es nach mir ging, würden sich unsere Wege nie mehr trennen. Und ich würde alles für Lumira tun, um sie nicht wieder zu verlieren. So eine großartige Frau würde mir nie wieder begegnen, das wusste ich einfach. Es war, als wäre es von irgendjemandem geplant gewesen, dass wir uns begegnet waren.

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Lumira


    Seine Worte zauberten ein leises Lächeln auf meine Lippen. Ja, die Heilkräfte... Das war auch so eine Sache. Vor allem hatte ich solche Sorgen gehabt, dass sie ihn ängstigen oder sonst wie ein Anlass sein könnten, Abstand zu mir zu halten. Aber sie waren völlig unbegründet gewesen. Dennoch war ich mir nicht sicher, ob alle Menschen so wunderbar reagieren würden wie Narvik, sollten sie davon erfahren. Ich hatte relativ früh entdeckt, dass ich Heilprozesse beschleunigen konnte. Nur hatte ich genauso schnell bemerkt, dass alle anderen, wenigen in meinem Umfeld es nicht konnten. Ich hatte mich immer seltsam, anders gefühlt und mich oft gefragt, ob es falsch war, dass ich über diese Fähigkeit verfügte, bis ich begriffen hatte, wie toll es war, anderen auf diese Weise helfen zu können.

    Narvik drückte mich an sich und murmelte an meinem Haar. Ich schloss für eine Weile einfach die Augen, während ich mich an ihn schmiegte und genoss einfach den Moment und die wohlige Wärme in meinem Bauch und meiner Brust, die mich dank ihm durchströmte. Ich wollte erst irgendetwas erwidern, aber mir fiel nichts ein, weil ich das wundervolle Gefühl in diesem Augenblick einfach nicht in Worte fassen konnte. Narvik war das Beste, was mir je passiert war, das war sicher. Er war einfach großartig. Und wieder fragte ich mich unmittelbar, wie das alles nur so plötzlich gekommen war. Ich hatte das starke Gefühl, dass auch Narvik gerade etwas Ähnliches dachte und so drückte ich mich einfach noch etwas näher an ihn heran.

  • Narvik

    Nach einer Weile, die ich Lumira einfach bei mir gehalten hatte, ohne mich zu rühren, und einer Zeit, in der ich nur den Augenblick genossen hatte, lächelte ich sie schließlich an. "Lass uns vielleicht zusehen, dass wir schlafen gehen", schlug ich vor. "Morgen wird sich wohl einiges ändern." Ich hoffte zumindest, zum Guten. Denn es konnte auch böse ins Auge gehen...



    Ranya

    Nach einer Zeit erreichten wir schließlich die Siedlung. Ich bremste mein Pferd und schwang mich schließlich aus dem Sattel. "So, irgendwelche wichtigen Anmerkungen?", fragte ich in Richtung des Mannes, während ich meinen Umhang sorgfältig über meine Waffen zog, sodass man sie nicht auf den ersten Blick sehen konnte. Ich musste niemanden misstrauisch machen...

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Lumira


    Nach einer Weile, in der wir einfach in angenehmem Schweigen verweilt hatten, schlug Narvik vor, schlafen zu gehen.

    Ich sah zu ihm hoch und erwiderte sein Lächeln. Dazu deutete ich ein Nicken an. "Ich schätze, das ist eine gute und - für dich - ziemlich vernünftige Idee." Aus meinem Lächeln erwuchs ein Grinsen, letzteres hatte ich mir einfach nicht verkneifen können. Ich grinste ihn noch einen Moment scheinheilig an, ehe ich mich umständlich hochstemmte, um mich neben den Stiefeln auch von der Hose zu befreien. Das war für die Nacht doch um einiges bequemer. In dem übergroßen Hemd und dem zerzausten Haarvorhang musste ich wie ein sehr seltsam proportionierter Mensch aussehen.



    Scar


    Endlich erreichten wir das Örtchen. Ranya landete mit einem dumpfen Geräusch neben mir auf der staubigen Straße, als sie vom Pferd sprang. Auf ihre Bemerkung hin, zog ich fragend die Augenbrauen zusammen. "Ich bezweifle, dass es hier in dieser winzigen Ortschaft ein Rathaus gibt, indem man - natürlich ganz illegal - mal durch die Einwohnerregister blättern könnte. Da ich aber weiß, wie die Dorfleute so sind, bin ich nicht sonderlich scharf darauf, jedem hier auf die Nase zu binden, wen wir suchen. Ich will erst mehr wissen. Bis dahin sind wir unsichtbar. Soo...", beendete ich die Ansprache und sah sie erwartungsvoll an. "Wo gehen wir also als Erstes hin?" Für mich lag die Antwort auf der Hand, mal sehen, was sie vom Quizspielen hielt.

  • Ranya

    Unbeeindruckt lauschte ich seinen Worten, als mir etwas ins Auge stach. "Ich glaube, wir müssen nicht mehr suchen", murmelte ich und drückte dem Fremden die Zügel mit der knappen Anweisung "warte" in die Hand. Zielstrebig steuerte ich auf ein Haus zu,in dem soeben eine Frau verschwunden war. Dort angekommen klopfte ich gegen die Tür. Erst geschah überhaupt nichts, dann wurde die Tür mit einem Mal aufgerissen und die Frau stand mit zwei Schwertern bewaffnet vor mir. "Was wollt Ihr hier?", zischte sie, doch ihre Augen verrieten sie. Sie machte sich Sorgen.



    Narvik

    Ihre Worte ließen mich lachen. "Stimmt", gab ich ihr recht, ehe ich ihr einen Kuss gab. "Allerdings wären mir noch ganz andere Dinge eingefallen", raunte ich ihr zu, mehr im Sinne der Belustigung. Ich wollte sie nicht in diese Richtung beeinflussen, aber es gefiel mir, wenn sie errötete. Außerdem passte so ein Spruch einfach zu mir. Darum war ih nicht herumgekommen.

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    -Edward Snowden

  • Scar


    Ich wollte gerade gewaltig protestieren, als sie mir mit ihrer seltsamen Bemerkung die Zügel ihres Gauls in die Hand drückte, gemeinsam mit einem "Warte." Das klang leider sehr nach einem Befehl und ich wollte ihr schon erklären, wie leid ihr das tun würde, sollte sie das noch einmal versuchen. Bedingung für das Vieh war darüber hinaus gewesen, dass ich nichts damit zu tun haben würde. Dass es mich jetzt interessiert beschnüffelte, änderte nichts daran. Misstrauisch hielt ich es davon ab, mir mit seinem Kopf zu nah auf die Pelle zu rücken, während ich Ranya mit zusammengezogenen Augenbrauen und missgestimmtem Blick folgte. Ich begriff schnell, was - oder besser "wen" - sie in dem Haus, auf das sie zusteuerte, zu finden hoffte. Amüsiert beobachtete ich, wie sie zunächst ratlos vor der Tür warten musste, bis die Hausherrin sich schließlich doch noch dazu entschloss, zu öffnen. Innerhalb einer Millisekunde scannte ich automatisch ihre Personenbeschreibung ab. Es bestätigte nur, was ihre höchst unauffällig feindselige Erscheinung und das, was sie leise von sich gab, ohnehin schon nahelegte. Sie schien beunruhigt, sehr beunruhigt, die Gute. Was wohl der Grund dafür war? Ich setzte ein übertrieben freundliches und natürlich auch äußerst respekteinflößendes Lächeln auf und steuerte mit großen Schritten auf die beiden zu. Der Gaul folgte notgedrungen.

    "Falsche Frage", erklärte ich an die dunkelhaarige Frau gewandt und schob als Erstes schon einmal beiläufig den Fuß in die Tür, indem ich mich kurzerhand in den Rahmen lehnte. Falls sie uns aus unerfindlichen Gründen und einer plötzlichen Eingebung heraus doch noch loswerden wollen würde. Sicher war sicher. "Die richtige Frage", fuhr ich fort und lächelte zu ihr herunter, "ist, was du hier machst. Ich an deiner Stelle wäre nicht im Dorf geblieben, wenn ich so beunruhigt wäre wie du. Ist immerhin das Dümmste, was du machen kannst, selbst wenn es zunächst als schlauer Trick erscheinen mag, zu bleiben, wenn alle denken, man wird gehen. Letztendlich wirst du dort dann doch als Erstes gesucht." Ich zuckte mit den Schultern. "Oder", mutmaßte ich weiter, "die überaus intelligente Frage galt meiner unglaublichen reizenden Begleiterin und ihr kennt euch bereits?" Ich warf einen kurzen Blick zu Ranya, mit kaum merklich verengten Augen. "Wie auch immer." Ich drückte Ranya die Zügel wieder in die Hand. "Das ist kein Ort für das Gespräch, das wir haben werden. Lädst du uns ein oder muss ich das selbst tun?", fragte ich betont liebenswürdig und sah die Erjagte abwartend an. Zugegeben, ich hatte mehr mit einer Treibjagd und ein bisschen Versteckspiel gerechnet. Durchaus ein wenig enttäuschend. Aber ich würde mich nicht beschweren, wenn mir die Arbeit von alleine zuflog.



    Lumira


    Es war eigentlich klar gewesen, dass Narvik das Ganze nicht würde ohne irgendeinen für ihn typischen Kommentare abschließen würde. Er war immerhin er. Anderenfalls würde ich mir wohl fast schon Sorgen machen. Und trotzdem: natürlich verfehlte er auch diesmal nicht, worauf er vermutlich bewusst abzielte. Meine Nackenhaare stellten sich auf, als er mir ins Ohr raunte und sein Atem mich streifte. Direkt im Anschluss färbten sich meine Wangen leicht rosa. "Das kann doch nicht wahr sein", jammerte ich, wenn auch eher spaßhaft. "Na warte." Mit diesen Worten griff ich blitzschnell hinter mich und bekam eines der großen, weichen Kissen zu fassen. Das bekam Narvik nun ins Gesicht. Irgendwie musste ich mich ja revanchieren, ich konnte ihn unmöglich immer damit davonkommen lassen. "Steht dir", bemerkte ich grinsend.

  • Ranya

    Wie zu erwarten gewesen war, war der Fremde mir gefolgt. Und wie zu erwarten gewesen war, konnte er seine Klappe nicht halten. Mirana, wie sie wohl heißen musste, wenn ich mich richtig erinnerte, zischte etwas Unverständliches, ehe sie ihre Schwertspitze auf den Mann richtete. "Seid vorsichtig", warnte sie ihn eindringlich. "Nur, weil ihr mein Haus noch nicht betreten habt, heißt das nicht, dass mein Haus nicht gegen unerwünschte Gäste gesichert ist."
    Entnervt warf ich dem Fremden einen Blick zu. So ein Idiot... Jetzt erst wandte ich mich wieder der Frau zu. "Jon schickt uns", erklärte ich ruhig.



    Narvik

    Zufrieden stellte ich fest, dass sie errötete. So niedlich. Als sie mir allerdings einen Polster ins Gesicht schlug, lachte ich und warf sie nach hinten auf das Bett, um dann belustigt auf sie herunterzuschauen. "Denkst du, sowas lasse ich mir gefallen?", fragte ich grinsend, ehe ich ihr einen Kuss auf das Schlüsselbein gab. "So leicht bin ich nicht zu besiegen. Auch nicht im Spiel." Ich zwinkerte ihr zu.

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Scar


    Ich hob interessiert die Augenbrauen, lediglich meine Augen konnten ein wenig Spott nicht verbergen. Vorsichtig fasste ich ihre Schwertspitze und rückte sie ein wenig von meiner Brust weg. "Kein Grund, so feindselig zu sein. Immerhin wollen wir uns doch nur unterhalten." Ich lächelte weiterhin breit. Tatsächlich hatte ich Spaß. "Fürs Erste."

    Ich bekam natürlich mit, dass mir Ranya einen tadelnden Blick zuwarf, dann ich ignorierte ihn wie immer. Ich musste mich nicht tadeln lassen. Irgendwer musste hier ja mal klarstellen, wie die Verhältnisse waren.

    Während meine reizende Begleitung nun erklärte, das "Jon" uns "geschickt" hatte, nickte ich wartend. "Ganz genau, Jon", pflichtete ich bei und schaffte es, dabei vollkommen ernst zu bleiben.

    "Also, was ist jetzt?", erkundigte ich mich schließlich, die Finger meiner einen Hand streichelte ganz beiläufig über den Griff meines Schwertes, wie als wollten sie einen unsichtbaren Fleck beseitigen, ehe ich der Frau wieder lächelnd in die Augen sah. Leicht wippend stieß ich mich vom Türrahmen ab.



    Lumira


    Ehe ich mich versah oder auch nur noch einmal Luft holen konnte, hatte Narvik mich bereits blitzschnell nach hinten geworfen und war sofort wieder über mir. Er war eindeutig der Stärkere, was das anging und trotzdem konnte ich es nicht lassen. Ich kicherte, ehe es einem Lächeln wich, als seine Lippen kurz mein Schlüsselbein berührten. Es war recht deutlich ausgeprägt, das dünne Kettchen schmiegte sich meist nahezu perfekt dazwischen.

    "Wer behauptet das?", fragte ich dann zurück und klimperte unschuldig mit den Wimpern. Bereits im nächsten Moment rollte ich mich zur Seite und schlüpfte flink unter seinem Arm hinweg, ehe ich von hinten Arme und Beine um seinen Körper schlang. Ich revanchierte mich mit einem zarten Kuss in seinen Nacken, ehe ich einen, wenn auch nicht so aussichtsreichen Versuch startete, ihn niederzuringen. Aber zumindest würde er es in dieser Position etwas schwieriger haben. Ich genoss unser Herumgealber, dabei fühlte ich mich immer so wunderbar sorglos. Vor allem hatte ich das Gefühl, dass es nicht nur mir so ging. Gegen Spaß war eigentlich nie etwas einzuwenden.

  • Darion

    Seufzend ergab ich mich meinem Schicksal und folgte den Beiden. Also schön, ich kann das hier auch ohne mich von meinem Gedanken abzulenken zu lassen. Jawohl, du bist ein erwachsener Mann Darion! Es bestand ja auch immer noch die Möglichkeit, dass alle Gasthäuser belegt waren und wir weiter mussten. "Das ist wohl nicht so wahrscheinlich oder, Philipa?" Daraufhin schüttelte das Pferd sich so stark, dass es mich fast von ihrem Rücken schmieß. Laut lachend holte ich den Abstand zum Rest wieder auf.


    Malverik

    Bei dieser unschuldigen Aussage wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. War sie wirklich so blauäugig? Dann konnte ich wohl nur mir selbst in den Hintern für treten. Aber erstmal abwarten. "Na, dann wollen wir mal sehen, was wir hier finden können." Nach einigen Straßen hielt ich Barbadoss vor einem gemütlich aussehendem kleinen Gasthaus. "Was meint ihr?"

  • Ranya

    Die Frau wirkte misstrauisch, musterte uns beide, aber schien jederzeit bereit, ihre Schwerter einzusetzen. Fieberhaft überlegte ich, wie ich sie davon überzeugen konnte, dass Jon und ich einander kannten. Also entschied ich mich für ein Detail, das mir jetzt so viel schlüssiger erschien. "Eine Karte, nicht wahr? Seine Tätowierung auf seinem Rücken ist eine Karte, oder?"
    Überrascht weiteten sich ihre Augen, ehe sie sie wieder zusammenkniff. "Was habt Ihr mit ihm gemacht?"

    Abwehrend hob ich die Hände. "Überhaupt nichts."

    "Wieso sollte er Euch die Tätowierung zeigen?"
    Ich biss mir auf die Unterlippe. "Lange Geschichte", entgegnete ich rasch. "Er meinte nur, er würde die Tätowierung mit etwas Wertvollem verbinden." Wertvoll. Kaum hatte ich dieses Wort ausgesprochen, ließ die Frau die Schwerter sinken. "Also gut, was wollt Ihr?"



    Narvik

    Ich lachte auf, als Lumira sich befreite und mich sogleich 'attackierte'. Doch ihr Kuss in meinen Nacken, so sanft und zärtlich, brachte mich schon wieder auf schlechte Ideen. Verflucht, warum musste sie nur so eine Anziehungskraft auf mich haben?...
    Lachend krümmte ich mich zusammen und griff nach Lumiras Fuß. Nun wollten wir sehen, ob sie kitzelig war. Ich grinste, als ich begann, ihre Fußsohle zu kitzeln.



    Aena Keleis

    Offenbar war Malverik selbst noch nicht sicher. Missmutig schürzte ich die Lippen, beließ es aber dabei. Dann würde ich später vielleicht alleine gehen.
    Kurz darauf kamen wir an einem Gasthaus an. Auf Malveriks Vorschlag hin nickte ich und schwang mich aus dem Sattel. Vielleicht war nachher also doch noch Zeit für ein ausgiebiges Bad und Entspannung...

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Scar


    Ich verfolgte die Konversation oder vielmehr Ranyas Ausführungen. Währenddessen wanderten meine Mundwinkel allerdings immer weiter nach oben. So viel gegrinst, hatte ich schon ewig nicht mehr, ich hatte beinahe schon schmerzen. Aber erstens hatte ich tatsächlich Spaß, jagen machte mich einfach glücklich. Und zweitens war ich professionell und es hatte sich immer als zielführender erwiesen, zumindest eine gewisse Freundlichkeit auszustrahlen.

    Eine Tätowierung also. Eine Kartentätowierung. Ich konnte die Frau gut verstehen, als sie direkt nachhakte, woher Ranya das denn wissen wollte, beziehungsweise konnte. Nur meinte ich im Gegensatz, mir die Frage darauf selbst beantworten zu können.

    So war das also. Interessant - wobei, eigentlich nicht. Jonhatte bestimmt nichts dagegen gehabt. Wie schnell Ranya das Thema zurück vom Tisch schob, entging mir selbstverständlich nicht.

    Immerhin schien die Frau uns nun doch noch einmal darüber nachzudenken, ob sie sich nicht doch noch etwas länger unserer Gesellschaft aussetzen würde. Freiwillig, verstand sich, drum herumkommen würde sie so oder so nicht. Ich weigerte mich, sie bei dem Namen zu nennen, den Jonathan genannt hatte, weil ich keinerlei Sinn darin sah. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war es sowieso nicht ihr richtiger. Es sei denn, sie besaß nicht einmal dieses Fünkchen an Intelligenz. Das wäre wohl denkwürdig, weshalb ich zunächst einmal davon ausging, dass sie nicht auch noch diesen Fehler begehen würde.



    Lumira


    Narvik krümmte sich nach vorne, aber ich hielt mich hartnäckig fest. Ansonsten schien Narvik, wie nicht anders zu erwarten gewesen, eher unbeeindruckt von meiner Attacke. Vielmehr belustigt. Aber wirklich verübeln konnte ich es ihm nicht. Dafür seine nächste Methode, die er aus seinem Repertoire hervorholte, auch wenn sie mir schon viel zu gut bekannt war. Aber wieso die Methode wechseln, wenn sie so gut funktionierte? Der Kitzel-Gegenschlag zeigte jedenfalls mal wieder volle Wirkung. Auch, wenn ich glücklicherweise an den Fußsohlen nicht ganz so empfindlich wie an den Seiten war, schlug ich reflexartig mit dem Fuß zur Seite aus und versuchte ihn, hinter Narviks Rücken in Sicherheit vor derartigen Angriffen zu bringen. Außer Reichweite von seinen Händen. Das war allerdings leichter gesagt als getan. Um es ihm etwas zu erschweren, versuchte ich weiterhin, ihn mit meinem Gewicht nach hinten zu ziehen.

  • Ranya

    Ein Blick zu dem Fremden zeigte, dass ihm die Situation offenbar nicht unangenehm war. Natürlich nicht. Ihn amüsierte das klarerweise. Mich nicht und ich errötete kaum merklich.
    Ich warf ihm einen warnenden Blick zu, ehe ich mich wieder an die Frau wandte. "Jon wollte, dass wir Euch zu seinem Haus bringen, Mirana."
    Sie lächelte. "Nennt mich Fiona." Ein Schmunzeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. "Jon also... Der muss ganz schon Angst haben, dass er sich an mich wendet...", murmelte sie, wohl eher für sich selbst.



    Narvik

    Sie versuchte, mich nach hinten zu ziehen und gemeinsam mit ihrem Gezappel sorgte das dafür, dass ich nach hinten kippte und beinahe auf ihr landete, hätte ich mich nicht abgestützt. "Pass auf", warnte ich sie lachend, "ich will dich nicht zerquetschen, dann sähest du vermutlich nicht mehr so gut aus, wie jetzt." Ich grinste.

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    -Edward Snowden

  • Scar


    Spöttisch bemerkte ich, dass sich Ranyas Gesichtsfarbe ganz leicht ins rötliche hin veränderte. Ihr war die Situation wohl peinlich. Die armen Menschen, die immerzu all diese verschiedenartigen Gefühle verspürten. Es musste anstrengend sein. Mir war es nach wie vor ein Rätsel, wie man diese Qual freiwillig auf sich nehmen konnte. Aber ich würde mich nicht beschweren, denn ich als jemand, der sich nicht dazu zählte, hatte wohl schon oft davon profitiert. Gefühlsgesteuerte, empathische Wesen waren doch so viel leichter zu durchschauen und ihre Handlungen vorhersehbar.

    Ihr warnender Blick ließ mich unmissverständlich die Stirn runzeln. Sie war - vor allem jetzt, so peinlich berührt - eindeutig nicht in der Position dazu. Mein Blick ruhte weiterhin auf ihr, wie immer lag etwas Kühles, ein wenig Herausforderndes darin.

    Unser Beuteobjekt lenkte mich ab, es war mittlerweile unschwer zu erschließen, dass die beiden Frauen sich nicht gänzlich unbekannt waren. Es gefiel mir allerdings nicht, dass sie offenbar nicht gedachten, mich einzuweihen, woher das kam.

    Immerhin nannte sie nun schon einmal einen anderen Namen. Was allerdings auch noch nicht hieß, dass es ihr richtiger war.

    "Willst du so genannt werden oder wurdest du tatsächlich so genannt?", fragte ich direkt geradeheraus.



    Lumira


    Zu meinem eigenen Erstaunen zeigte meine Methode nun doch Erfolg und Narvik kippte nach hinten. Sein Kommentar ließ mich vergnügt lachen. "Also erstens: So leicht zu zerquetschen bin ich nun auch wieder nicht, genauso wie du auch nicht derart schwer bist. Und zweitens:", ich grinste, "hast du dich ja abgefangen, um genau das zu verhindern." Ich blinzelte unschuldig. "Ich würde sagen: Ausgleich", verkündigte ich zufrieden und blickte ihm in die funkelnden Augen.

  • Ranya

    Sein Blick hatte etwas Provozierendes an sich und vielleicht wäre ich auch darauf eingegangen, hätte er nicht selbst wieder seinen Fokus auf die Frau gerichtet, die sich als Fiona vorgestellt hatte. Sie lachte. "Ihr seid amüsant." Sofort verschwand ihr Grinsen wieder. "Fangt lieber an, die richtigen Fragen zu stellen, bevor Ihr Euch mit einer Nebensächlichkeit wie einem Namen auseinandersetzt." Sie verstaute die Schwerter und trat zu einem Schrank, aus dem sie rasch einige Gegenstände und Kleidungsstücke zog, die sie in einen Beutel stopfte.
    Ein amüsiertes Grinsen konnte ich mir angesichts der vorangegangenen Konversation nicht verkneifen. "Scheint so, als wärt Ihr nicht der Einzige, der Fragen nicht wie ein normaler Mensch beantworten kann", kommentierte ich belustigt in Richtung des Mannes, ehe ich Mirana, Fiona, wie auch immer, in das Haus folgte.



    Narvik

    "Was weiß ich?", erwiderte ich lachend. "Auf wichtige Dinge und Menschen passt man eben besonders gut auf und hat Angst, sie kaputt zu machen." Ich streichelte sanft ihre Wange, während mein übliches Grinsen wieder mein Gesicht zierte. "Außerdem musstest du doch schon genug durchmachen, ich würde dir gerne einen Heilerbesuch ersparen." Das hatte ich zwar mit Belustigung ausgesprochen, doch die ernste Wahrheit hinter diesen Worten war mir sehr wohl bewusst. Ich wusste nicht genau, was ihre Eltern mit ihr so gemacht hatten, aber wenn ich mich an ihren Vater, den verrückten Axtwerfer erinnerte, der es billigend in Kauf genommen hatte, eventuell auch seine eigene Tochter zu treffen, dann war mir klar, dass ich ein mulmiges Gefühl bei dieser Frage hatte. Die Mutter war ja ebenfalls wohl nicht die charmanteste Person auf diesem Planeten, wenn auch ein wenig zivilisierter. Sie hatte mich ja nur verscheuchen wollen, auf das Werfen mit einer Axt hatte sie gnädigerweise verzichtet. Was für seltsame Menschen. So gesehen war es umso besser, dass Lumira mich umgerannt und ich ihr später geholfen hatte. Solche gemeingefährlichen Menschen sollten nicht die Gewalt auf so ein unschuldiges, hübsches und mutiges Wesen wie Lumira haben. Und ich würde alles dafür geben, damit das auch nie wieder geschah. Vor allem, wo ich wusste, dass Lumiras größte Sorge ihre Familie war. Ich hatte mir vorgenommen, auf sie aufzupassen, ich würde Lumira weiter beschützen und ich würde gegen ihre Ängste ankämpfen, damit sie sorgenfrei leben konnte. Was auch immer das bedeuten würde.

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Scar


    Nennt-mich-Fiona lachte. Ich hoffte bloß für sie, dass sie mich nicht auslachte. Aber der Gute Jonnyhatte ja noch etwas mit ihr vor. Ich würde mich also benehmen, ich nahm meinen Beruf ernst. Das hieß trotzdem nicht, dass ich mir deshalb alles gefallen ließ.

    "Manchmal sind Nebensächlichkeiten der Anfang, um auf die richtigen Fragen auch die richtigen Antworten zu bekommen. Ich mache meine Recherche lieber gründlich", erwiderte ich also ruhig. Immerhin packte sie ihre Schwerterlein nun weg und kramte stattdessen etwas aus einem Schrank hervor. Ich versuchte natürlich einen Blick darauf zu erhaschen, aber von der Tür aus war er leider uneinsehbar. Dennoch dachte ich mir meinen Teil.

    Ranya gab etwas von sich und schien wieder überaus heiter. Ich warf ihr einen irritierten Blick zu, ehe ich ebenfalls durch die Tür trat. Im Grunde wartete ich ja schon die ganze Zeit darauf. Wie selbstverständlich marschierte ich deshalb nun in Nennt-mich-Fionas Haus hinein und sah mich interessiert um, wobei ich mir in rasender Geschwindigkeit das Gesehene speicherte.



    Lumira


    Ich grinste bei Narviks liebevollen Worten, allerdings verschwand es allmählich infolge seiner zweiten, eigentlich spaßhaften Bemerkung. Seine Augen verrieten mir, dass auch für ihn etwas Ernstes damit einherging. Ich drehte den Kopf zur Seite.

    Tatsächlich hatten mich noch nicht viele Menschen zu Gesicht bekommen, dafür hatten meine Eltern gesorgt. Heiler inbegriffen. Selbst, wenn ich die Bekanntschaft manche Male vielleicht gerne gemacht hätte - ich hatte niemals ihre Bekanntschaft gemacht. Bei den Bildern, die sich sofort in meine Gedanken schlichen, fröstelte ich.

    "Dir ist bewusst, dass sie nicht aufhören werden, nach uns zu suchen, oder?", meinte ich leise. "Sie werden erst aufhören, wenn sie zufrieden sind. Und das werden sie erst sein, wenn sie uns gefunden haben." Mir war mit einem Mal entsetzlich kalt und ich musste mich zwingen, die Bilder und Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen, beziehungsweise dorthin zu verscheuchen, wo sie hergekommen waren. Aus der Verdrängung. Vielleicht rührte der Großteil meiner Angst genau daher, dass ich nicht verstand, wieso sie mich unbedingt bei sich wissen wollten, wo sie doch eigentlich froh sein müssten, wenn sie mich los waren. Zumindest hatten sie doch immer genau das signalisiert, ich konnte mir kaum vorstellen, dass es darum ging, dass ich kostenlos für sie im Haus arbeitete. Sie konnten geldtechnisch genauso jemanden einstellen. Aber obwohl es nie ausgesprochen worden war, hatte ich immer das beunruhigend sichere Gefühl gehabt, dass sie mich wohl lieber tot wüssten, als frei umherlaufend in der Welt. Nur das Warum hatte immer groß und bedrohlich darüber geschwebt. Vollkommen im Dunklen.

  • Narvik

    Meine Bemerkung schien mehr in Lumira in Gang gesetzt zu haben, als ich gewollt hatte. Ich schluckte. Als sie wieder zu sprechen begann, griff ich nach ihrer Hand, die ich in der Folge sanft zu massieren begann, während ich Lumira zuhörte. Als sie geendet hatte, zog ich sie zu mir und legte meine Arme um sie. "Süße, sie werden uns nicht so leicht finden. Laurea ist groß, wir könnten überall sein. Wir werden ein normales, unbescholtenes Leben führen, wie tausende und abertausende auch. Wie sollen sie uns da so schnell finden?" Ich strich über Lumiras Kopf und versuchte, möglichst beruhigend zu klingen, als ich weitersprach, wobei auch in mir langsam so etwas wie Sorge aufkeimte. "Und selbst wenn sie uns finden, werden wir ihnen entkommen können, verstehst du?", eindringlich blickte ich sie an, "ich bin schon Horden von Wachen entkommen, wir werden auch den Schergen deiner Familie entkommen. Wir werden immer entkommen." Ich lächelte und es fiel mir leichter, als ich erwartet hatte. Vielleicht war es doch ein ehrliches Lächeln... Dabei hatte Lumira Recht. Es konnte gut sein, dass ihre Eltern eine Horde Kopfgeldjäger auf uns ansetzte, dann hatten wir natürlich ein Problem. Und dennoch würde ich alles tun, um Lumira zu retten. Ich würde alles dafür geben, damit sie ihr restliches Leben in Frieden leben konnte. Nur war die Frage, ob es überhaupt in meiner Macht stand, ausreichend zu handeln. Denn wenn nicht, konnte es gut sein, dass selbst die größten Bemühungen nicht genug waren. Bei dem Gedanken wurde mir beinahe schlecht.

    Aber ich konnte Lumira zeigen, wie man ein Schwert führte, würde arbeiten und uns eine Existenz aufbauen, so konnten wir vielleicht wirklich unentdeckt Vorkehrungen für den Ernstfall treffen. Die wenigsten rechneten damit, dass eine Frau ein Schwert zu führen wusste, geschweige denn, wirklich kämpfen konnte, das würde ihr Vorteil sein. Und ich war mir sicher, ich konnte ihr einiges beibringen, in der Hoffnung, dass sie nur das übernahm, das ihr half.

    Aber vielleicht war das Schwert nicht einmal ihre beste Möglichkeit, sich zu verteidigen. Nachdenklich betrachtete ich sie. Sie war klug und wortgewandt, zudem unschuldig und friedliebend. Und sie konnte ziemlich beeindruckend sein. Vielleicht würde ihr das helfen, die Verbündeten zu gewinnen, die sie benötigte, um in Sicherheit leben zu können. Das Versteckspiel würde womöglich lange genug funktionieren, bis es nicht mehr nötig war.

    Und ich? Ich konnte auf mich selbst aufpassen, das hatte ich schon immer.



    Mirana/Fiona
    Bei seiner Bemerkung hob ich die Augenbrauen. So so. "Ihr seid klug", stellte ich fest, während ich den Beutel sorgfältig schloss, ehe ich ihn kurz aber gründlich musterte. "Ihr seid aber keiner von Jonathans Schützlingen." Das war durchaus interessant. Normalerweise tendierte der Soldat nicht dazu, Fremde zu schicken, um seine Drecksarbeit zu erledigen. Die Frau kam mir bekannter vor, doch der Mann... gänzlich unbekannt. Und doch konnte ich mir denken, dass es einen Grund gab, dass er nun hier in meinem Haus stand. Jonathan hatte irgendetwas an ihm erkannt, das uns nutzen konnte. Vermutlich mussten wir ihn nur davon überzeugen. Die Frage war, ob das überhaupt möglich sein würde...



    Ranya

    Es schien, als würde der Fremde sich nicht so leicht geschlagen geben, als er noch etwas erwiderte. Während er sich allerdings beinahe unverschämt interessiert umsah, postierte ich mich schließlich an der Tür und richtete meinen Blick nach draußen. Jon hatte nicht unbedingt sorglos geklungen und sollte es noch andere geben, die uns Besuch abstatten wollten, wollte ich das als Erste wissen.
    Was Fiona so von sich gab, ließ mich die Augen verdrehen. Klug. Wollte sie sich bei ihm beliebt machen? Ihre nächste Bemerkung klang beinahe verwundert. Was dachte sie eigentlich von Jon? Er würde solche Leute doch niemals bei der Wache einschleusen können, zudem zweifelte ich daran, dass der Mann loyal war, wenn es darauf ankam. Und auf Loyalität hatte Jon stets geachtet. Also entweder kannte Fiona ihn nicht, oder ich erkannte etwas nicht, das auch Jon gesehen hatte. Für mich war der Mann hier nur ein Kopfgeldjäger. Gut, er hatte eine nicht zu leugnende Anziehungskraft und doch bezweifelte ich, dass er sich je anders verhielt als jetzt.


    Cadino

    Ich zuckte mit den Schultern. "Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Ich selbst habe schon seitdem ich den Auftrag gegeben habe, keine Antwort mehr erhalten", erklärte ich. "Es wäre klüger, wenn Ihr also auf eigene Faust agiert, wenn Ihr Euch dieses Falls annehmen wollt." Zugegeben, das kam mir äußerst gelegen, so musste ich mich vielleicht nicht um weitere Kopfgeldjäger kümmern. Hauptsache, ich konnte diesen Verbrecher den Wachen ausliefern, wenn ich mit ihm fertig war.

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

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  • Lumira


    Ich drückte mich an Narvik und grub meine Finger in seine Schultern, als hätte ich Angst, er könnte sich jeden Moment in Luft auflösen. Ich musste ihn festhalten. Seine Worte klangen sehr beruhigen und luden geradezu dazu ein, in sie zu vertrauen. Ich hätte es auch wirklich gerne getan und wünschte mir fast schon, ich wäre in diesem Augenblick naiver. So allerdings war ich mir durchaus bewusst, dass wir nicht unsichtbar waren. Und es somit auch nicht unmöglich war, uns trotz allen Vorkehrungen ausfindig zu machen. Ich war mir nicht sicher, aber ich konnte mir gut vorstellen, dass meine Mutter notfalls sehr kreativ werden würde. Genaugenommen war die Unsicherheit das Schlimmste. Ich wusste nicht, was sie tat und vorhatte, geschweige denn wann und wie. Wenn ich ehrlich war, hatte ich längst damit gerechnet, dass wir Besuch bekamen.

    "Aber was ist, wenn doch?", flüsterte ich. "Was ist, wenn wir ihnen nicht entkommen können? Wir werden uns niemals wiederfinden." Was nicht hieß, dass ich es nicht versuchen würde. Ich schluckte. Ich würde wohl mein Leben lang verzweifelt nach ihm suchen. Verzweifelt und vergeblich. Vorausgesetzt, ich würde dann noch leben. Oder er. Ich schloss die Augen. Ich wollte so etwas nicht denken. Nicht mehr. Und doch überwältigte die Angst mich hin und wieder.



    Scar


    "Stimmt", erwiderte ich. "Anderenfalls wäre ich ja auch nicht klug. Ihr habt den Grund somit schon erkannt." Mein spöttischer Blick streifte wie zur Bestätigung kurz Ranya, ehe ich mich wieder zu Nennt-mich-Fiona wandte. In ihren Augen sah ich Fragen brennen. Gut so, ich behielt mir gern meine Aura bei, die Fremde im Nichtswissen verzweifeln ließ. Ich bevorzugte es, immer mehr über alle zu wissen als sie über mich.

    Ranya hatte sich in der Zwischenzeit in der Tür postiert und beobachtete offenbar wachsam jedes Blättchen, das draußen über die Straße wirbelte. Ich sah mich in aller Seelenruhe weiter um und schnippte hier und da interessiert gegen ein paar Gegenstände, während ein Ohr nach drinnen, das andere hinaus lauschte. Nicht ganz unanstrengend auf Dauer, aber ich war es unbestreitbar gewohnt.


    //Scar ist so ein... Ich habe nicht mal eine passende Bezeichnung dafür xD

  • Narvik

    Lumira hatte Recht, das war mir klar, und diese Erkenntnis war beinahe das Schlimmste. Es konnte sein, dass wir nichts ändern konnten und vielleicht doch getrennt werden würden, das zu verkennen, wäre mehr als naiv. Es wäre dumm. Und doch wünschte ich, ich könnte das zumindest für einen Moment vergessen, für einen kleinen Moment.

    "Ich weiß nicht, was dann passiert", gestand ich ein und drückte sie fester an mich, fast, als müsste ich verhindern, dass wir augenblicklich voneinander getrennt wurden. Denn wenn eines klar war, dann, dass ihre Mutter kein Interesse an mir hatte, viel eher an Lumira. Was sie mit mir machen würden, blieb meiner Fantasie überlassen, doch es war klar, dass gefunden-Werden auch für mich nicht gut enden würde, abgesehen davon, dass ich Lumira nie wieder in den Händen ihrer Familie wissen wollte. Diese Menschen hatten nichts Gutes im Sinn und waren die Letzten, die in Lumiras Nähe sein sollten.
    "Wir können nur hoffen und unsere Vorbereitungen treffen." Zärtlich strich ich über Lumiras Kopf, ihren Nacken, ihren Rücken. "Und wir dürfen nicht verzweifeln. Denn dann haben sie schon gewonnen."




    Mirana/Fiona

    Belustigt schmunzelte ich. So einer war er also... "Ihr scheint nicht gründlich recherchiert zu haben, wenn Ihr zu diesem Schluss kommt", schlussfolgerte ich belustigt und schulterte meinen Beutel, ehe ich die beiden Schwerter an meinem Gurt, den ich mir rasch umgelegt hatte, befestigte.
    Ich warf einen Blick nach draußen und entdeckte das Pferd, das die junge Kriegerin bei sich gehabt hatte. Frustriert verdrehte ich die Augen. "Ich hoffe, Euer Pferd hält etwas von Spaziergängen, denn ich bevorzuge den Fußweg."
    Sie warf mir einen skeptischen Blick zu. "Dann wärt Ihr schon zu zweit." Mit diesen Worten stieß sie sich von der Wand ab und trat zu ihrem Tier. "Dann sehen wir zu, dass wir hier wegkommen."
    Ich nickte. "Bevor sie uns finden."
    "Wer sind 'sie'?", hakte sie mit verengten Augen nach. Ob sie wohl schon einen Verdacht hatte?
    Leise lachte ich.

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide, is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden