Laurea (RPG) - Let the game begin

  • Ranya
    Ich nickte und legte meinem Pferd die Zügel wieder über den Hals, dann ging ich voraus. Dass das Pferd mir folgen würden, daran hatte ich überhaupt keine Zweifel. Die weiteren Worte des Fremdens quittierte ich mit einem Kopfschütteln, was er jedoch nicht sehen würde. Also fügte ich dem noch etwas hinzu. „Wie freundlich von dir, dass du dir Sorgen machst“, erwiderte ich ironisch. Den Blick richtete ich dennoch unbeirrt auf den Boden, um bloß nicht zu stolpern. Das Geräusch von Steinen unter den Pferdehufen verriet mir, dass meine Stute mir weiterhin folgte.

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Scar


    "Immer doch", erwiderte ich mindestens genauso kühl. Ich nickte zu den Felsen hinüber.
    "Sieht so aus, als hättest du den ersten Tag überlebt. Du darfst ruhig erleichtert sein, dass du nicht weiter durch die Dunkelheit irren musst." Wir näherten uns stetig den Felsen. Meine Annahme bestätigte sich, es war ein vermutlich der beste Schlafplatz weit du breit. Ein bisschen Selbstlob war jetzt bestimmt angebracht. Der moosige Untergrund würde sogar noch für ein wenig mehr Bequemlichkeit Sorge tragen. Na bitte. Ich trug eigentlich so gut wie nie Gepäck bei mir, lediglich etwas Proviant, meine Waffen und ein paar wenige nützliche Werkzeuge. Was das Schlafen anging, war ich somit einiges gewöhnt. Mittlerweile fand ich selbst auf Bäumen und spitzem, steinigem Untergrund beinahe erholsamen Schlaf.
    Nur deshalb würde ich sie unmittelbar in der Nische schlafen lassen, wo es eindeutig am windgeschütztesten und behaglichsten war. Ich hatte eine Lust, dass sie am nächsten Tag auch noch erkältet sein würde. Das wollte ich mir wirklich nicht antun. Ich war wahrscheinlich schon gestraft genug. Ich selbst setzte mich also ein paar Meter weiter auf den unebenen Untergrund und sammelte ein paar besonders spitze Exemplare weg.

  • Ranya
    Auf seine Worte hin schnaubte ich nur. Er hatte absolut keine Ahnung, was er eindrucksvoll unter Beweis stellte. Zwar würde ich nicht denselben Fehler machen und mich über ihn stellen, doch ich war mir sicher, dass er sich durch diese Einstellung etliche Möglichkeiten zerstörte. Aber das interessierte ihn wohl wenig. Also wandte ich mich dem Pferd zu, nahm ihm sogleich die Ausrüstung ab und führte die Stute dann an einen möglichst ungefährlichen Platz, an dem sogar ein paar Grasbüschel zu finden waren, wenn das mit einer Weide auch nicht vergleichbar war. Mit einem Seil, welches ich immer bei mir führte, und einigen Steinen konnte ich einen provisorischen Zaun einrichten. Die Stute würde nicht weglaufen, aber sicher war sicher. Erst jetzt begab ich mich zurück zu dem unfreundlichen Mann, wobei mir bewusst wurde, dass ich, sollte er hier über mich herfallen wollen, kaum Alternativen hatte, mich zu wehren, als mein Schwert einzusetzen. Kein erfreulicher Gedanke.
    Dennoch breitete ich eine Decke auf dem Boden aus. Zusammen mit meinem Umhang würde das schon reichen. Ich ließ mich darauf nieder und aß ein wenig von meinem Proviant. Schließlich blickte ich in Richtung des schemenhaft erkennbaren Fremden. "Willst du auch?"

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Scar


    Ich beobachtete nicht ohne Belustigung, wie sie das Pferd "einzäunte". Ich verkniff mir eine Bemerkung à la "Selbst das Pferd bleibt nicht freiwillig in deiner Nähe." Das wäre dann doch etwas zu viel des Guten. Ich demütigte zwar recht häufig Leute und ich konnte nicht behaupten, dass es mir keinen Spaß bereiten würde, aber im Moment hatte ich andere Bedürfnisse. Essen und Schlafen. Zudem sah Ranya ohnehin schon etwas angesäuert aus. Meine reine Art reichte offenbar schon aus.
    Umso ungläubiger war ich, als sie mir etwas von ihrem Proviant anbot. War das ihr Ernst? Ich legte die Stirn leicht in Falten, was in der Dunkelheit ohnehin kaum auszumachen war. Zumindest für jemanden, der nicht meine Augen hatte. Segen und Fluch...
    Wieso machte Ranya das? Es war mir ein Rätsel. Ich hob schließlich langsam meinen eigenen Proviantbeutel ein Stück an und deutete erklärend darauf. Ich mochte vielleicht mich selbst an erste Stelle setzen, aber solange ich noch genug hatte, würde ich niemandem sein Essen wegfuttern. Ich holte einen Apfel aus dem Beutel und biss kräftig hinein.

  • Ranya
    Als er auf seinen eigenen Proviant verwies, nickte ich und begann zu essen. Wichtig war, dass er als mein Verbündeter nicht zu kurz kam. Ich konnte von ihm halten, was ich wollte, aber ich würde mit ihm teilen und ihm helfen, wenn das nötig war. Jon wollte immerhin, dass ich mit ihm kooperierte, doch es war viel mehr eine Frage der Ehre. Verbündeten half man, egal, was man persönlich von ihnen hielt. Diese Lektion würde ich niemals vergessen...

    "Arguing that you don't care about privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say."
    -Edward Snowden

  • Scar


    Nachdem ich den Apfel vertilgt und den kleinen Rest mit einem gekonnten Wurf über das halbe Steinfeld befördert hatte, ließ ich mich wieder auf dem Untergrund nieder. Sicher war sicher, ich brauchte definitiv keinen ungebetenen Besuch in der Nacht. Dafür war mir mein Schlaf eindeutig zu heilig. Ich streckte mich auf dem Rücken aus, verschränkte die Arme unter dem Kopf und überkreuzte entspannt die Beine. So bequem, wie es eben ging.
    Ich hörte Ranya kauen, konzentrierte mich dann abwechselnd auf die wohltuende Stille und die Geräusche der Natur. Ich hatte die Kulisse auf jeden Fall vermisst. Die Einsamkeit war wahrscheinlich mein bester Freund. Mir war es wiederum ein Rätsel, wie Menschen das nicht nachvollziehen konnten.

  • Ranya
    Nachdem ich mein Essen verdrückt hatte, blickte ich wieder zu dem Fremden. „Soll ich die erste Wache halten, oder möchtest du das?“, fragte ich und deutete auf mein Schwert. Ich war es gewohnt, in der Nacht aufzupassen, es stellte also kein Problem dar. Außerdem würde ich mich ebenso beteiligen, da das hier genauso meine Aufgabe war. Und ich war es Jon schuldig. Aber natürlich ging es auch darum, meinen Verbündeten zu unterstützen.




    Narvik

    Sie verschränkte ihre Finger mit meinen, woraufhin ich sanft über ihre Hand strich. „Ich liebe dich“, flüsterte ich und zog sie sanft zu mir. Nun war ich wirklich müde, müde und zufrieden. Wir sollten versuchen, doch noch ein wenig zu schlafen. Ich legte einen Arm um sie, damit sie bei mir liegen bleiben würde. Mit der anderen Hand griff ich nach der Decke, in der ich uns beide sogleich einhüllte, damit wir nicht froren. „Gute Nacht, meine Süße“, hauchte ich und strich ihr noch einmal über den Kopf, ehe ich meinen gegen ihren legte und mit einem wohligen Seufzen die Augen schloss.

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    -Edward Snowden

  • Scar


    Wache halten... Auch so eine Sache, die wohl in ihrer Notwendigkeit überbewertet wurde. Für mich als Einzelgänger hieße das letztlich, überhaupt nicht zu schlafen. Aber schön, ehe das hier zu Diskussionen führte, würden wir eben Wache halten.
    "Ich übernehme das", entschied ich, wobei sich meiner Stimmlage keinerlei Emotion entnehmen ließ. Ich warf lediglich einen kurzen Blick auf das Schwert, das sie gezückt hatte.



    Lumira


    "Ich dich auch", flüsterte ich zurück, rollte mich ein Stückchen herum und kuschelte mich in seinen Arm. Die Augen hielt ich dabei geschlossen. Die Müdigkeit machte sich nun eindeutig bemerkbar und traf mich mit voller Wucht. Ich war wohl doch erschöpfter, als gedacht. Die Kombination aus der kuscheligen Decke und Narviks Körperwärme war perfekt. Unsere Köpfe berührten sich und ich hörte Narvik leise seufzen, ehe ich langsam aber sich in meine Traumwelt versank.

  • Ranya
    Seine Worte überraschten mich zugegebenermaßen, doch natürlich würde ich nicht ablehnen. "Gut, weck mich dann, wenn du ablösen willst." Mit diesen Worten verpackte ich meinen Proviant und legte ihn neben meine Decke, dann zog ich mir die Kapuze über den Kopf und legte den Schwertgurt ab. In meinen Umhang eingehüllt legte ich mich nun auf die Decke und deponierte meine Waffe neben mir. Mit der Hand auf dem Schwertgriff schloss ich die Augen. Der Schlaf konnte kommen... und schon bald tat er das auch, sodass ich in einer traumlosen Welt versank.



    Narvik
    Ich genoss Lumiras Körperwärme und als sie meine Liebeserklärung erwiderte, huschte mir ein Lächeln übers Gesicht. Meine Müdigkeit wirkte sogleich wie ein Sog, der mich in die Dunkelheit ziehen wollte, was ich zuließ. Doch vielleicht hätte ich das nicht tun sollen...


    Wieder einmal blickte ich in diese eisblauen Augen, die mich mit starrem Blick fixiert hatten. "Zu spät", zischte die Rothaarige, der diese Augen gehörten. Erschrocken wirbelte ich herum. Vor meinen Füßen lag Lumira, nur noch flach atmend, und aus der Seite blutend. "Lumira!!", schrie ich entsetzt. Sie war verletzt... das hier war meine Schuld... ich... Tränen sammelten sich in meinen Augen. "Was hast du getan?", brüllte ich die rothaarige Frau an, wobei ich meinen Blick nicht von Lumira nehmen konnte. "Wie konntest du?"
    "Narvik", krächzte Lumira und zog nun wieder meine gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Ohne die andere Frau auch nur noch eines Blickes zu würdigen, kniete ich mich neben sie und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Mit einer Hand griff sie nach meiner und obwohl ich keinerlei Hoffnung oder Freude spürte, schenkte ich Lumira ein Lächeln. "Ich liebe dich."
    "Ich dich auch, Narvik." Mit diesen Worten schloss sie die Augen und sogleich erschlaffte ihr Körper. Sie... sie hatte aufgehört zu atmen. Sie war tot. Ich brauchte einen Moment, um zu realisieren, was passiert war. Der einzige Mensch, den ich wirklich so geliebt hatte, war gestorben und es war meine Schuld. Nun begann ich zu weinen, hemmungslos. "Lumira!", konnte ich mich schreien hören, auch, wenn ich das alles nur noch wie durch einen Schleier wahrnahm... Das Bild wurde blasser, verschwamm, wurde schließlich dunkel.

    Durch meinen Schrei schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Meine Augen waren feucht und ich schwitzte am ganzen Körper. So ein realistischer Albtraum. Um mich zu vergewissern, warf ich einen Blick zu Lumira. Es war nur ein Albtraum gewesen, alles war gut. Nur blieb zu hoffen übrig, dass ich sie nicht aufgeweckt hatte...

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    -Edward Snowden

  • Scar


    Ich verharrte still in der Dunkelheit. Belustigt registrierte ich, wie Ranya ihr Schwert beim Einschlafen festhielt. Auch ein Kuscheltier-Ersatz. Ich konnte sie selbst von meinem Platz aus noch leise atmen hören. Entfernt raschelte es zwischen den Steinbrocken, ich tippte auf einen Hasen, es klang zumindest verdächtig nach einem. Irgendwo flog eine mittelgroße Eule auf, ich konnte ihren Flügelschlag vernehmen, mit dem sie die Luft durchschnitt. Einige rollende Steinchen, die unter dem Lauf des Hasens aufflogen, Blätterrascheln und der Wind. Es war still und gleichzeitig doch niemals still. Ich lauschte weiter entspannt in die Nacht. Nichts Verdächtiges. Auf diese Weise würde ich ein paar Stunden vor mich hindösen, ehe ich Ranya wecken würde. Ich hätte natürlich auch direkt schlafen können, aber den mit hoher Wahrscheinlichkeit daraus resultierenden Stress am nächsten Morgen wollte ich gerne umgehen.



    Lumira


    Ich verweilte in einer Vielzahl aus verworrenen Träumen, die auf seltsamste Weise miteinander in Zusammenhang standen und doch keinerlei Sinne ergaben. Ich wusste deshalb nicht, ob ich froh war oder nicht, als ich jäh aus diesen Tiefen gerissen wurde. Denn mit einem Mal hörte ich jemanden meinen Namen rufen, fast schon panisch und vor allen vergleichsweise sehr real.
    Ich setzte mich erschrocken auf und fuhr mir flüchtig über die Augen, ehe ich besorgt zu Narvik blickte.
    "Was ist passiert? Ist alles in Ordnung?", fragte ich bestürzt. In der Dunkelheit konnte ich sein Gesicht nur erahnen, aber ich sah es in seinen Augen feucht glänzen. Außerdem spürte ich, dass er völlig verschwitzt war.
    "Hattest du einen Albtraum?", fragte ich und strich ihm sanft ein paar nasse Haare aus der Stirn, ehe ich einfach meine Arme um ihn schlang. Ich konnte sein Herz heftig pochen hören, aber ich hielt ihn einfach fest umschlungen. Was auch immer losgewesen war, ich hatte das Gefühl, dass er eine solche Geste gerade ganz gut gebrauchen konnte...

  • Ranya
    Meine Träume waren verworren und schienen keinen Sinn ergeben zu wollen. Mehrere Ereignisse der Vergangenheit mischten sich darunter. Ich träumte von Jon, der mir beibrachte, wie man kämpfte, von dem Hunger, der mich als Kind so oft begleitet hatte, von meiner Angelobubg und dem Eid... Eine chronologische Reihenfolge gab es nicht. Die Erinnerungen wirbelten durcheinander, verschmolzen, wurden sinnfrei. Immer wieder wachte ich kurz auf, öffnete für einen Moment die Augen, um gleich wieder einzuschlafen.


    Narvik
    So viel zu meiner Hoffnung. Ich hatte sie aufgeweckt. Doch sie schien viel mehr besorgt und strich mir sanft nasse und widerspenstige Haare aus der Stirn, ehe sie mich umarmte. Mit einer ungeheuren Erleichterung, dass das nur ein Traum gewesen und sie wohlauf war, schloss ich meine Arme um sie. Der Gedanke, dass ich sie womöglich doch eines Tages auf so grausame Art verlieren könnte, schien in diesem Moment unerträglich. Da die Gefahr mit unserer heutigen Reiseroute aber zunehmend realer werden würde, würde ich an dem heutigen Tag handeln. Jetzt allerdings wollte und konnte ich nur die Umarmung genießen, die mir unglaublichen Trost spendete, die mich darüber hinwegtröstete, dass die Gefahr immer noch allgegenwärtig war und Lumira dadurch auf dem Präsentierteller saß. Ich würde kämpfen, um das zu ändern. Ich liebte sie so sehr, dass ich eine Zukunft mit ihr zusammen wollte. Eine Zukunft, in der mir nicht jeden Tag eine Festnahme und Lumira die daraus resultierende Einsamkeit drohte. Ich wollte Lumira ein Leben in Sicherheit bieten, vielleicht ein gemeinsames Leben.

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    -Edward Snowden

  • Scar


    Der Mond stand mittlerweile hoch über dem Wald, sein fahler Schein floss durch das dichte Geäst bis hinunter auf den Boden. Ich sah dabei zu, wie er sich gemächlich über den Himmel schob. Hin und wieder verschwand er hinter langen Wolkenbahnen.

    Ranya schlief, auch wenn mir ihr Atem sagte, dass sie nicht durchgehend im Tiefschlaf war. Schien offenbar etwas los zu sein, in ihren Träumen.

    In den ganzen Stunden stand ich lediglich ein einziges Mal auf und kletterte schnell und lautlos auf einen der beiden Felsbrocken. Vielleicht drei Meter hoch und oben war es windig, aber es störte mich nicht. Dort blieb ich eine weitere Zeit lang still sitzen, bis ich beschloss, dass es an der Zeit war, Ranya zu wecken. Ich wollte doch gerne noch etwas schlafen. Also sprang ich wieder von dem Felsen hinunter, ging zu ihr hinüber und schubste sie mit meiner Fußspitze an. "Aufwachen, du bist dran!"

    Da es mir im Grunde egal war, ob sie "Wache" hielt oder nicht, legte ich mich sogleich hin. Sollte sie mich nicht gehört haben, könnte sie am nächsten zumindest nicht behaupten, ich hätte es nicht versucht. Angesichts meiner eher unsanften Weckmethode war das jedoch eher unwahrscheinlich.



    Lumira


    Ich lächelte, als ich spürte, wie auch er seine Arme um meinen Körper schloss. Er schien aus welchen Gründen auch immer, sehr erleichtert zu sein. Sein Traum musste sehr real gewesen sein, wenn er ihn derart aufwühlte.

    "Du bist nicht allein", murmelte ich. "Es ist alles gut." Mit diesen Worten richtete ich mich ein wenig auf und gab ich ihm einen sanften Kuss auf die Stirn. Ich hatte keine Ahnung, ob diese Worte ihm halfen, aber ich hatte das Bedürfnis, ihn zu trösten. Ich schlang die Arme noch ein wenig fester um ihn und kuschelte mich an ihn, während ich ihn einfach festhielt und darauf lauschte, wie sein Herzschlag sich allmählich beruhigte.

    "Es ist alles gut", wiederholte ich leise. Das hoffte ich zumindest stark. Wenn nicht, dann würde eben alles gut werden. Auch wenn ich insgeheim besorgt war. Es war nur ein Traum gewesen, aber was konnte er geträumt haben, das ihn so sehr mitnahm?


    //Ein geheimnisvoller Traum^.^

    Lernen wir die Dame noch kennen?

  • Ranya

    Unsanft wurde ich von einem Tritt in die Seite geweckt. Sofort erhob ich mich und blickte zu dem Fremden, der sich nun schlafenlegte. Kopfschüttelnd griff ich nach meinem Schwertgurt, den ich sogleich anlegte und zog die Kapuze zurück. Eine sehr freundliche Art, jemanden zu wecken... Wenigstens war ich auf diese Weise meinen Träumen nicht weiter ausgeliefert. Schweigend näherte ich mich einem Felsbrocken, auf dem ich mich niederließ und meinen Blick wachsam über die Umgebung, deren dunkle Schemen sich abzeichneten, schweifen ließ. Ich wollte mitbekommen, wenn Gefahr drohte.



    Narvik

    Lumiras Stimme beruhigte mich ungemein und als sie mir schließlich einen Kuss auf die Stirn gab, musste ich lächeln. Was täte ich nur ohne sie? Vermutlich würde ich mein Leben niemals ändern und weiter so leben, wie bisher. Und ich wüsste nicht, wofür es sich zu leben lohnte. Aber so... Ich hatte zwar Angst um sie, aber das bedeutete, dass es nun neben Uva etwas gab, das ich zu verlieren fürchtete. Lumiras Verlust würde ich niemals verkraften, so wie es auch bei Uva wäre. Die beiden waren alles, was ich hatte...
    In diesem Moment hätte ich am liebsten angefangen zu weinen, wie damals, als ich ein kleiner Junge gewesen war, doch ich zwang mich zur Beherrschung. Das würde alles nur unnötig kompliziert machen. Außerdem war ich doch kein Weichei. Ich hatte schon lange nicht mehr geweint, das sollte so bleiben. Mit meiner Unsicherheit wollte ich nicht auch noch Lumira Sorgen bereiten.


    //Ich fürchte...

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    -Edward Snowden

  • Scar


    Ich schlief beinahe augenblicklich ein, kaum dass ich die Augen schloss. Zuvor vernahm ich jedoch noch deutlich, wie Ranya sich erhob und etwas vom Boden aufhob. Wahrscheinlich ihr Kuschel-Schwert.

    Diesmal war es ein traumloser Schlaf, zumindest hatte ich keinerlei Erinnerung dran, etwas geträumt zu haben. Solche Nächte mochte ich am liebsten, denn sie versprachen die meiste Erholung. Ruhe, Entspannung und klare Luft. Mehr konnte ich mir eigentlich nicht wünschen.



    Lumira


    Ich streichelte sanft seinen Rücken, während ich mich einfach schweigend an ihn kuschelte. Schließlich legte ich mein Kinn auf seine Brust und sah mit einem liebevollen Lächeln zu ihm hoch. "Wir sollten versuchen, noch ein bisschen zu schlafen", meinte ich sanft. "Was denkst du?"

    Sollte er das Bedürfnis haben, würde ich natürlich auch wachbleiben. Ich könnte niemals schlafen, wenn ich wusste, dass er sich Sorgen machte oder ihn sonst etwas mitnahm. Ich spürte, dass irgendetwas nicht in Ordnung war, aber gleichzeitig auch, dass er gerade nicht darüber reden wollte. Oder nicht konnte. Es machte nichts. Ich wollte bloß, dass er wusste, dass ich immer für ihn da war.



    //Oh-oh

  • Ranya

    Auf dem Felsen verharrend behielt ich die Umgebung im Blick, bis die Dämmerung anbrach. Erst dann begab ich mich zu meinem Proviant und griff nach einem Stück Brot, dass ich sogleich zu essen begann. Schließlich blickte ich zu dem Fremden. Er wirkte ruhig und friedlich, doch vermutlich trügte der Schein. Dennoch wirkte er weitaus nicht so böse, wie er sein konnte. Man könnte ihn beinahe für einen normalen jungen Mann halten. Doch davon würde ich mih nicht in die Irre führen lassen. Verwundert über mich selbst, dass ich so viel über ihn nachdachte, schüttelte ich den Kopf. "Willst du auch was essen?", rief ich zu ihm hinüber. Es war ohnehin Zeit, weiterzureisen.



    Narvik

    Erschöpft schloss ich die Augen, bis Lumira schließlich vorschlug, weiterzuschlafen. Für einen Moment blickte ich sie beinahe verständnislos an, mit meinen Gedanken war ich ganz woanders gewesen. Kurz dauerte es, bis ihre Worte zu mir durchsickerten. "Schlafen... richtig", murmelte ich. "Vielleicht besser, ja." Mit diesen Worten ließ ich mich wieder sinken, während die Angst sich weiter in mich hineinfraß. Mein Traum hatte mich nur mit der Realität konfrontiert. Und diese war weitaus schlimmer. Womöglich würde ich alles verlieren. Vor allem Lumira. Wenn sie mich nicht ohnehin hassen würde für das, was ich getan hatte. Ich tat es auf jeden Fall.

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    -Edward Snowden

  • Scar


    Als Ranya mich in der Dämmerung ansprach, war ich bereits nur noch im Halbschlaf. Egal, wie spät ich am Abend schlafen ging, wie erschöpft ich war oder wie mies es mir ging - mein Schlafrhythmus war unerschütterlich.

    Ich öffnete die Augen und blickte einen Moment lang zufrieden in den grauen Himmel. Links und rechts in meinem Sichtfeld wogen sich die dunklen Wipfel der Nadelbäume in einer kühlen Brise. So ließ es sich definitiv aushalten.

    Ich setzte mich auf, richtete meine Gurte und überprüfte sie auf fehlenden Bestand. Dann griff ich mir den Beutel aus schwarzem Leder und zog den Laib Brot heraus. Während ich ein Stück abbrach und aß, sah ich zu Ranya. "Und, hast du einen Kampf zu berichten? Was hat die "Wache" ergeben?", fragte ich spöttisch. Ich wusste natürlich, dass es ruhig gewesen war, anderenfalls wäre ich sofort aufgewacht. Aber ich konnte mir die Bemerkung nicht verkneifen, außerdem musste ich Ranya ja nicht alles auf die Nase binden. So weit kam es noch, dass sie mich "kennenlernte".



    Lumira


    Narvik schien in Gedanken bereits wieder weit weg gewesen zu sein. Ich zog kaum merklich die Augenbrauen zusammen. Was war los nur los? Irgendetwas hatte Narvik und es bereitete mir allmählich wirklich Sorgen. Das würde ich mir allerdings nicht anmerken lassen, denn das konnte er mit Sicherheit nicht auch noch gebrauchen. Gleichzeitig sollte ich wohl wirklich versuchen, noch etwas zu schlafen. Leichter gesagt als getan.

    Ich strich noch einmal zärtlich durch Narviks Haar, blieb dicht bei ihm, wo ich war und schloss schließlich die Augen. Die Grübelei hielt mich natürlich trotzdem noch eine Weile wach, aber irgendwann schlief ich doch noch einmal ein.

  • Ranya

    Beinahe wie auf Kommando - als ob er auf sowas hören würde - öffnete er die Augen und starrte eine Weile in den Himmel. Ich ertappte mich dabei, wie ich ihn schweigend beobachtete, bis er sich aufsetzte. Dann lenkte sein spöttischer Kommentar zum Glück meine Aufmerksamkeit auf sich. "Leider nicht, dein Ego hat ja ebenfalls geschlafen. Andernfalls hätte ich ihm gerne einige Schläge verpasst", gab ich zurück. Was hatte er denn erwartet? Dachte er, in der Wildnis stellten Menschen oder Tiere die einzige Gefahr dar? Offenbar war er noch leichtsinniger als erwartet. Was hatte Jon mir da nur eingebrockt? Und noch viel wichtiger: Womit hatte ich das verdient?



    Narvik

    Ich legte einen Arm um Lumira und zog sie so dicht zu mir, wie es möglich war. Nach einiger Zeit atmete sie ruhig und gleichmäßig, im Gegensatz zu mir war sie wohl eingeschlafen. Von Schlaf konnte bei mir wohl keine Rede sein. Zwar döste ich immer wieder ein, doch wirklich erholsam war das nicht. Umso erleichterter war ich, als irgendwann die Dämmerung anbrach. Ganz vorsichtig, um Lumira nicht zu wecken, löste ich mich von ihr und erhob mich. Vielleicht würde es mir helfen, Tatsachen zu schaffen und sie in Sicherheit zu wissen.

    Vorsichtig schlich ich zu meinem Beutel, aus dem ich nach kurzem Suchen eine dünne Schnur und ein Messer hervorholte. Damit setzte ich mich auf die Bettkante, mit dem Rücken zu Lumira. Nun würden wir ja sehen, wie viel Talent ich hatte. Nachdenklich betrachtete ich meine Hände. Vielleicht war mein kleiner Finger vom Umfang her geeignet, um als 'Modell' herzuhalten... Aus Gold konnte ich nichts anfertigen und einen Ring zu diesem Anlass wollte ich nicht stehlen. Ich würde ihn mir hart erarbeiten. Aber vorerst brauchte es eine Übergangslösung, um das geltend zu machen, was ich plante. "...dich und deine Familie hingegen werden wir immer schützen, wenn du schweigst, aber jeder aus deinem sonstigen Umfeld, der uns gefährlich wird, muss verschwinden." Diese Worte zählten. Meine Familie... Ich hatte keine Familie mehr, doch das sollte sich ändern.

    Zweimal legte ich die Schnur um meinen kleinen Finger und wickelte sie dann einmal um den 'Ring' herum, um diesen zu stabilisieren und zusammenzuhalten, ehe ich mit einer kleinen Masche die gesamte Konstruktion fixierte. Nun kam das Messer zum Einsatz, mit dem ich die überschüssige Schnur abtrennte und sie achtlos auf den Boden fallen ließ. Beinahe zufrieden betrachtete ich meine Arbeit. Sicher nur eine Übergangslösumg, aber nicht so schlimm, wie befürchtet. Sah sogar recht passabel aus.

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    -Edward Snowden

  • Scar


    Ich schüttelte den Kopf. "Zu deinem Glück, sonst würdest du jetzt vermutlich nicht mehr atmen." Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern.

    Während ich das letzte Stück Brot verspeiste, betrachtete ich sie noch einen Augenblick mit gewohnt starrer Miene. Dann sprang ich auf die Beine, wischte die Klinge eines Messers ab, das ich benutzt hatte und steckte es zurück an seinen Platz. Ich ließ meinen Blick über das weite Steinfeld unter uns schweifen. Oberhalb des Steinbruchs wäre es sicher der gefahrlosere Weg, aber gleichzeitig auch sehr viel weiter. Mit der Route durch den Steinbruch würden wir erheblich Zeit einsparen. Sollten wir ähnlich gut wie gestern vorankommen, könnten wir das Dorf bereits gegen Mittag des nächsten Tages erreichen. Eigentlich war die Entscheidung längst gefallen. Ich war zwar nicht lebensmüde, aber durchaus ein Sympathisant des Risikos, weshalb mich ein vergleichsweise kleines, wie es hier der Fall war, bestimmt nicht abschrecken würde. Vielleicht war die Wahrscheinlichkeit eines Steinschlags größer als von einem Baum erschlagen zu werden, aber ich war bestimmt nicht übervorsichtig.



    Lumira


    Den Rest der Nacht träumte ich ausnahmslos wirres Zeug, völlig zusammenhanglos und ich konnte mich später nicht einmal mehr richtig daran erinnern. Eins jedoch hatten die Träume alle gemeinsam und das war Narvik als Protagonist. Mit zwielichtigen Personen, allein im dunklen Wald, kämpfend auf einer Brücke, im Kerker... Und ich konnte ihm kein einziges Mal helfen. Wie ein Geist oder gelähmt, einzig als Zuschauer bestimmt. Ich machte mir wohl wirklich Sorgen, noch mehr als gedacht.

    Als ich schließlich erwachte, konnte ich bereits noch mit geschlossenen Lidern erkennen, dass es nun deutlich heller im Raum war. Noch nicht ganz wach, tastete ich neben mich. Aber ich stieß bloß auf das leere Laken. Verwirrt blinzelte ich und richtete mich langsam auf.

  • Ranya

    "Dein Ego ist wirklich nichts Besonderes, ich habe schon gegen weitaus gefährlichere Kreaturen gekämpft." Und weitaus hässlichere. Ich verfluchte den Umstand, dass dem so war, aber das war nun mal die Wahrheit. Allzu hässlich war er nicht, eher im Gegenteil, wäre da nur sein Charakter nicht so... Sei's drum. Das hier war nur eine berufliche Aufgabe wie hunderte davor auch. Nur, dass es dieses Mal bedeutend gefährlicher sein sollte...



    Narvik

    Nachdem mein 'Werk' vollendet war, erhob ich mich und ließ den provisorischen Ring in der Tasche meiner Hose verschwinden. Wo ich nun schon einmal vor dem Kleidungshaufen stand, konnte ich mich auch gleich anziehen. Gerade streifte ich mir das Hemd über, da hörte ich hinter mir ein Rascheln. Schien so, als wäre Lumira nun auch wach. Als ich mich umdrehte, bestätigte sich diese Annahme nicht so ganz. Sie wirkte irritiert, als ihre Hand auf meine Seite des Bettes wanderte, und richtete sich schließlich auf. Schmunzelnd näherte ich mich wieder dem Bett und ließ mich auf der Bettkante neben Lumira nieder. "Guten Morgen, Süße", flüsterte ich.

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    -Edward Snowden

  • Scar


    "Ich an deiner Stelle würde das nicht erproben wollen", meinte ich bloß. Ich hasste es, wenn mich Leute unterschätzten. Auch, wenn das unter Umständen ein Vorteil sein konnte, ich war gefährlich und das sah man mir auch an. Das war keine Eitelkeit, sondern realistisch.

    Ich wischte mir ein paar schwarze Haare aus der Stirn, die mich störten und warf einen kurzen Blick zu Ranya.

    "Brauchst du noch lange zum Essen?"



    Lumira


    Ich spürte, wie die Matratze einsank und im nächsten Moment vernahm ich erleichtert Narviks Stimme. Ich setzte mich fürs Erste in den Schneidersitz, zupfte ein paar zerzauste Haare hinters Ohr und fuhr mich flüchtig mit einer Hand über die Augen. Dabei gähnte ich verstohlen und blinzelte Narvik schließlich stirnrunzelnd an. "Sag bitte nicht, dass du schon lange wach bist. Oder hast du etwa gar nicht mehr geschlafen?", meinte ich und hatte augenblicklich ein schlechtes Gewissen. Er war bereits halb angezogen, es lag nahe, dass er nicht erst seit ein paar Minuten auf war. Ich hätte es besser wissen müssen und nicht wieder einschlafen dürfen.