Birch Yard Horses - Kleine "Umfrage" an die Leser (12.06.)

  • Hallo!


    Ich hatte gerade spontan lust die Geschichte meines Schleich-Hofes mit euch zu teilen.
    Wie die Überschrift vermuten lässt heißt der Hof "Birch Yard Horses", dieser Name kommt aus der Zeit, in der ich noch richtig mit den Pferden gespielt habe und es diesen Hof wirklich gab, d.h. er in meinem Zimmer aufgebaut war. Seit dem hat sich einiges geändert, inzwischen habe ich eine kleine Wohnung im Haus meiner Eltern, studiere und meine Pferde fristen ein einseitiges Leben in meinen 3 Vitrinen. Der Hof und seinen Geschichte lebt weiter, größtenteils in meinen Gedanken. Generell schreibe ich seit ich schreiben kann immer wieder Kurzgeschichten und habe auch teilweise über meinen Hof geschrieben, genau daran möchte ich euch teilhaben lassen und die Geschichte mit, mal mehr, mal weniger Bildern ausschmucken.


    "Birch Yard Horses" - Aktuelle Eckdaten


    - Boxen und Offenställe für 84 Pferde/Ponys, Paddocks und Weiden
    - eine große und eine kleine Reithalle
    - ein Dressur- und ein Springplatz
    - ein großer Platz mit Naturhindernissen, Hügeln und See
    - eine Rennbahn
    - angrenzendes privates Reitgelände (Felder und Wälder)
    - Schwimmbecken und Aquatrainer
    - Waschplatz und Solarium



    Teil 1


    "Birch Yard Horses" wurde im Jahr 1960 von Kathrin Gage gegründet.
    Es began damit, dass sie sich einen 2-jährigen Vollblutwallach names "Titanic" kaufte und ihn irgendwo unterbringen musste. Kurzerhand kaufte sie ein großes Stück Land in Kentucky und baute mit Hilfe von Bekannten einen kleinen Stall mit zwei Boxen und eine Koppel. Da Titanic nicht alleine gehalten werden konnte, brauchte sie ein Beistellpferd und so kaufte sie "Luke", einen Shire Horse Wallach.
    Kathrin hatte außer ihren beiden Pferden noch zwei Raubkatzen, einen Jaguar ("Jack") und eine weiße bengalische Tigerin ("Jale"), für die sie je ein großes Gehege bauen ließ.
    Kathrin wurde in eine Zirkusgemeinschaft hineingeboren und lernte das Reiten von ihrer Mutter und das Tranieren von Raubkatzen von ihrem Vater. Ihre Eltern kamen beide aus Deutschland, reisten mit dem Zirkus aber durch ganz Europa. Mit sechzehn Jahren beschloss Kathrin eigene Wege zu gehen, sie schloss sich mit ihrem Jaguarbaby Jack einem anderen Zirkus an und als sie achtzehn Jahre alt war, kaufte sie sich einen gebrauchten LKW und machte sich alleine auf den Weg durch Osteuropa richtung Asien. Auf ihrem Weg traf sie einen netten jungen Mann und wurde von ihm schwanger. Die Beziehung ging recht schnell in die Brüche. In Asien kam Kathrin zu der jungen Tigerin Jale. Mit den beiden Raubkatzen machte sie sich auf dem Weg zurück nach Deutschland, sie arbeitete mal hier, mal da, blieb immer einige Wochen an einem Ort und hielt sich und ihre Raubkatzen gerade so über Wasser. Im Süden Russlands brachte sie einen gesunden Jungen zur Welt, dem sie den Namen "Alexander" gab. Als sie in Rumänien war wurde ihr gerade einmal 5 Monate alter Alexander entführt, seit dem sah sie ihn nie wieder. Nach langer erfolgloser Suche und wenig hilfreicher Polizei, kehrte sie nach Deutschland zurück, wurde aber immer unglücklicher. Eines Tages beschloss sie, nach Amerika auszuwandern.
    Dort reiste sie mit ihren beiden Raubkatzen umher, trainierte sie für Filmauftritte, Werbe- und Musikvideos.
    Bis sie an einem Morgen im Herbst 1960 zu einem Galopprennen ging...

  • Die Vorgeschichte klingt schon sehr spannend. Ich bin auch gespannt, wie es weitergeht.


    (Ich kenne das mit den Geschichten, die beim Spielen entstehen und später dann im erwachsenen Kopf eine Fortsetzung erfahren, nur zu gut. ^^ Bei mir auf dem Rechner sammeln sich auch einige Stories, die ihren grauen Ursprung in meiner damals wilden Mischung aus Schleich, Playmobil und sonstwas haben und inzwischen davon ganz unabhängig ihr Eigenleben führen.)

    Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden.


    (Bertolt Brecht, 1951)


    Kein Krieg nirgends.

  • Danke euch beiden ^^


    Ich hatte früher auch nur Pferde von Schleich und einige Reitsets, das ganze drumherum an Menschen, Ställen usw. war auch von Playmobil. Auf einigen älteren Bildern wird das dann auch mal zu sehen sein :D

  • 8o WOW die Vorgeschichte klingt sooo spannend!! 8o:thumbsup:
    Richtig gut geschrieben!! Ich freue mich schon wenn es weitergeht :D
    Und das mit den Geschichten kenne ich auch... ich habe immer wieder eine neue Idee und kann dann keine der ganzen Ideen umsetzen :wacko::whistling:^^

  • Teil 2



    Sie hatte von ihrer Mutter viel gelernt, sie konnte Dressur
    bis hin zu Lektionen der Hohen Schule reiten, gesprungen war sie mit den
    Zirkuspferden bis 1,20m. Außerdem war sie natürlich auch viel mit den Pferden
    und Ponys über Felder und Wiesen gejagt.
    Aber jetzt stand sie vor einem gerade einmal zweijährigen
    englischen Vollblut - einem Rennpferd. Und sie war sich nicht ganz sicher was
    sie nun mit ihm anfangen sollte, sie fand lediglich, dass er noch aussah wie
    ein Baby und zu jung für die Rennbahn war. So beschloss sie ihn erstmal stehen
    zu lassen, ihn kennen zu lernen und vertrauen aufzubauen. Sie putze ihn viel,
    streifte stundenlang mit ihm durch die angrenzenden Felder und tobte mit ihm
    auf der Koppel. Der in die Jahre gekommenen Luke ließ sich von dem Temperament
    des jungen Vollblüters nicht beeindrucken und genoss sein Gnadenbrot auf der
    großen Weide.
    Für Kathrin war die ganze Situation ungewohnt, nun hatte sie
    ein eigenes Stück Land mit Stall und Koppel und großen Gehegen für ihre
    Raubkatzen, nie hatte sie überlegt sesshaft zu werden, Tag für Tag am selben
    Ort zu sein, größtenteils die selben Dinge zu tun - nie in ihrem Leben war sie
    länger an einem Ort als ein halbes Jahr gewesen.
    Der Winter ging vorüber, Titanic bekam plüschiges
    samtweiches Winterfell und verlor es wieder, es war ein milder Winter, aber bei
    Minustemperaturen deckte sie den empfindlichen Vollblüter ein.
    Im Frühling schien Luke wie ausgewechselt, er tobte mit
    Titanic über die Koppel und fraß gierig das frische Gras. Kathrin fing an
    Titanic zu longieren, erst ohne und bald auch mit Sattel. Sie setzte sich für
    immer längere Abschnitte bei den Spaziergängen mit ihm in den Sattel. Sie
    steckte eine Trainingsbahn ab und traf sich mit mehreren Rennpferdetrainern,
    bis sie einen gefunden hatte, der bereit war, sie und Titanic zu trainieren.
    Im Spätsommer engagierte sie einen Jockey, der Titanic ein
    paar Mal im Training ritt, bevor er dann in dem ersten Rennen mit ihm starten
    sollte.
    Sie hatte eine unglaublich tiefe Beziehung zu ihm aufgebaut,
    wenn sie mit ihm sprach stand er ganz still mit gespitzten Ohren da und schien
    ihr zu lauschen, wenn sie da war, war er ganz entspannt.
    Er war das halbe Jahr gut gereift, war noch etwas gewachsen
    und war wesentlich kräftiger als bei seinen ersten Rennen und so schien es für
    ihn ein leichtes zu sein das erste Rennen in Kathrins Besitz zu gewinnen. Sie
    war unglaublich stolz auf ihn, aber eigentlich war es ihr nicht wichtig das er
    dieses Rennen gewonnen hatte und auch nicht die Tatsache das er alle 21 Rennen
    bis zu seinem fünften Lebensjahr gewann, für sie zählte nur die gemeinsame Zeit
    mit ihm und das er glücklich war. Kathrin wich ihrem Liebling nicht von der
    Seite, sie ritt ihn im Training, putzte und wusch ihn, brachte ihn auf die
    Koppel und wieder in den Stall, fütterte ihn und mistete seine Box.
    1963 baute Kathrin mit benachbarten Farmern einen weiteren
    Stall mit drei Boxen und kaufte zwei alte Warmblüter, Brusko und Vitamina, zwei
    Turnierpferde, die mit ihren fast 20 Jahren ausgedient hatten. Die zwei ließen
    sich gut in die Zweier-Herde integrieren, blieben aber meistens unter sich,
    aber so war Luke nicht mehr alleine, wenn Kathrin und Titanic am Wochenende bei
    Galopprennen waren.




    Kathrin und Titanic - 1963, vor dem Stall








    Bis zu dem Zeitpunkt konnte sie ganz gut von den Gewinnpremien aus Titanics Rennen leben, aber da Titanic nun mit seinen fünf Jahren schon recht alt für ein Rennpferd war, fällte Kathrin eine Entscheidung, die ihr ganzes Leben für immer in eine Richtung lenken würde, die sie sich nie hätte vorstellen können...

  • OMG Johanna!!! Du hast endlich einen Thread! Alter ich mach Luftsprünge gerade!! :thumbsup: :thumbsup: :love: :love:


    total cool!!! Los weiter! :love: :love: ha; Die Vorgeschichte klingt schon mal super! Weiter!!! :love:

  • Vielen Dank! ;) Es folgen noch ungefähr 50 Jahre Hofgeschichte und diverse Nebengeschichten :D Dann seid ihr auf dem aktuellen Stand, aber erstmal brauche ich hier ein bisschen gutes Wetter, damit ich euch ein paar Bilder zu der Geschichte machen kann ^^

  • Teil 3



    Kathrin ritt vermehrt mit Titanic ins Gelände, sie wollte
    versuchen ihn mit langen Ausritten und ein wenig Springtraining auszulasten.



    Sie spürte zunehmend das er immer noch laufen wollte – er
    wollte zu Galopprennen, das war das was ihm Spaß machte, einfach zu galoppieren
    so schnell er konnte und die anderen Pferde in einer großen Staubwolke hinter
    sich zu lassen.
    Sie ließ ihn wieder an Rennen teilnehmen und er lief mit
    voller Begeisterung und immer siegreich seine Galopprennen, was es für Kathrin
    finanziell noch recht einfach machte, denn er gewann einige ziemlich hoch
    dotierte Rennen, von diesem Geld ließ Kathrin später einen Stall mit acht Boxen
    und einer angrenzenden Reithalle bauen.
    Um ein regelmäßiges Einkommen zu haben, beschloss Kathrin
    eine kleine Reitschule zu eröffnen. Dazu kaufte sie erstmal einen 9-jährigen
    Dalespony Wallach, namens Danny und eine 14-jährige Araber-Mix Stute, Beth.
    Die beiden Ponys machten sich sehr gut im Reitunterricht,
    allerdings kamen nicht viele Kinder zum Reitunterricht, weil in der Gegend fast
    jeder eigene Pferde hatte, aber dennoch sprach es sich rum, dass Kathrin nicht
    nur selber sehr gut reiten konnte, sondern es auch sehr gut anderen beibringen
    konnte.
    Luke ging auch anfangs beim Reitunterricht mit und schien
    richtig viel Spaß dabei zu haben und war sehr liebevoll und rücksichtsvoll mit
    den kleinen Kindern. Er ging auf Grund seines Alters und seiner Größe nur an
    der Longe im Schritt und Trab, denn obwohl er einen so tollen Charakter hatte,
    war es den meisten Eltern nicht geheuer ihre Kinder ganz alleine auf ihm in der
    Reitbahn zu sehen.
    Einige Kinder kamen nur ein paar Wochen, um einige
    Grundlagen oder ein wenig neues zu lernen und ritten dann wieder ihre eigenen
    Ponys bei sich zu Hause.
    Aber Anne und Lucy kamen bald fast jeden Tag. Anne konnte
    zwar schon recht gut reiten, brauchte aber ein sehr ruhiges Pferd, um sich
    sicher zu fühlen und so teilte Kathrin ihr Danny fest zu, weil er ein sehr
    braves Pony war, auf das man sich in jeder Situation verlassen konnte.
    Lucy konnte etwas besser reiten als Anne und war auch schon
    einige kleine Springwettbewerbe auf ihrem eigenen Pony geritten, dass bei einem
    Sprung im Gelände stürzte, sich das rechte Vorderbein brach und daraufhin
    eingeschläfert wurde. Seit dem hatte Lucy etwas Angst vorm reiten und besonders
    vorm Springen, wollte aber dennoch unbedingt wieder aufs Pferd. Lucy bekam Beth
    zugeteilt, mit der sie auch gut zu Recht kam. Beth war zwar manchmal etwas
    eigenwillig, aber ein von Grund auf liebes Pony.
    Bald machte Kathrin mit den beiden Mädchen gemeinsame
    Ausritte, wobei Lucy sich immer mehr zutraute und auch mal ein Stück von der
    Gruppe weg ritt und dann wieder zurückkam.










    Kathrin kümmerte sich in den Sommerferien auch einmal die
    Woche auch um Greg, einen behinderten Jungen aus der nächsten Kleinstadt, den
    das Reiten auf Luke überglücklich machte und Luke war die Sanftheit in Person.
    Im Spätsommer war es so weit, Lucy traute sich einige kleine
    Sprünge mit Beth zu überwinden, wobei trotz ihrer etwas verkrampften Haltung
    gut zu sehen war das sie schon recht geübt im Springen war, sie sah immer sehr
    konzentriert zu dem Hindernis und ritt die schmalen Naturhindernisse auf dem großen
    Platz gekonnt mittig an und fand zusammen mit Beth immer den richtigen
    Absprung. Anne schaute von Danny aus lieber zu und begnügte sich mit einigen
    Trabstangen.






    Im Herbst 1966 musste Vitamina, nach einer schlimmen Kolik
    eingeschläfert werden. Ihr bester Freund Brusko, mit dem sie seit ihrer
    Jugendzeit immer zusammen stand, blieb trauernd zurück, bis er im Frühjahr
    1967, im Alter von 29 Jahren starb.



    Brusko und Vitamina, im Sommer 1966




    1968 kaufte sich Kathrin eine Jährlingsstute aus
    Deutschland, Carinya, eine Hannoveranerin, die sie in der Dressur ausbilden
    wollte. Die anfangs ziemlich freche Stute fand in Titanic schnell einen guten
    Freund, der ihr nicht alles durchgehen ließ, deswegen und durch die Bodenarbeit
    mit Kathrin wurde aus ihr bald ein sehr umgängliches Jungpferd, das bereit war
    zu einem Reitpferd ausgebildet zu werden.



    Gerade als Carinya so weit war, dass Kathrin anfangen konnte
    sie zu reiten, kam es plötzlich zu einer Tragödie auf Kathrin’s kleinem Hof…

  • Also dann schreibe ich mal was zu deinen Bildern :D:P
    Die Bilder finde ich immer sehr passend zu der Geschichte! :thumbsup:
    Außerdem macht dieses "rost" farbene die Bilder noch interessanter und auch zeitgemäßer !! :thumbsup::love:
    Weiter so und ich freue mich schon auf die Fortsetzung!! :thumbsup:

  • Danke Bea! :)
    Obwohl es zu der Zeit schon Farbfotos gab, habe ich mich doch dafür entschieden die ersten Teile mit solchen Fotos auszuschmücken, Schwarz-weiß fand ich etwas langweilig, aber diese Sepia-Färbung mag ich persönlich generell sehr gerne ^^
    So langsam werde ich aber auch auf normale Farbfotos umsteigen :D