Historie der Elastolin-Figuren

  • Die Elastolin-Figuren der 1904 gegründeten Firma O. & M. Hausser Qualitätsspielwaren in Ludwigsburg bei Stuttgartkamen 1912 in den Größen 10 bis 14 cm erstmals auf den Markt. Nur etwas später kamen dann auch die Figuren in der Größe 7 cm hinzu. Diese in Sammlerkreisen eingebürgerten Größenangaben beziehen sich jeweils auf die Figurhöhe ohne Sockel. Dagegen gibt die Firma selber als Größe an: „Stehende Figuren zu Fuß sind 7½ cm hoch“ und „Figuren zu Pferd sind 9½ cm hoch“ (z.B. Katalog 1935-1936: S. 15). Das erste Lieferprogramm umfasste Figuren „in allen Stellungen und von allen Nationen“.


    Das von der Firma Hausser Elastolin genannte Material bestand aus einem tonähnlichen Hartmaterial mit einem Drahtinnengerüst und wird heute als „Masse“ (engl. composition) bezeichnet. Hauptbestandteile des Hartmaterials waren Sägemehl, Kasein-Leim und Kaolin. Diese Masse wurde dann per Handpresse in zweiteilige Messingformen gegeben, in eine Form der Draht gedrückt, im Trockenofen bis zu 80° C erhitzt, entgratet und dann direkt per Hand bemalt.


    1936 verlegte das Unternehmen seine Produktion nach Neustadt bei Coburg und legte den Schwerpunkt auf die Normalgröße von 7 cm, zu der als Alternative auch die Miniaturgröße von 4 cm angefertigt wurde. Der Programm-Schwerpunkt lag in den Anfangsjahren bei Soldaten der deutschen Wehrmacht, Rittern, Indianern und Cowboys sowie bei Tieren aus Deutschland, Nordamerika und Afrika. Außerdem gab es als Zubehör Gebäude aus Holz, Fahrzeuge aus Metall sowie Zelte und Flaggen aus Stoff.


    Mit der Machtübernahme der Nazis wurden fast nur noch Figuren und Zubehör hergestellt, die deren Zensur standhielt. Neben allen Sparten im militärischen Bereich waren dies auch die Hitlerjugend oder der Bund Deutscher Mädchen und alle führenden Persönlichkeiten mit genau gearbeiteten Porzellanköpfen. Aus der früheren Produktionsfülle verblieben nur noch einige Wildwestfiguren sowie Tiere und Eisenbahnfiguren.


    Im Krieg ging die Produktion mit immer größeren Schwierigkeiten bis Anfang 1943 weiter und es wurden dann hauptsächlich Holzspielwaren und Spiele hergestellt. Der letzte Katalog war der von 1939/40. Ende 1946 wurde die Figurenproduktion mit Genehmigung des Büros Coburg der Amerikanischen Militärregierung wieder aufgenommen.


    Schon Anfang 1940 wurden erste Versuche mit der Verwendung von Kunststoff zur Figurenherstellung angestellt. Zuerst waren allerdings die Kunststoffe zu hart und spröde. Die vorhandenen Farben hafteten kaum oder nur schlecht. In den frühen 50’er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden dann die fein detaillierten, kunstvoll handbemalten Figuren aus Hartplastik geschaffen (7 cm = 1 : 25, 4 cm = 1 : 45), bei denen der weichere, leichter verformbare Kunststoff (Polystyrol) nach der Einspritzmethode bereits eingefärbt in Metall-Formen gepresst wurde und dann eine weitere Bemalung aus gut haftenden, Gift freien Farben erhielt. Dabei bestanden die ersten Spritzformen aus weichem Messing und waren für langfristige Massenproduktion nicht geeignet. Die Entwicklung der Formen aus hochqualitativem Stahl führte dazu, dass die ersten Plastikfiguren nochmals künstlerisch überarbeitet wurden und nun in zwei verschiedenen Fassungen mit identischer Artikelnummer vorliegen.


    Viele der „Masse“-Figuren blieben aber im Programm, bekamen teilweise neue Artikelnummern (z. B. alle Cowboys 69’er Nummern) und wurden erst nach und nach durch die Hartplastik-Variante ersetzt. Auch gab es Kombinationen beider Materialien. So bekamen die 1956 entstandenen Bundeswehrsoldaten einen Körper aus „Masse“ und einen Kopf aus Plastik und bei einigen „Masse“-Tieren wurden die ursprünglich aus Metall bestehenden Hörner oder Geweihe durch Kunststoff ersetzt. Die ersten Hartplastik-Figuren fanden sich im Katalog aus dem Jahre 1955 (Wildwest-Figuren der sogenannten „J“-Serie), während „Masse“-Figuren letztmals 1967offiziell angeboten wurden.


    Hinsichtlich der Bemalung der Elastolin-Hartplastikfiguren lassen sich drei verschiedene Varianten unterscheiden:


    Von 1955 bis 1960 wurde der Figurenrohling aus elfenbeinfarbenem Plastik in stark verdünnte Hautfarbe getaucht und danach in Wischtechnik (Lasierung) die Kleidung angemalt. Dabei wurde noch im feuchten Zustand leicht über die Figur gewischt, so dass nur in den tieferen Falten der Kleidung die Farbe voll deckt, während bei den erhabenen Partien der Untergrund leicht durchschimmert. Deshalb erhielten die Exemplare der Bemalvariante I in Sammlerkreisen auch die Bezeichnung „Wachsfiguren“.


    Demgegenüber wurden bei der Bemal­variante II die meist auch kräftigeren Farben deckend aufgetragen und erhabene Partien mit hellerer Farbe graniert, d. h. ein fast trockener Pinsel, der nur noch Farbreste in Nähe der Borstenhalterung enthält, wurde leicht über die Oberfläche geführt und setzte dadurch erhellende Lichteffekte. Während anfangs noch der elfenbeinfarbene Kunststoff verwendet wurde, ging man dann zu rosafarbenem über oder wählte eine zur Hauptfarbe der Kleidung passende aus. Die Bemalvariante II wurde bis in die Mitte der 1960’er Jahre durchgeführt.


    Aus Kostengründen wurde dann die Bemalung vereinfacht. In der bis zum Produktionsende üblichen Variante III kam der zum Hauttyp passende Kunststoff zum Einsatz und die deckend aufgetragene Farbe wurde nicht mehr lasiert oder graniert.


    Vergleichbares zeigt sich bei den Reit- und Zug-Pferden sowie den Wild- und Haustieren, wobei es meines Wissens die Variante I („Wachser“) nicht gab. So sind z. B. in der Bemalvariante III bei den Pferden die Sockel einfarbig grün, die Augen nicht mehr weiß hervorgehoben und eine hellere Fellfärbung im Bereich des Bauches und der Fesseln fehlt. Als Kunststofffarbe wählte man im Allgemeinen die Fellfärbung aus.


    Um auf den Markt zu reagieren und Kindern auch weniger empfindliches Spielzeug zu bieten, entstanden ab 1959 auch einige preiswerte Weichplastik-Varianten sowie ab 1970 Steckfiguren (engl. swoppets) mit beweglichen Teilen auf einer Metall-Standplatte (70 mm) und kleinere auf einer Weichplastik-Standplatte (54 mm). Diese beiden letztgenannten Steckfigurentypen aus Weichplastik ähneln den Cowboys und Indianern von Timpo Toys, erreichten aber nie die Beliebtheit der Swoppets dieser britischen Firma. Außerdem wurden in 54 mm verschiedene Weichplastik-Tiere und einige dazu passende Figuren samt Zubehör produziert.


    Der letzte Elastolin-Katalog erschien 1982. 1983 stellte die Firma O. & M. Hausser ihre Produktion ein und ein Teil der Hartplastik-Figuren erschien im Programm der Firma Kleinkunst-Werkstätten Paul M. Preiser GmbH in Steinsfeld bei Rothenburg ob der Tauber (Bayern). Während die originalen Elastolin-Figuren neben dem Namens-Schriftzug unter dem Sockel noch einen erhabenen Punkt besitzen, fehlt dieser bei den von Preiser ausgelieferten. Die Unterschiede bei den Reitern und den Tieren beruhen vor allem auf der Bemalung und sind daher schwerer einzuordnen. Die leicht abweichenden Farben von Preiser beruhen auf dem Umstand, dass diese Firma bis heute ihre Figuren auf Malta bemalen lässt.


    In Absprache mit der Fa. Preiser wurde 1985 in Ansbach die Firma Barthel-Modellbau gegründet. Sie setzt nicht nur das Elastolin-Sortiment bis auf die Swoppets im vollen Umfang als reine Hartplastik-Figuren fort, sondern entwickelt auch in Kleinserien Neuerscheinungen. Beide Firmen und auch Germania-Figuren und Questmark boten die Figuren-Rohlinge für Bastler unbemalt an. Seit 2010 liefert Preiser allerdings keine Rohlinge mehr aus. So bleibt für Figuren-Bemaler und -Umbauer nur noch Barthel als ziemlich teure „Rohstoffquelle“ übrig. Oder man bedient sich am eingeschränkten Bestand bemalter Preiser’linge, was einem bei den Haus- und Wildtieren von Anfang an sowieso nur übrig blieb.


    Viele Grüße, HW