Mein Roman: Follow me....

  • Hier mal ein kleiner Einblick in meinen noch unfertigen Roman ;)


    Prolog


    England, Greenock, 29. Dezember 1684


    Leise knarrend gaben die hölzernen Dielen des Kaminzimmers nach, als ein großer, schlanker Mann Mitte 30 auf ihnen zu einem der vielen Sofas ging. Das Zimmer lag im warmen Schein des Feuers, das angenehm und beruhigend im Kamin knisterte. In der Luft lag der Duft von frischem Tannengrün und selbstgebackenen Keksen.
    Seufzend schaute der Mann auf das Sofa, auf dem sich ein Bild des Jammers lustlos den Arm über die Augen gelegt und sich der Länge nach auf dem Sofa breit gemacht hatte.
    „Wie lange willst du hier eigentlich noch rum liegen?“ fragte der große Mann mit etwas Zorn in der Stimme und setzte sich zu den Füßen des Jammers. Der Jammer, ein kleiner Mann Anfang 30, hob den Arm, der auf seinen Augen lag und richtete sich schwerfällig auf.
    „So lange, bis der Schmerz endlich vorüber ist.“ nuschelte der kleinere und schaute den größeren an. Der Schmerz, der aus den eisblauen Augen des kleinern sprach, ließen den größeren seufzen.
    „Wo ist der Morgan Kyrill Mc Andersee, den ich vor 10 Jahren kennen gelernt habe?“ wollte er wissen und schaute Morgan mitleidig an.
    „Der ist mit ihr gestorben, Nathanael.“ flüsterte Morgan und griff nach dem Weinglas, das auf dem Tisch neben dem Sofa stand. Mit einem Zug spülte er den roten, süßlichen Wein die Kehle hinunter und verzog sogleich das Gesicht. Er mochte keinen süßen Wein.
    „Trinken macht es auch nicht besser, Morgan!“ warf Nathanael ein und fuhr sich durch sein langes, schwarzes Haar, das die dunkelblauen Augen mystisch und geheimnisvoll wirken ließ. „Ich weiß, aber dafür stillt es den Schmerz, vorausgesetzt man trinkt eine Flasche von diesem süßen Zeug.“ Morgan stellte das Glas wieder zurück auf den Tisch und erhob sich vom Sofa. Sein Hemd saß zerknittert und halb offen an seinem muskulösen Oberkörper.
    Nathanael verfolgte jede Bewegung seines Freundes und schlug die Beine übereinander.
    „Der Grund, warum ich dich störe ist, dass Eleonora Gregory sich nicht sehr über ihr Erbe gefreut hat und dir das deine streitig machen möchte.“ erzählte Nathanael mit gesetzter Stimme und ernster Mine. Seine Kleidung saß immer adrett an seinem schmalen Körper und bestand meistens aus einem weißen Rüschenhemd, einer schwarzen Hose und einem schwarzen Jackett.
    Morgan dagegen trug aus Überzeugung nie so “feinen Fummel“, wie er es nannte, sondern hatte stets ein weites weißes Hemd und eine enge Hirschlederhose an.
    Bei dem Namen Eleonora schauderte Morgan es und er fuhr sich durch das kurze schwarze Haar. Wie er diese Frau verabscheute, ebenso wie süßen Wein.
    „Und das heißt?“ wollte Morgan wissen und wandte sich Nathanael zu. Er reckte sich ausgiebig und richtete sein zerknittertes Hemd, schloss es aber nicht.
    „Das bedeutet, dass du und die werte Lady,“ „Werte Lady?! Sie ist gewiefter als ein Fuchs und aufdringlicher als ein Aasgeier!“ fiel ihm Morgan ins Wort und machte so seine Ablehnung gegen diese Frau deutlicher. Nathanael seufzte und schaute Morgan mit gerunzelter Stirn an. „Das bedeutet, dass ihr beide euch auf den Weg nach Newcastle machen müsst, um dort den Streit zu klären, denn wie ich dich kenne, überlässt du ihr wohl kaum das Anwesen und das Land.“ beendete Nathanael seinen Satz und musterte Morgan.
    „Eigentlich ist mir das recht egal, aber diese Frau würde das Anwesen und das Land nur ruinieren!“ tat Morgan ab und setzte sich Nathanael gegenüber. Dieser erwiderte Morgans Blick.
    „Das ist dir nicht egal. Es sind Andenken an deine verstorbene Frau.“ meinte Nathanael leise und sanft. Morgan seufzte tief und verletzt. Wie Recht Nathanael doch hatte.
    „Wo soll ich Eleonora antreffen?“ fragte Morgan nach wenigen Augenblicken des Schweigens und schenkte sich ein Glas Wasser ein.
    „Hier. In zwei Tagen wird sie eintreffen und dann könnt ihr euch auf den Weg machen.“ antwortete Nathanael und lächelte Morgan an.
    „Was grinst du so?“ knurrte Morgan in sein Wasserglas und nahm einen kräftigen Schluck daraus. Leider hat Wasser nicht die gleiche Wirkung wie Alkohol, dachte er innerlich seufzend.
    „Ich grinse nicht, ich lächle lediglich. Das wird bestimmt eine interessante Reise. Wie gerne würde ich euch begleiten, aber leider, leider kann ich mein Herrenhaus nicht alleine lassen.“ Nathanael schaute auf Morgan und wartete auf seine Reaktion.
    „Spar die deinen Hohn, Graf!“ maulte Morgan und warf Nathanael einen bösen Blick zu.
    „Es macht mir aber Spaß, dich zu necken, Lord. Immer wieder springst du darauf an.“ Nathanael stand auf und klopfte auf Morgans Schulter. „Du wirst es überleben, da bin ich fest von überzeugt!“
    „Ich will hoffen, dass du Recht behältst.“ Seufzte Morgan etwas zweifelnd und schaute in das Feuer, welches aufgeregt flackerte.
    „Wann, meinst du, bricht ER wieder aus?“ fragte Morgan gedankenverloren und ins Feuer starrend. Seine Stimme war ruhig und leise, fast flüsternd. Doch der Gedanke an IHN schnürte ihm die Kehle zu. Er hörte, wie Nathanael geräuschvoll seufzte und leise mit den Zähnen knirschte.
    „Es kann in wenigen Wochen sein, aber auch erst nach Monaten. Ich finde aber langsam, dass sich ein Rhythmus bildet. Genauer gesagt, ich schätze, das du mehr als 4 Monate Zeit haben wirst!“ sagte Nathanael schließlich und gähnte hinter vorgehaltener Hand.
    „Geh zu Bett Nathanael. Ich komm schon allein klar.“ lächelte Morgan und schaute auf seinen Freund, der sich reckte und auf die Tür des Zimmers zuging.
    „Gute Nacht Morgan und angenehme Träume.“ wünschte Nathanael und verschwand durch die Tür aus dem Zimmer.
    „Angenehme Träume hatte ich seit Monaten schon nicht mehr!“ murmelte Morgan und legte sich wieder auf das Sofa. Nur langsam fand er den lang ersehnten Schlaf, der ihm seit dem Tod seiner Frau fehlte. Morgan blinzelte die verzierte, hohe Decke an und seufzte. Er hatte Nathanael verschwiegen, das nicht nur seine Frau gestorben war, sonder auch seine erste und einzige Tochter, die er und Adina, seine Frau, nach langem Versuchen und Beten bekommen hatten. Seine Hand wanderte langsam zur Brust und krampfte sich dort zusammen, wo das Herz saß. „Ihr fehlt mir so.“ flüsterte Morgan schmerzlich und verbarg seine eisblauen Augen wieder unter seinem Arm.

Share

Comments 3