Lykos - Platzangst

  • Weil der letzte Artikel so gut ankam, hier nochmals ein kleines "Schriftstück". Es ist wieder ein Ausschnitt aus dem RPG "Tatort Pferdeszene", dieses Mal jedoch von einem anderen Charakter. Lykos ist ein weisser Kaltbluthengst, und wohnt zusammen mit Schlachtpferden in einem Bretterverschlag, wo die Pferde in sogenannten Ständern stehen und sich kaum bewegen können. Lykos ist jedoch kein "Fleischpferd" sondern ein Kutschpferd. Hier ein kleines Ausschnitt aus seinem harten Leben.
    Lykos ist gerade in der Stadt an einem Wagen angeschirrt, zusammen mit einem anderen Zugpferd, welches Vidic heisst. Sie haben gerade einen ihrer toten Kumpanen in die Schlachterei fahren müssen.

    Lykos
    Wir traten endlich aus der stinkenden Hölle und ich konnte mal wieder Luft schnappen, jedoch unterdrückt durch mein enges Geschirr. Das ganze Theater ging von neuem los. Kleine Kinder winkten uns zu, rannten um uns herum... Bis wir in die Strasse einbogen, da nahmen die Eltern ihre Kinder an den Händen und zogen sie von uns weg. Ich reckte den Kopf in die Höhe, doch es ging nicht, klar. Und wieder musste ich mich meiner grössten Angst stellen. Autos brausten an uns vorbei. Wir sollten traben. Ich sprang nicht an. Ich konnte nicht. Die Panik machte sich in mir breit und liess meine Glieder versteifen. "Lyrross, Virrrik, hüa!", schrie er und seine Peitsche schleuderte auf uns herab. Ich schreckte vor, und mit einem gewaltigen Satz setzte ich mich in Bewegung. Ich riss nur noch am Geschirr, schloss die Augen, die hinter den Scheuklappen verborgen waren und merkte, wie das Geschirr scheuerte, doch ich biss die Zähne aufeinander und legte ein Tempo voran, dass mir fast schlecht wurde. Der Wagen war leichter als vorhin. Doch die Strasse war hart, und jedesmal hauten meine Gelenke gegeneinander beim Abfussen. Ich ignorierte die Schmerzen. Sie machten alls nur noch schlimmer. Ein Auto brauste an uns vorbei. Ich wehrte mich nicht. Ich zog nur noch kräftiger. Der Kutscher riss mich zurück, er liess mir nicht den Freiraum, den ich brauchte, um zu traben. Die Decke lag nass geschwitzt auf meinem verklebten Fell. Doch ich beklagte mich nicht. Ich legte mich nur noch mehr ins Zeug. In der Hoffnung, es wäre bald vorbei. Doch das war nicht so. Wieder Autos. Und dann ein Lastwagen. Er quetschte mich zwischen Randstein und sich. Und dann riss ich die Augen weit auf. Ich wollte nur noch nach vorne, weit nach vorne, weg von hier. Doch der Kutscher riss mir das Maul derb zurück. Ich schmeckte Blut. Blut, in meinem Maul. Doch ich roch viel mehr die Angst. Und die war überall. Nicht nur an meinem Maul. Warme, rote Flüssigkeit ergoss sich aus meinem taub zu scheinenden Maul auf die Strasse. Wie versteinert stand ich da. Jeden Muskel angespannt.



    Es gibt natürlich noch ein Fotsetzung, aber man soll immer dann Aufhören, wenn die Spannung am Höhepunnkt angelangt ist. :whistling:
    Hoffe, der kleine Text hat euch gefallen
    Viele Liebe Grüsse
    pita
    "Look at that, Mrs. Hudson. Quiet, calm, peaceful... isn't it hateful?"
    "Oh, I'm sure something will turn up, Sherlock. A nice murder, that'll cheer you up."

    S H E R L O C K on BBC One

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